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06.08.2016

Olympische Vielseitigkeit: Jung nur auf Platz 3

Den Auftakt der olympischen Vielseitigkeit haben sich die deutschen Reiter sicher anders vorgestellt. Nach 33 von 65 Teilnehmern belegen Michael Jung und Sandra Auffahrt nur die Plätze 3 und 4, in Führung liegt der Brite William Fox-Pitt vor dem Australier Christopher Burton.

Michael Jung zur Halbzeit der Dressur mit Fehler im Außengalopp nur auf dem dritten Platz. © Tomas Holcbecher
Michael Jung zur Halbzeit der Dressur mit Fehler im Außengalopp nur auf dem dritten Platz.
© Tomas Holcbecher
Auffahrt, deren Opgun Louvo in den Wechseln patzte, lässt sich aber nicht aus der Ruhe bringen: „Ich bin zu lässig in die Wechsel hinein gegangen, aber noch ist nichts verhaut!“ Auch Michael Jung kam nicht fehlerfei durchs Viereck, das unter der brütenden Hitze von weit über 30 Grad litt. Perfekt verlief der Auftakt hingegen für den hochgewachsenen Fox-Pitt, der mit seinem hohen Zylinder immer ein wenig wie die Karikatur eines Dressurreiters wirkt.
Nicht so ästhetisch, aber erfolgreich: William Fox-Pitt auf Chilli Morning. © Tomas Holcbecher
Nicht so ästhetisch, aber erfolgreich: William Fox-Pitt auf Chilli Morning.
© Tomas Holcbecher

Vila Militar

Die Reitsportbewerbe gelangen in Rios Stadtteil Deodoro zur Austragung. Die gestrige Fahrt vom Flughafen in unser Quartier im sogenannten „Green Village“ (hier sind neben den Journalisten auch Funktionäre, Kampfrichter und Fernsehleute untergebracht) bot mir Gelegenheit, die Schattenseiten der Sechs-Millionen-Metropole Rio eindrücklich kennenzulernen. Denn Deodoro liegt abseits von Copacabana, Ipanema, Maracana und Zuckerhut, es befindet sich im Nordwesten der Stadt. Bei der – übrigens klaglos funktionierenden Busfahrt – stellte sich eher ein „Dritte-Welt-Feeling“ ein, als dass Vorfreude auf Olympia aufkam. So ums Eck auf ein Bier möchte ich hier abends nicht gehen.
Militärpräsenz immer und überall. © Ernst Kopica
Militärpräsenz immer und überall.
© Ernst Kopica
Der Stadtteil Vila Militar in Deodoro selbst ist hingegen fest in der Hand der Militärs. Eine Kaserne reiht sich an die andere, schwerbewaffnete Uniformierte patroulieren unentwegt, Straßensperren und penible Kontrollen prägen den Alltag. Vor ein paar Jahren hätte kein Carioca (so heißen die Bewohner Rios) die Chance gehabt auch nur in die Nähe der Militärkomplexe zu kommen, denn da war hier Sperrgebiet. Und das nicht ohne Grund. Seit dem Militärputsch im Jahr 1964 ist das Areal nämlich negativ geschichtsbelastet. Erst eine Wahrheitskommission der Regierung begann im Jahr 1988 die brutale Geschichte der Diktatur aufzuarbeiten, 1995 wurden die staatlichen Archive geöffnet, offen über die damalige Zeit kann man derzeit aber immer noch nicht reden.
An jeder Ecke ein anderes Regiment. © Ernst Kopica
An jeder Ecke ein anderes Regiment.
© Ernst Kopica
Besonders in Verruf gerieten die damaligen polizeilichen und militärischen Foltermethoden, die zur Anwendung gelangten. Allen voran die „pau de arara“, zu Deutsch die Papageienschaukel! Dabei wird der Häftling mit den Kniekehlen kopfüber an einer Stange aufgehängt, die Handgelenke werden vor den Schienbeinen an die Fußgelenke oder an die Stange gefesselt. Der Begriff "pau de arara" bezieht sich darauf, dass die Stange im Papageienkäfig den einzigen Halt für den Vogel darstellt. Verliert er das Gleichgewicht, hängt er kopfüber. Diese Folter-Methode hinterlässt kaum physische Spuren. Die derzeit suspendierte brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff (sie fehlte bei der Eröffnungsfeier, ihren Nachfolger Michel Temer pfiff das Publikum gnadenlos aus) war selbst von den Verfolgungen betroffen und leistete das ihre zur Wahrheitsfindung.

Dass der Armee-Schutz für Aktive, Journalisten und Besucher Deodoro zum sichersten Platz in Rio macht, widerlegte ein Facebook-Postings eines französischen Kollegen: Er entdeckte neben einem kleinen Loch im Pressezelt ein Gewehr-Projektil - mit ein wenig Zynismus schrieb er für Waffenspezialisten dazu, dass es sich dabei um ein 5.56er handle!
Das Green Village für Journalisten und Funktionäre. © Ernst Kopica
Das Green Village für Journalisten und Funktionäre.
© Ernst Kopica
Dank Jetlag erlebt man den Sonnenaufgang vom Balkon. © Ernst Kopica
Dank Jetlag erlebt man den Sonnenaufgang vom Balkon.
© Ernst Kopica
Noch ein paar Bilder von der Eröffnungsfeier. © privat
Noch ein paar Bilder von der Eröffnungsfeier.
© privat
Zu den Rhythmen von Gilberto Gil gab es Samba. © privat
Zu den Rhythmen von Gilberto Gil gab es Samba.
© privat
Die Knallerei um Mitternacht war nur ein Feuerwerk. © privat
Die Knallerei um Mitternacht war nur ein Feuerwerk.
© privat
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