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16.07.2012

Olympia 2012: London naht mit Riesenschritten

Am Wochenende gab es für alle 70 österreichischen Olympiastarter, darunter auch die Dressurreiterinnen Victoria Max-Theurer und Renate Voglsang sowie Vielseitigkeitsreiter Harald Ambros, im Wiener Hotel Marriott die Einkleidung, am Abend folgte im Studio 44 die Verabschiedungsparty.

Olympiateilnehmer © Ernst Kopica
54 der 70 österreichischen Athletinnen und Athleten für London.
© Ernst Kopica
Für Renate Voglsang ist es ihre Olympia-Premiere, daher war das Blitzlichtgewitter für sie noch ungewohnt. Im Interview stand sie trotzdem gerne Rede und Antwort:
Voglsang Kopica © Julia Wiltschko
Renate Voglsang im Interview mit Ernst Kopica.
© Julia Wiltschko
Wie sind deine Eindrücke vom Abenteuer Olympia?

Ich bin das erste Mal dabei und ich bin eigentlich sprachlos. Allein welcher Aufwand hier bei der Einkleidung in Wien getrieben wird. Das eigentliche Thema Olympia habe ich noch nicht realisiert, das wird sich erst in London einstellen. Der Transport muss vorher genau geplant werden, damit wir rechtzeitig hinkommen. Am 29. Juli abends müssen wir dort sein. Ich fahre ja selbst mit Fabriano im Hänger und zwar in zwei Etappen, erst einmal bis Belgien, dann mit der Fähre nach England. Wenn das Pferd dann in der Box steht, geht es richtig los.

Wie verlief die Vorbereitung nachdem bekannt wurde, dass du fix qualifiziert bist?

Die Vorbereitung war eigentlich wie sonst auch. Man versucht das Pferd zu optimieren, mehr als reiten kann ich auch nicht und ich muss immer gucken, dass er bei Laune bleibt. Ein wenig mehr Gelände, alles damit er im Kopf klar bleibt. Das eigentliche Training ist nicht wesentlich anders als vorher, denn das hat sich ja auch bewährt.

Wer wird nach London mitfahren?

Mein Trainer Christoph von Daehne mit seiner Frau, meine Eltern sind dort, mein Tierarzt, die Pflegerin und eine Freundin von mir. Gibt es vor den Olympischen Spielen besonderen Respekt oder Nervosität? Eigentlich schaffe ich es ganz gut abzuschalten und mein Ding zu machen. Hier in Wien wird mir zwar zum ersten Mal mit dem ganzen Medienrummel bewusst, wie viel da eigentlich dran hängt, aber ich denke, dass ich das hinkriege.

Wie sieht der Ablauf in London selbst aus?

Wir kommen am 29. Juli abends an, die nächsten zwei Tage wird das Pferd bewegt, damit er locker wird, am 31. Juli ist Vet-Check und ich gehe davon aus, dass ich am ersten Wettkampftag der Dressur, also am 2. August, dran bin. Dann sehen wir weiter.

Hast du dich schon mit dem Teilnehmerfeld auseinandergesetzt und Ziele gesteckt?

Das macht mein Trainer. Das schieb ich weg von mir, ich will einfach eine gute Runde drehen. Dass ich nicht ganz vorne mit reite ist mir natürlich klar, aber ich will einfach eine gute Vorstellung abliefern. In Aachen war es ja nicht ganz so optimal, da er vorher ein wenig verletzt war. Einen Ritt wie in München zu wiederholen, das wär mein Ziel und wenn mir das gelingt, dann werde ich sehen wie weit ich komme.

Wird Fabriano in London merken, dass es etwas Besonderes ist?

Ich hoffe nicht. Daher war Aachen auch wichtig, damit er sich an eine größere Kulisse gewöhnen konnte. Bisher hatte ich die Erfahrung: Umso größer das Turnier, umso gelassener war er. Die Bilder, die ich vom Stadion gesehen habe, zeigen, dass die Tribünen weit weg sind und das ist gut so.

Wie waren die Reaktionen auf die Olympiaqualifikation in deinem Umfeld?

Der E-Mail-Verkehr ist rapide angestiegen, es kommen jeden Tag so viele Mails. Ich verbringe einfach viel mehr Zeit vor dem Computer. Wir halten die Daumen und wünschen viel Glück!

In eigener Sache

Es ist also bald so weit, die letzten Vorbereitungen für das Abenteuer Olympia sind im Laufen und am 27. Juli geht es in London mit der Eröffnungsfeier los. Bereits am nächsten Tag steigen im Royal Greenwich Park die Vielseitigkeitsreiter in den Sattel, darunter auch der österreichische Vertreter Harald Ambros. In gewohnter Form werde ich so wie vor vier Jahren aus Hongkong oder 2010 aus Kentucky von den Weltreiterspielen täglich live von den Wettkampfstätten berichten: Mit Fakten, Ergebnissen und Fotos, aber auch mit persönlichen Eindrücken und Kommentaren. Im Internet-Zeitalter hat sich der herkömmliche Journalismus ja fast überlebt, Ergebnislisten und Live-Streams informieren ohne zeitliche Verzögerung direkt die interessierte Leserschaft. Ich werde daher versuchen, das Flair der Spiele zu vermitteln und spannende Hintergrundgeschichten an dieser Stelle zu bloggen.

Vorerst aber muss ich mich mit Recherchen aus der Ferne begnügen und da machte ich interessante Erfahrungen. Denn oft wirft man ja gerade uns Österreichern Nörglertum und Besserwisserei vor. Wenn man sich aber die Vorberichterstattung zu den Olympischen Spielen ansieht, dann trifft diese Einschätzung aber eher auf die Engländer zu. Denn so eine negative Stimmung in den öffentlichen Medien habe ich bei einem derartigen Großereignis noch selten erlebt. Das Florianiprinzip in Reinkultur! Jetzt ist sogar ein Bewohner von Greenwich Park für die gesamte Dauer der Reitbewerbe aus seiner Wohnung ausgezogen, weil angeblich der Generator der Klimaanlage zu laut sei – der Schwerverkehr vor seiner Tür hatte ihn bisher aber nicht gestört! Die lautstarken Befürworter für eine Austragung der Reitbewerbe in Badminton oder Hickstead müssen mittlerweile auch ihre Kritik am zentralen Schauplatz mitten in London zurücknehmen, denn die starken Regengüsse der letzten Wochen führten dazu, dass es dort „Land unter“ heißt, während die Drainagen im Greenwich Park perfekt funktionieren.

Was mir beim österreichischen Olympia-Team heuer besonders gut gefällt, ist die Harmonie und professionelle Vorbereitung. Kein Jammern oder Wehklagen über Nicht-Nominierungen, besonders seitdem auch Tamira Paszek ihren Olympia-Platz vom Internationalen Tennisverband bestätigt erhielt. Drunter und drüber ging es dagegen beim australischen Reitsportteam: Proteste von übergangenen Athletinnen gegen die Entsendungs-Entscheidungen der Dressur- und Springreiter beschäftigten sogar den Internationalen Sportgerichtshof CAS. Der musste sich auch mit einem Einspruch der Dominikanischen Republik gegen die Teilnahme einer brasilianischen Dressurreiterin herumschlagen, da diese ihre Qualifikation in einem kurzfristig angesetzten Turnier erreichte (wo war da die regelnde Hand der FEI?). Zum Glück blieb Renate Voglsang von solchen Tricks und Taschenspielereien verschont und rückte noch rechtzeitig in die Mannschaft. Für ein gewisses Schmunzeln sorgte die Causa des saudiarabischen Reiters Khaled Al Eid, dessen ursprüngliche Sperre wegen verbotener Medikation vom CAS für Olympia ruck-zuck verkürzt wurde, sodass er ab 24. Juli wieder startberechtigt war. Eine Kolik und Laminitis seines Pferdes Presley Boy verhinderten dann doch noch seinen Auftritt in London – Allah ist gerecht!

Auch der irische Verband sorgte für Aufregung: Er entzog nämlich Denis Lynch in letzter Minute seine Olympiaberechtigung, da dessen Lantinus wegen Hypersensibilität für Aachen Startverbot erhalten hatte und Lynch in Sachen Regelverstößen kein unbeschriebenes Blatt war. Aber dass man ausgerechnet Cian O’Connor nachnannte hatte Unterhaltungswert, denn der Ire verlor 2004 seine in Athen mit Waterford Crystal errittene Goldmedaille am grünen Tisch, der Grund für seine Disqualifikation - Doping! Aber auch hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, Lynch geht auch noch vor Gericht: Schöne Zeiten im Sport, wenn Gerichtshöfe und Berufungsinstanzen wichtiger werden als die Leistungen in Viereck und Parcours. Aber wir freuen uns gemeinsam mit Victoria Max-Theurer, Renate Voglsang und Harald Ambros auf spannende und hoffentlich erfolgreiche Wettkämpfe.
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