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31.07.2012

Olympische Vielseitigkeit: Zweimal Gold für Germany

Die deutschen Reiter waren bei den ersten olympischen Medaillenentscheidungen im Londoner Greenwich Park das Maß aller Dinge. Zuerst gewann ihre 5-er-Mannschaft souverän die Teamwertung, Michael Jung auf Sam und Sandra Auffahrt auf Opgun Luovo sorgten dann nochmals für Gold und Bronze im Einzel.

Bei Michael Jung spielte heute die Musik: Doppelgold mit Sam. © Kit Houghton / FEI
Bei Michael Jung spielte heute die Musik: Doppelgold mit Sam.
© Kit Houghton / FEI
Eine klare Sache war die Angelegenheit am Vormittag im Mannschaftswettbewerb . Denn die Hausherren (oder sollte man sagen Hausherrinnen, denn es kamen nur Damen ihres Team in die Wertung) patzten im Springparcours: Die Ritte von Zara Phillips (mit einem Abwurf) und Tina Cook (mit einem Zeitfehler) waren trotz einer wunderbaren 0-Runde von Mary King zu wenig. Als dann auch noch Sandra Auffarth und Michael Jung über dem sehr einfallsreich ausgestatteten Kurs (mit nachgebautem Stonehenge und ähnlichen Finessen) mit 12 Hindernissen und 15 Sprüngen keine Probleme hatten, da auch die Zeit relativ großzügig bemessen war, war der Sieg für Deutschland bald in sicheren Tüchern. Da störte es auch nicht mehr, dass Ingrid Klimkes Abraxxas zwei Abwürfe auf sein Konto buchen musste und seine Reiterin für die Einzelentscheidung dann w.o. gab. Deutschland jubelte über die erste Goldmedaille bei diesen Olympischen Spielen. Die Bild-Zeitung hatte auch gleich die richtige Schlagzeile: „Hey, hey, hey, wir sind die goldenen Reiter!“
An seinem Geburtstag blieb Michael Jung fehlerfrei. © Pferderevue
An seinem Geburtstag blieb Michael Jung fehlerfrei.
© Pferderevue
Am Ende musste sich also Großbritannien mit Silber begnügen, im Kampf um den dritten Platz setzten sich die routinierten Neuseeländer durch. Mark Todds erst 10-jähriges Pferd Campino spürte schon die Anstrengungen der drei Tage, aber der siebenfache Olympiateilnehmer rettete mit ihm dennoch Bronze – übrigens die 6. Medaille für den 56-jährigen im Zeitraum 1984 bis 2012! Damit blieb für die Schweden der undankbare vierte Platz. Es ist dennoch erstaunlich, dass die Skandinavier in allen drei olympischen Pferdesportdisziplinen vorne mitmischen. Ähnliches gilt auch für Irland, die hier in London Fünfte wurden. Die großen Verlierer kamen aber aus Übersee: Australien (6.), USA (7.) und Kanada (13.) hatten sich mehr erwartet.
7 x Olympia, 6 Medaillen: Mark Todd auf Campino. © Pferderevue
7 x Olympia, 6 Medaillen: Mark Todd auf Campino
© Pferderevue
Briten jubelten über Silbermedaille. © Pferderevue
Briten jubelten über Silbermedaille.
© Pferderevue
Ein Kiss für die Tochter: Prinzessin Anne überreicht an Zara Phillips Silber. © Pferderevue
Ein Kiss für die Tochter: Prinzessin Anne überreicht an Zara Phillips Silber.
© Pferderevue
15 Medaillengewinner: Die besten Vielseitigkeitspferde. © Pferderevue
15 Medaillengewinner: Die besten Vielseitigkeitspferde.
© Pferderevue
Viel spannender verlief dann die Einzelkonkurrenz. Vier Starter lagen vor der letzten Runde innerhalb eines Springfehlers und die Pferde hatten schon ordentlich mit der Kondition zu kämpfen. Bei Ludvig Svennerstals Shamwari (mit 10 Jahren noch ein Youngster) fielen nicht weniger als fünf Stangen. Auch die enorm unter Druck stehenden britischen Reiterinnen vergaben ihre Medaillenchancen im Finale. Dafür trumpfte Sandra Auffahrt groß auf und ging gemeinsam mit vier weiteren Reitern zweimal Null – eine mehr als verdiente Bronzemedaille! Dann machte es ihr Mannschaftskollege Michael Jung und sein fantastischer Sam ebenso souverän nach, eine Augenweide dieser Ritt! Als Sara Algotsson-Ostholt mit Wega als letzte Reiterin und Führende einritt, war die berühmte Stecknadel zu hören. Alles ging auch gut und jeder dachte schon, dass die Schwedin Olympiasiegerin sei, da fiel ausgerechnet am letzten Sprung noch die Stange. Ein Hugo Simon-Schicksal, wenigstens blieb für sie noch die Silbermedaille. Damit gewann Michael Jung ausgerechnet an seinem Geburtstag nach dem Welt- und Europameistertitel auch Olympiagold.

Endergebnis der Vielseitigkeit
Sandra Auffahrt strahlt über Bronze. © Pferderevue
Sandra Auffahrt strahlt über Bronze.
© Pferderevue
Mit letztem Sprung Gold verpasst: Die Schwedin Sara Algotsson-Ostholt. © Pferderevue
Mit letztem Sprung Gold verpasst: Die Schwedin Sara Algotsson-Ostholt.
© Pferderevue

Von Land und Leuten

Das Gefühl, die Mega-City London hinter sich gelassen zu haben, überkommt einen bei der Fahrt nach Greenwich Village. Heute nahm ich wieder einmal die Touristenvariante, nämlich die Anreise per Bus und Zug. Und stellte fest, dass sie eigentlich viel bequemer ist als mit dem Media-Shuttle, der einen vom Russell Square im zentralen Bloomsbury zuerst zum Südeingang des Parks bringt. Dann heißt es umsteigen in den internen Zubringerbus auf dem Wettkampfgelände, denn die Distanzen haben es in sich, wenngleich sie natürlich wesentlich kürzer sind als im Kentucky Horse Park vor zwei Jahren. Bei der Anreise konnte ich mich heute auch davon überzeugen, dass ein vielbefürchtetes Verkehrschaos weit und breit nicht zu sehen ist: Im Bus Nr. 17 (der Fahrer sah meinen nicht gerade olympiawürdigen Sprint zur Haltestelle und wartete geduldig) gab es Sitzplätze in Hülle und Fülle und auch der Commuter-Train von Cannon Street nach Greenwich war gerade einmal halb gefüllt. Überall helfen Guides, Volunteers und Transportbedienstete, hier kann man einfach nicht verloren gehen – perfektes Service!


Auch im Stadion das gleiche Bild - dort kommt es aber durch die zahlreichen Helfer zu manchmal paradoxen Situationen: Bei den Aufgängen zu den Tribünen stehen nämlich so viele von ihnen herum, dass es kaum ein Durchkommen gibt. Als ich die Wartezeit nutzen wollte um Prinzessin Kate zu knipsen, bekam ich einen relativ unsanften Schubser eines Leibwächters - es sind doch nicht alle Briten so höflich! Und genauso respektlos war es von einem Großteil des Publikums und der königlichen Familie nach der Mannschaftssiegerehrung (mit der britischen Silbermedaille) fluchtartig das Stadion zu verlassen und die Einzelreiter nicht zu bejubeln.


Greenwich Village selbst hat sich wirklich noch den ländlichen Charme bewahrt, das Pub an der Ecke dient dem omnipräsenten deutschen Team als Stützpunkt. Nachdem die für Olympia betraute Sicherheitsfirma G4 nicht genügend Personal auftreiben konnte, wurde in letzter Minute das Militär mit diesen Aufgaben betraut. Und sie machen die Sache super: Die „Gurkhas“ der Infanterie bei den Eingängen für Aktive und Akkreditierte und die Marinesoldaten bei den Public Gates – passend zum Maritimen Museum und dem in der Nähe liegenden Segelschiff Cutty Sark. In der Bibliothek dieses Museums ist übrigens das Pressezentrum untergebracht und dort habe ich einen komfortablen Arbeitsplatz, ORF-Kollege Michael Roscher hat es mit seinem (nichtüberdachten) Kommentatoren-Platz im Stadion im Nieselregen nicht so gut erwischt!
Alles verläuft in geordneten Bahnen. © Ernst Kopica
Alles verläuft in geordneten Bahnen.
© Ernst Kopica
Cutty Sark - einmal in der Flasche. © Ernst Kopica
Cutty Sark - einmal in der Flasche.
© Ernst Kopica
Hier lässt es sich arbeiten: Die Bibliothek des Royal Maritim Museum. © Ernst Kopica
Hier lässt es sich arbeiten: Die Bibliothek des Royal Maritim Museum.
© Ernst Kopica
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