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14.02.2014

Persilschein für Scheich Mohammed

Wenig überraschend kam der Bericht von Lord Stevens, der mit der Aufklärung der Dopingvorfälle rund um Scheich Mohammeds Galopp- und Distanzimperium beauftragt worden war zu dem Ergebnis, dass der arabische Royal zu keiner Zeit etwas von den unlauteren Vorfällen innerhalb seiner Organisation wusste.

Die internen Ermittlungen rund um die Dopingvorfälle im Pferdesportimperium von Scheich Mohammed al Maktoum ergaben, dass der Ehemann der FEI Präsidentin zu keiner Zeit etwas von den unlauteren Vorfällen wusste. © Philippe Millereau - KMSP
Die internen Ermittlungen rund um die Dopingvorfälle im Pferdesportimperium von Scheich Mohammed al Maktoum ergaben, dass der Ehemann der FEI Präsidentin zu keiner Zeit etwas von den unlauteren Vorfällen wusste. Vielmehr lägen diese in fehlerhaftem Management begründet.
© Philippe Millereau - KMSP
Im Mittelpunkt der Untersuchung standen Organisationsstrukturen, interne Kommunikation und tierärztliche Vorgehensweisen des Maktoum’schen Pferdesportimperiums – insbesondere im Zusammenhang mit den jüngsten drei Doping-Vorfällen rund um den Dubai-Regenten.

In allen diesen Fällen habe Scheich Mohammed nichts von den Vorfällen gewusst, heißt es nun im Abschlussbericht der Untersuchung, an deren Spitze Lord Stevens steht, ein ehemaliger hochrangiger Kommissar der britischen Metropolitan Police und Berater der FEI.

„Unseren Ermittlungen zufolge existieren keinerlei Hinweise darauf, dass Scheich Mohammed über den Kauf, den Transport oder die Verwendung unerlaubter Medikamente im Zusammenhang mit den drei verschiedenen Vorfällen informiert war. Ebenso wenig wusste er über die illegalen Aktivitäten von Mahmood Al Zarooni bescheid“, so Lord Stevens. Nach positiven Dopingkontrollen bei einigen der Pferde aus den Godolphin Stables des Scheichs wurde Cheftrainer Mahmood Al Zarooni im April des Vorjahres wird für acht Jahre gesperrt.

Die Funde illegal eingeführter und in Großbritannien verbotener veterinärmedizinischer Produkte in Stansted und auf der Moorley Farm seien auf Fehler im Management, mangelhafte Übersicht und Nachlässigkeit innerhalb der Organisation zurückzuführen. Die verantwortlichen Personen hätten es verabsäumt sich über die Bestimmungen innerhalb Großbritanniens zu informieren. Doch auch wenn die beschlagnahmten Veterinärprodukte auf unlauterem Weg nach Großbritannien gelangt seien, könne man sie nicht als illegal bezeichnen – immerhin würden dortzulande vergleichbare Produkte verkauft werden - wenn auch unter anderem Namen. Auch die Menge an beschlagnahmten Medikamenten sei im Hinblick der Größe der Unternehmungen des Scheichs nicht außergewöhnlich, resümiert der Bericht.

Schweizer bezweifeln Objektivität

Erste Stimmen des Zweifels an der Objektivität der Untersuchungen kommen aus der Schweiz. Es sei nicht verständlich, wieso Lord Stevens als Berater der FEI gleichzeitig für eine private Angelegenheit herangezogen werden könne. „Ich bin nicht im Geringsten überrascht über das Ergebnis des Berichts“, sagte  Dr. Claude Nordmann im Gespräch mit dem britischen Magazin The Guardian. „Wir sind der Meinung, dass es einen Interessenskonflikt gibt, wenn Lord Stevens Ermittlungsunternehmen Quest Scheich Mohammeds Unternehmungen untersucht, gleichzeitig aber auch in die Integritäts-Referat der FEI eingebunden ist.“

“Wenn Sie eine neutrale Untersuchung durchführen lassen wollen, sollten Sie dafür nicht gerade einen Mann einsetzen, der bei Ihrer Frau unter Vertrag steht. Er wird von Scheich Mohammed bezahlt. Er schlägt ein paar kleine Änderungen vor und der Scheich verspricht diese umzusetzen. Das war’s. Für uns ist das ein Interessenskonflikt und wir verstehen nicht warum er (Stevens) diesen Auftrag angenommen hat. Die Funde sind also nicht außergewöhnlich – ich hingegen finde es erstaunlich, wenn man derart viele medizinische Produkte auf einem Stallgelände anstelle einer Arztpraxis oder einer Klinik entdeckt.“ 

Auf die Frage, was getan werden müsse um das angeschlagene Image des Distanzsports zu verbessern, sagt der Schweizer: „Viel. Diese Angelegenheit ist gefährlich für den ganzen Pferdesport. Die Kontrollen sollten viel strenger sein. Warum ist es nicht möglich ein und dasselbe Kontroll- und Berichtssystem einzuführen wie beispielsweise im Vielseitigkeitssport? Viele andere Nationen und Reiter sind derselben Ansicht.“

Die scheint die FEI nicht zu teilen. Erst vor wenigen Tagen wurde ein weiterer Fall eines mehrfachen schweren Regelverstoßes im einen der wichtigsten Rennen im Nahen Osten, dem King's Cup in Bahrain, bekannt. Auf das Pferd des späteren Siegers Scheich Mohammed bin Mubarak al Khalifa wurde gegen Ende des 120 Kilometer-Rittes von einem Helfer eingeschlagen und so zum schnelleren Weiterlaufen „motiviert“, als es auf die unmissverständlichen Hilfen seines Reiters nicht mehr reagierte. (das Video dazu gibt es hier) Doch anstelle der eigentlich angebrachten Disqualifikation wurde Mohammed bin Mubarak al Khalifa mit einer gelben Karte verwarnt und mit einer Geldbuße in der Höhe von 500 Schweizer Franken belegt.
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