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08.02.2016

Pferde im OP: Richtig füttern vor Eingriffen im Bauchraum

Laparoskopien, kleine Eingriffe im Bauchraum, gewinnen auch in der Pferdemedizin zunehmend an Bedeutung. Mitentscheidend für den Erfolg der Methode ist unter anderem die richtige Fütterung im Vorfeld. Wie die aussehen soll, lesen Sie hier.

Bis 26 Stunden vor dem Eingriff soll angehende Laparoskopie-Patienten gutes Heu vom ersten Schnitt in kleinen Portionen bis zu zwölfmal am Tag vorgelegt werden. © Jari Hindström - fotolia.com
Bis 26 Stunden vor dem Eingriff soll angehende Laparoskopie-Patienten gutes Heu vom ersten Schnitt in kleinen Portionen bis zu zwölfmal am Tag vorgelegt werden.
© Jari Hindström - fotolia.com
Für Kryptorchide, Stuten mit Eierstockproblemen oder Dauer-Kolikpatienten ist sie heute vielfach das Mittel der Wahl: die Laparoskopie. Kein Wunder, denn das als Schlüsselloch-OP bezeichnete Verfahren gehört zu den schonendsten Operationstechniken, die die moderne Hightech-Chirurgie zu bieten hat.

Bei der Laparoskopie wird der Bauchraum mit einem Endoskop (Laparoskop) und speziellen Instrumenten untersucht und behandelt. Weil dafür nur ein wenige Millimeter breiter Schnitt in der Bauchdecke vonnöten ist, liegen die Vorteile gegenüber einer Operation am offenen Bauch auf der Hand. Dank der kleinen Wunden können Operationsrisiken wie etwa Wundheilungsstörungen entscheidend vermindert werden und auch die Rekonvaleszenz verläuft deutlich rascher. Operierte Pferde können nach zwei bis drei Tagen die Klinik verlassen und sind nach etwa drei Wochen schon wieder einsatzbereit. Ein weiteres Plus der Laparoskopie: In den meisten Fällen kann der Eingriff unter Sedierung und Lokalanästhesie am stehenden Pferd durchgeführt werden kann. Damit entfallen nicht nur die Risiken, die durch Vollnarkose und Aufstehphase entstehen, auch die OP-Kosten lassen sich auf diese Weise reduzieren.

Viele kleine, leicht verdauliche Portionen

Damit eine Laparaskopie so problemlos wie möglich ablaufen kann, sollen Pferde Diät halten. 12 bis 72 Stunden vor der OP ist üblicherweise Schmalkost angesagt. Doch wie sieht die optimale Fütterung vor dem Eingriff aus? Mit dieser Frage haben sich Univ.-Prof. Dr. Qendrim Zebeli und seine Kollegen vom Institut für Tierernährung und funktionelle Pflanzenstoffe an der Veterinärmedizinischen Universität in Wien auseinandergesetzt.

„Gezieltes Fasten vor einer nicht im Akutfall durchgeführten Laparoskopie reduziert die Gasansammlung im Darm. Dadurch wird eine bessere Untersuchung der Organe des Bauchraumes ermöglicht. Zusätzlich wird das Risiko einer Perforation des Darms bei der Einführung chirurgischer Instrumente minimiert“, erklärt Zebeli die Pluspunkte, die eine vorbereitende Diät mit sich bringt. Von einer tagelangen radikalen Nulldiät raten Experten dennoch dringend ab. Der Grat zwischen gesunder und schädlicher Askese ist beim Pferd ein schmaler. Müssen Pferde zu lange hungern, kann dies zu Colitis oder Entzündungen des Blind- und Dickdarms führen, mitunter mit fatalen Folgen für das Tier.

Auf der Suche nach der optimalen OP-Diät durchforsteten Zebeli und seine Kollegen unzählige Studien und Arbeiten zum Thema. Daraus entstand folgende Empfehlung für angehende Laparoskopie-Patienten:
  • Pferden, denen eine Bauchspiegelung bevorsteht, soll bis zu 26 Stunden vor der Operation alle zwei Stunden eine Portion Heu vorgelegt werden. Die kleinen Mahlzeiten beugen eine übermäßige mikrobielle Aktivität im Verdauungstrakt und Gasbildung vor.
  • Kraftfutter ist schwerer verdaulich als Heu, es verbleibt länger in der Magen-Darm-Trakt, weshalb auf die Fütterung von Hafer, Müsli und Pellets vor einer Bauchspiegelung verzichtet werden sollte. Optimal als Schonkost eignet sich rohfaserreiches langstieliges Heu, vorzugsweise vom ersten Schnitt.
  • Der Pferdeorganismus reagiert sehr sensibel auf Änderungen im Speiseplan, abrupte Ernährungsumstellungen sollten deshalb weitgehend vermieden werden. Das gilt ganz besonders für den Zeitraum vor einer OP. Hier sind radikale Futterstumstellungen absolut tabu!
  • Das Zufüttern von Öl, etwa Sojaöl, reduziert die Gasbildung im Dickdarm und ist daher empfehlenswert.
Abgesehen von den genannten Punkten gibt es noch weitere Faktoren, die bei der Erstellung eines Pre-Operativen Ernährungsplanes berücksichtigt werden müssen, wie Zebeli betont. Aus diesem Grund seien noch weitere Untersuchungen nötig, ganz besonders im Hinblick auf den Einfluss unterschiedlicher Futtermittel auf die Gasbildung sowie den Kurzzeit-Effekt einer Ölzufütterung zur Gasreduzierung.

Die Originalstudie “Dietary approaches to optimize the fasting period before laparoscopic surgery in horses: an overview” wurde im Journal of Equine Veterinary Science veröffentlicht.
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