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08.08.2016

Olympische Vielseitigkeit: Australien glänzt im Gelände

Einen perfekten Tag hatte das australische Vielseitigkeitsteam am Geländetag der olympischen Vielseitigkeit. Sowohl im Team als auch in der Einzelwertung liegen die Aussies vorne. Hauptverantwortlich dafür war Chris Burton, dem neben Michael Jung und Astier Nicolas einer von insgesamt lediglich drei fehlerlosen Ritten gelang.

Chris Burton auf Santano II geht als Führender ins Vielseitigkeits-Finale. © Tomas Holcbecher
Chris Burton auf Santano II geht als Führender ins Vielseitigkeits-Finale.
© Tomas Holcbecher
Die erlaubte Zeit von 10:15 Minuten war auf der 5.840 Meter langen Cross-Country-Strecke unmittelbar neben dem Reitstadion von Deodoro nicht so sehr das Problem. „Die Zeit war einfacher als ich dachte,“ meinte auch Jung, der diese Marke um 15 (!) Sekunden unterboten hatte. Aber Parcoursbauer Pierre Michelet sorgte mit 33 diffizilen Hindernissen in der hügeligen Landschaft für zahlreiche Klippen. Diese wurden in erster Linie den favorisierten Deutschen zum Verhängnis: Weltmeisterin Sandra Auffahrt eröffnete mit einer Verweigerung ihres Opgun Louvo in Hindernis 4, Ersatzreiterin Julia Krajewski hatte sogar drei „refusals“ auf dem Konto, was zum Ausschluss und Streichresultat für das Team führte und auch der sonst so verlässlichen Ingrid Klimke wurde das letzte Wasserhindernis zum Verhängnis, als ihr Hale-Bob am zweiten Besen vorbeisprang.
Auch der nach der Dressur führende Brite William Fox-Pitt musste 20 Strafpunkte hinnehmen, was ihn auf Rang 22 zurück warf. Unbeirrt blieb der in England lebende Chris Burton mit seinem Santano II. Der Australier blieb bisher noch ohne Medaille bei Großereignissen, liegt aber in der aktuellen Weltrangliste auf Nummer 2. Ebenso souverän agierte auch deren Nummer 1 Michael Jung. Durch seine fehlerhafte Dressur fehlen dem Olympiasieger aber vor dem abschließenden Springen 3,30 Punkte auf Burton. Das ist aber weniger als ein Abwurf, entschieden ist also der Kampf um die Medaillen noch lange nicht. Denn selbst der Franzose Astier Nicolas (Rückstand 4,4 Punkte), der unverwüstliche Mark Todd (8,4) und Phillip Dutton aus den USA (9,2) sind noch nicht aus dem Rennen.
Mark Todd auf Leonidas hat immer noch Medaillenchancen. © Tomas Holcbecher
Mark Todd auf Leonidas hat immer noch Medaillenchancen.
© Tomas Holcbecher
In der Teamwertung wird ebenfalls erst nach dem letzten Tag abgerechnet. Wobei es für die hohen Favoriten Deutschland schwer werden wird ihren verpatzten Geländetag auszubessern. Derzeit liegen sie hinter Australien, Neuseeland und Frankreich (als einzige Mannschaft ohne Streichresultat) nur auf Rang 4.
Astier Nicolas aus Frankreich überraschte positiv mit einem von drei Nullern. © Tomas Holcbecher
Astier Nicolas aus Frankreich überraschte positiv mit einem von drei Nullern.
© Tomas Holcbecher
Für Vici Max-Theurer wurde es gestern das erste Mal auch offiziell: Unmittelbar nach dem Cross Country stand der Vet-Check auf dem Programm, den ihre Della Cavalleria aber souverän meisterte.
Vici und Della beim Vet-Check im Olympischen Reitstadion. © Tomas Holcbecher
Vici und Della beim Vet-Check im Olympischen Reitstadion.
© Tomas Holcbecher

Die zwei Gesichter von Rio

Das größte Problem bei Olympischen Spielen sind die weiten Wege. So auch hier in Rio de Janeiro. Und darum ist es vielen Aktiven, Besuchern und auch uns Medienleuten oft gar nicht möglich, allzuviel von den jeweiligen Städten und Sehenswürdigkeiten zu sehen. Ein wenig Improvisationstalent und Einfallsreichtum sind schon notwendig, um in kurzer Zeit einen umfassenden Eindruck zu bekommen. Mein Schweizer Kollege Sascha Dubach und ich fassten also gestern Mittag den Entschluss uns auf den Weg ins touristische Rio zu machen bzw. die Gegensätze der Stadt kennenzulernen. Bisher sind wir ja nur mit dem Reitstadion und seiner engsten Umgebung vertraut geworden, mit dem Green Village, wo wir untergebracht sind und dem Media Press Center. Wovon die Leute sonst so über Rio schwärmen, das war uns noch verborgen geblieben. Etwa der Zuckerhut, Corcovado, Ipanema oder die Copacabana.
Mitten in Vila Militar liegt der Eingang zum Reitstadion. © Ernst Kopica
Mitten in Vila Militar liegt der Eingang zum Reitstadion.
© Ernst Kopica
Also einmal ab mit dem Medienshuttle nach Barra, wo alle Bustransporte ihren Ausgang nehmen, dann umsteigen nach Copacabana – eine Fahrt durch tristes Umland, wir sind froh, dass rund um uns Militär wacht. Allerdings findet heute das Damenradrennen statt, was zahlreiche Umleitungen und Straßensperren mit sich bringt. Aber nach 30 Minuten Wartezeit geht es endlich los, wir passieren Schwimmstadion und Tennisarena (in der übrigens Djokovic sensationell in der ersten Runde ausschied). Auf einer sogenannten „Olympic Lane“ (gesperrt für den normalen Verkehr) rauschen wir links an den obligaten Rio-Staukolonnen vorbei, sehen in der Ferne das Olympiastadion und Maracana. Die Gegend ist heruntergekommen, ähnlich der Umgebung von Deodoro, nicht gerade Favelas, aber Hütten und halbfertige Bauten, die bei uns nicht in die Nähe einer Baugenehmigung kommen würden.
Auch OEPS-Präsidentin Sissy Max-Theurer wird gut bewacht. © privat
Auch OEPS-Präsidentin Sissy Max-Theurer wird gut bewacht.
© privat
Dann durch das Centro mit dem Künstlerviertel Lapa und entlang des Hafens nach Botafogo, wo wir vom Bus aus endlose Schlangen vor dem Österreich-Haus anstehen sehen – unsere kulinarische Qualität hat sich bereits herumgesprochen. Immerhin 50 Minuten dauerte die Fahrt bis zum Beach-Volleyball-Stadion an der Copacabana, trotz VIP-Status auf den Straßen.
Am Weg von Deodoro nach Barra. © Ernst Kopica
Am Weg von Deodoro nach Barra.
© Ernst Kopica
Es ist Sonntag, Tausende von Menschen drängen sich an der Promenade des wohl berühmtesten Strandes der Welt. Ein Patrouillenboot sorgt für Sicherheit, eigentlich fühlt man sich nicht unwohl – trotz aller Warnungen. Dass aber Rio wirklich ein heißes Pflaster ist, beweisen alle Meldungen, die ich heute früh so lese oder erzählt bekomme. Krone-Sport-Chef Robert Sommer wurde nach der Eröffnungsfeier mit einem Messer bedroht, zwei Fotokollegen wurden schon das Equipment geklaut, der portugiesische Bildungsminister wurde ausgeraubt. Auch das ominöse Einschussloch in unserem Pressezelt gehört dazu. Angeblich stammt das Projektil von einem Querschläger aus einer angrenzenden Favela, wo man die von der Polizei installierte Überwachungsdrohne, die über der Siedlung kreist, abschießen wollte.
Das Künstlerviertel Lapa bei Nacht. © Ernst Kopica
Das Künstlerviertel Lapa bei Nacht.
© Ernst Kopica
Aber tagsüber fühlt man sich im touristischen Zentrum der Metropole nicht unsicherer als in jeder anderen Großstadt. Wir essen in einem netten Lokal inmitten vieler Cariocas, das (eiskalte) Bier schmeckt auch. Dann nehmen wir die neueröffnete U-Bahnlinie 4, die erst eine Woche in Betrieb ist, überzeugen uns davon wie effizient das BRT-Bussystem funktioniert, welches das Publikum zu den Olympiaanlagen in Barra bringt. Abfahrten der schier endlosen Busse im Minutentakt. Wolken ziehen auf, gespenstisch wirken die tropischen Bergkegel in der Ferne, ein Sturm zieht auf und wir sind froh nach 5 Stunden Sightseeing ins vertraute Reitstadion zurückzu kommen.
Das Beachvolleyball-Stadion auf der Copacabana. © Ernst Kopica
Das Beachvolleyball-Stadion auf der Copacabana.
© Ernst Kopica
Offen bleibt die Frage, ob Olympische Spiele in so einer Stadt mit diesen sozialen Gegensätzen und Spannungen tatsächlich richtig am Platze sind. Gewiss ist lediglich, dass die Cariocas wirklich liebe Leute sind – wenn sie nicht zu den Ärmsten gehören!
Entspannte Cariocas am Strand beim Sonntagsvergnügen. © Ernst Kopica
Entspannte Cariocas am Strand beim Sonntagsvergnügen.
© Ernst Kopica
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