Array ( [2000] => Home [2005] => Nachrichten [1011] => Marktkurzinfos [1026] => Marktanalysen [1016] => Reportagen [1044] => Über Uns [1046] => Das Team [1045] => Mediadaten [2021] => Impressum [2022] => AGB )
03.07.2011

Palio fordert erneut Opfer

Es gilt als das härteste Straßenrennen der Welt und lockt zweimal jährlich tausende Schaulustige in den Stadtkern von Siena (ITA): der Palio de Siena, bei dem zehn der siebzehn Stadtteile (Contraden) um den Sieg kämpfen.

Nach gerade Mal eineinhalb Minuten ist das Spektakel vorüber und eine der Contraden darf sich über Ruhm und Ehre freuen, selbst wenn ihr Pferd ohne Reiter als erstes das Ziel erreicht hat. Dies ist gar nicht so selten der Fall, ohne störenden Ballast läuft es sich schließlich schneller. Geritten wird auf dem ca. 300 m langen und lediglich siebeneinhalb Meter breiten Rundkurs traditionell ohne Sattel.

Schon seit Jahren sorgt das Rennen, beim dem Pferd und Reiter dreimal die abschüssige Piazza del Campo mitten im historischen Zentrum der toskanischen Stadt dreimal umrunden müssen, für lautstarke Proteste. Seit den 1970er Jahren sollen insgesamt rund 50 Pferde tödlich verunglückt sein. Vergangenen Freitag (1. Juli) wurde diese Zahl um einen weiteren traurigen Zähler erhöht. Bei einem der insgesamt sechs Probeläufen raste der sechsjährige „Messi“ auf dem engen Parcours gegen eine Begrenzung und erlitt dabei derart schwerwiegende Verletzungen, dass er nicht mehr gerettet werden konnte.

Dennoch wurde das Rennen am Samstagabend wie geplant ausgetragen. Anstelle der üblichen zehn Pferd-Reiter-Paare traten allerdings nur neun an, denn traditionsgemäß werden verendete Pferde nicht ersetzt. Auch in diesem Jahr ging das Rennen selbst nicht ohne Stürze von statten, es gab sogar fünf an der Zahl, die jedoch glimpflich verliefen. Als Sieger ging das erfolgsverwöhnte Stadtviertel Oca ("Gans") hervor, "Mississippi" legte unter seinem Reiter Giovanni Atzeni die schnellste Zeit hin.

Der neuerliche Tod eines Pferdes hat die Diskussion um den Palio wieder einmal entfacht. Tourismusministerin Michela Brambilla warnte, dass selbst eine Institution wie der Palio nicht unantastbar sei. Ob die nun entflammte Diskussion über Sinn- oder Unsinn des Rennens zur Abwechslung zu einem Entscheid zugunsten der Sicherheit der Pferde führen wird, darf mit Recht bezweifelt werden. Zu groß ist die Schar der Palio-Anhänger, die jegliche Argumentation mit dem Totschlagargument der Tradition kontern. Zudem würden die teilnehmenden Pferde nicht nur gehegt und gepflegt sondern hätten auch ein Anrecht auf Altersversorgung. Die hat zumindest Messi nicht mehr nötig.
Passier Skyscraper
  • Passier  Passier
Servus TV AD