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05.10.2017

Pepo Puch: Von Schornsteinen und Pferdetherapeuten

Zweifacher Paralympics-Champion, Olympischer Vielseitigkeitsreiter und - Rauchfangkehrer: sogar in der wundervollen Welt des Parasports führt Pepo Puch ein ganz außergewöhnliches Leben.

Pepo Puch hat mit der Hilfe seiner Pferde zurück ins Leben gefunden. © FEI/Liz Gregg
Pepo Puch hat mit der Hilfe seiner Pferde zurück ins Leben gefunden.
© FEI/Liz Gregg
Fast zwanzig Jahre lang war der gebürtige Steirer ein passionierter Vielseitigkeitsreiter, 2004 fuhr er mit seinem Pferd Banville d’Ivoy sogar zu den Olympischen Spielen in Athen. Vier Jahre später ereignete sich ein Zwischenfall, der Puchs Leben für immer verändern sollte. Bei einem Turnier in Schenefeld (GER) stürzte der Eventer aufgrund einer Fehlfunktion seiner Airbag-Weste folgenschwer. Im Krankenhaus stellte man einen Bruch des dritten und vierten Halswirbels fest. Die Folge daraus: eine inkomplette Querschnittslähmung.

Doch Puch kämpfte sich zurück und ist heute ein gefeierter Star der internationalen Para-Dressur-Szene. Seit seinem Sturz vor nunmehr neun Jahren hat Puch neun EM-Goldmedaillen gewonnen, darunter die Einzelgoldmedaille, die er heuer bei der Multi-EM in Göteborg im Sattel seines Oldenburger Wallachs Fontainenoir erritten hat. Ungeachtet seiner verschiedenen sportlichen Erfolge mit Pferden gibt es noch eine weitere Konstante in Puchs Leben.

„Mein Beruf ist Rauchfangkehrer“, erzählt der Steirer im FEI-Interview. Ich habe damit im Alter von 15 Jahre angefangen. Meine Freunde haben gesagt, lass das mit dem Reiten, such’ dir einen anständigen Job. Bei uns in Österreich haben wir im Winter eine ganze Menge Schnee, Rauchfangkehren ist darum vor allem ein Winterberuf. Genau deshalb habe ich ihn mir ausgesucht. Damit im Sommer genügend Zeit zum Reiten bleibt. Auch heute noch habe ich meinen Betrieb. Wegen meiner Behinderung kann ich zwar nicht selbst in den Häusern arbeiten, aber hinter den Kulissen und im Büro gibt es genug für mich zu tun.“
Vier Jahre nach seinem schweren Unfall ist Pepo Puch am Olymp des Parasports angekommen. Mit Fine Feeling holt er Gold bei den Paralympischen Spielen in London. © Liz Gregg / FEI
Vier Jahre nach seinem schweren Unfall ist Pepo Puch am Olymp des Parasports angekommen: Mit Fine Feeling holt er Gold bei den Paralympischen Spielen in London.
© Liz Gregg / FEI
In den ersten Wochen und Monaten nach seinem Unfall sah es nicht so aus, als könne Pepo Puch jemals wieder einen Beruf ausüben - ganz zu schweigen von einem, der durch die Schornsteine anderer Leute führt. Doch dann kamen die Pferde ins Spiel.

„Sechs Monate lang lag ich vollkommen paralysiert im Bett. Als man mir die Röntgenbilder zeigte hieß es, ich werde nie wieder gehen können“, erzählt Puch.

Seine Freunde ließen die Ärzte reden. Ungeachtet ihrer Prognose setzten sie Puch wieder auf den Rücken seines Eventers The Who, ein irisch gezogener Fuchswallach, mit dem der Steirer schon den Vielseitigkeitsklassiker in Burghley (GBR) bestritten hatte. Puch konnte zu dieser Zeit nicht aus eigener Kraft im Sattel sitzen, also ritten zwei seiner Freunde links und rechts an seiner Seite und stützten ihn, während ein dritter The Who führte. Dreimal pro Tag ließen sie dem einstigen Olympiareiter diese Therapie angedeihen. Und hatten Erfolg damit.

„Ich spüre meine Arme und Beine nicht, aber dank dieser Hypnotherapie auf dem Pferd kann ich heute gehen. Ich kann auch ein Auto fahren. Die Pferde haben mir zweifellos Lebensqualität zurückgegeben.“
Die Verbindung zu seinen Pferden spielt eine große Rolle in Pepo Puchs Leben. © Caroline Schunk
Die Verbindung zu seinen Pferden spielt eine große Rolle in Pepo Puchs Leben.
© Caroline Schunk
Als Reiter im Grade II, der Lektionen im Schritt und Trab beinhaltet, ist Puch stark darauf angewiesen, dass seine vierbeinigen Partner den Löwenanteil der Arbeit übernehmen.

„Ich bin nur Passagier, ich kann da oben nicht viel machen“, erklärt er. „Meine Stute, beispielsweise, hasst Regen wie die Pest. Drei Tropfen und sie dreht um und geht nach Hause. Ich habe keine Chance sie aufzuhalten. Dafür bin ich schlichtweg zu schwach.“

Vor diesem Hintergrund spielt die Verbindung zu seinen pferdigen Rettern eine enorm große Rolle für den steirischen Steh-Auf-Mann.

„Für mich ist das sehr wichtig. Ich lebe mit meinen Pferden zusammen, ich muss sie spüren. Wir haben wirklich ein besonderes Verhältnis zueinander. Ich bin kein guter Reiter, deshalb müssen die Pferde für mich kämpfen.“, erklärt er. „Ich mag es sehr, Pferde auszubilden und eine gute Verbindung zu Ihnen aufzubauen. Das gehört zu meinem Leben.“

Das, und der Beruf des Rauchfangkehrers.

Quelle/ps
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