Array ( [2000] => Home [2005] => Nachrichten [1011] => Marktkurzinfos [1026] => Marktanalysen [1016] => Reportagen [1044] => Über Uns [1046] => Das Team [1045] => Mediadaten [2021] => Impressum [2022] => AGB )
20.02.2013

Pferde haben kein Lampenfieber

Zu einem überraschenden Ergebnis ist eine Studie der Vetmeduni Vienna gekommen: Während Reiter deutlich mehr Stress erleben, wenn sie bei einer öffentlichen Vorführung auftreten, bleiben Pferde von Lampenfieber verschont.

Die Analyse der Speichelproben ergab, dass es für Pferde praktisch keinen Unterschied macht, ob sie ihre Lektionen vor großen Publikum zeigen, oder im Training. © Vetmeduni Vienna / J. Aurich
Die Analyse der Speichelproben ergab, dass es für Pferde praktisch keinen Unterschied macht, ob sie ihre Lektionen vor großen Publikum zeigen, oder im Training. Auch der erhöhte Stress der Reiter überträgt sich völlig unerwarteter Weise nicht auf die Pferde.
© Vetmeduni Vienna / J. Aurich
Reiter übertragen bei Pferdesportevents ihr Lampenfieber nicht auf ihre Pferde. Das ist das überraschende Ergebnis einer Studie von Mareike von Lewinski aus dem Forschungsteam um Christine Aurich von der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna). „Wir sind eigentlich davon ausgegangen, dass sich der Stress der Reiter auf ihre Pferde überträgt, doch diese Annahme scheint falsch gewesen zu sein“, sagt Aurich zu den völlig unerwarteten Ergebnissen.

Keine besondere Stresssituation für Pferde

Seit längerem ist bekannt, dass Pferde messbar Stress zeigen, wenn sie geritten werden. Das Stressniveau ihrer Reiter fand bisher aber noch keine Beachtung. Besonders im Pferdesport ist die enge Interaktion zwischen Pferd und Reiter von entscheidender Bedeutung. Mareike von Lewinski, Mitarbeiterin im Team von Christine Aurich am Graf Lehndorff-Institut für Pferdewissenschaften im deutschen Neustadt (Dosse), untersuchte im Rahmen einer Studie, wie sehr sich im Pferdesport der Stress der Reiter auf ihre Pferde überträgt. Gemeinsam mit Kollegen von der Ecole Nationale d’Equitation im französischen Saumur analysierte sie die Mengen an Stresshormonen im Speichel von Ross und Reiter und deren Pulsraten, sowohl nach dem Training, als auch nach einem öffentlichen Vorführung mit über 1.000 Zuschauern.

Übereinstimmend mit früheren Untersuchungen konnten die Forschenden auch in dieser Studie sowohl bei den Pferden als auch bei den Reitern Stresssymptome beobachten: höhere Konzentrationen von Kortisol im Speichel und stärker schwankende Herzschlagraten. Die Reiter zeigten jedoch zudem deutlich höhere Anzeichen von Stress, wenn Zuschauer dabei waren. Das bestätigte zunächst die Annahme, dass die Teilnahme an Pferdeveranstaltungen Lampenfieber auslöst, auch bei erfahrenen Reitern.
Anders als ihre Reiter schienen die Pferde von der Anwesenheit des Publikums aber kaum beeinflusst zu sein. Ihre Stressreaktion bei der Präsentation des Schauprogramms war grundsätzlich unabhängig davon, ob Zuschauer dabei waren oder nicht. Anders gesagt, Pferd und Reiter reagieren völlig anders auf den Druck, der durch eine Vorführung vor Publikum entsteht: Pferde leiden offenbar nicht unter dem erhöhten Stressniveau ihrer Reiter. Aurich relativiert die Studienergebnisse jedoch: „Unsere Ergebnisse können nicht verallgemeinert und beispielsweise auf unerfahrene Reiter übertragen werden, die möglicherweise ihre Pferde in für sie belastenden Situationen weniger effektiv beruhigen können.“

Der Artikel “Cortisol release, heart rate and heart rate variability in the horse and its rider: Different responses to training and performance” der Autoren Mareike von Lewinski, Sophie Biau, Regina Erber, Natascha Ille, Jörg Aurich, Jean-Michel Faure, Erich Möstl und Christine Aurich wurde soeben in der Zeitschrift “The Veterinary Journal” veröffentlicht.

Quelle
Passier Skyscraper
  • Passier  Passier