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06.05.2011

Pferde richtig anweiden: Die fünf goldenen Regeln für einen guten Start in die Weidesaison

Damit unsere Pferde den ersten Ausflug auf die Weide in vollen Zügen und ohne bittere Nebenwirkungen genießen können gilt es, fünf goldenen Regeln zu beachten.

Das lässt Pferdeherzen höher schlagen: überall wohin man blickt wächst schönstes Grün in Hülle und Fülle. Gerade nach den langen Wintermonaten ist das frische Gras nur zu verlockend. Dass zu viel junges Grün auch schädlich sein kann weiß zwar der informierte Pferdebesitzer, nicht aber der liebe Vierbeiner. Umso wichtiger ist es, vor dem ersten Ausflug auf die Weide einige Dinge zu beachten, damit er nicht in einem Desaster endet.
Pferde lieben Gras - doch gerade nach der Winterzeit muss die Umstellung auf das frische Grün langsam erfolgen um unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden! © Tristan Ferne
Pferde lieben Gras - doch gerade nach der Winterzeit muss die Umstellung auf das frische Grün langsam erfolgen um unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden!
© Tristan Ferne
Der Wechsel von trockenem, rohfaserreichem aber eiweißarmem Stallfutter auf das rohfaserarme, eiweißreiche Frühjahrsweidefutter mit hohem Wassergehalt kann die Verdauung des Pferdes ordentlich durcheinanderbringen. Durchfälle, Koliken und sogar Vergiftungen (zu denen die Hufrehe zählt) können die Folge sein. Um das Weidegrün ordentlich verdauen zu können, benötigt das Pferd spezielle Darmbakterien, die jedoch in den grünfutterlosen Wintermonaten nur in sehr geringen Maßen im Pferdedarm vorhanden sind. Sie müssen sich im Frühjahr durch gezieltes, dosiertes Anweiden erst wieder neu bilden. Diesen Vorgang vollziehen Pferde, die ganzjährig auf der Weide gehalten werden, von selbst. Ein Grund, warum es bei solchen Pferden viel seltener zu grünfutterbedingten Beschwerden kommt, als bei ihren Stallkollegen.

Die erste Regel in der Checkliste für sicheres Anweiden heißt deshalb: Der Übergang von der Stall- auf die Weidehaltung muss langsam erfolgen.

Dabei hat sich eine Übergangszeit von etwa zwei bis vier Wochen bewährt. In der ersten Woche sollten Pferde täglich für etwa 15 Minuten die Gelegenheit zum Grasen bekommen. Die Dauer wird in der darauffolgenden Woche erst auf dreißig, später auf ein Stunde ausgedehnt. Nach und nach wird der Weideaufenthalt verlängert, bis die Pferde den ganzen Tag auf dem Gras verbringen dürfen.

Regel zwei: Heu vor dem Weidegang macht satt.

Füttern Sie ihrem Pferd deshalb vor dem Weidegang ausreichend Heu – am besten rohfaserreiches, eiweißarmes Heu zum Ausgleich - damit es sich daran satt fressen kann. Die Gier nach dem saftigen Grün ist danach nicht mehr ganz so groß, wie bei einem hungrigen Exemplar.

Regel drei: Beobachten Sie Ihr Pferd gut.

Frühjahrsgras hat einen besonders hohen Eiweißgehalt, das vor allem bei zu schnellem Übergang auf die Weidehaltung den Stoffwechsel des Pferdes, insbesondere dessen Leber und Nieren stark belastet. Angelaufene Beine sind ein typisches Zeichen für einen Eiweißüberschuss und ein echtes Warnsignal. Besonders häufiges Flehmen oder Wälzen können hingegen Anzeichen für eine beginnende Kolik sein, ebenso wie das Ausbleiben der Pferdeäpfel. Die gute Nachricht: derartige Reaktionen des Körpers können durch gewissenhaftes Anweiden weitgehend vermieden werden.

Regel vier: Meiden Sie zu kurzes Gras.

Kurzes Gras ist in der Regel nicht nur besonders eiweißreich sondern hat zudem einen hohen Fruktangehalt. Bei erhöhter Fruchtzuckeraufnahme kommt es zu einer Übersäuerung des Darmmilieus, die wiederum ein Absterben der nützlichen Darmbakterien zur Folge hat. Dabei werden Giftstoffe freigesetzt, die vom Blut aufgenommen werden und winzige Blutgerinnsel bilden. Akute Hufrehe ist nur eine der möglichen Folgen.

Auch geschwollene Ohrspeicheldrüsen können eine Folge zu kurzen Grases sein. Um satt zu werden, müssen die Pferde auf kurzgefressenen Weiden pausenlos grasen und halten den Kopf dauerhaft tief am Boden. Dadurch kann der durch das Kauen angeregte, aber zum Einspeicheln der verhältnismäßig geringen Grasmenge nicht benötigte Speichel nicht wie gewohnt abfließen.

Regel fünf: Gezielte Bewegung verringert Übermut.

Der erste Weidegang ist für Pferde immer etwas Besonders. Übermütige Bocksprünge, Wettrennen und wilde Haken gehören einfach dazu. Wenn ihr Pferd zu übermütigem Verhalten auf der Koppel neigt, können Sie mit gezielter Bewegung vor dem ersten Weidegang dafür sorgen, dass sich die hemmungslose Ausgelassenheit in Grenzen hält. Ein langer gemütlicher Ausritt oder Training im Viereck verringern den übersteigerten Bewegungsdrang. Zudem sind Muskulatur, Sehnen und Gelenke danach bereits aufgewärmt und damit weniger verletzungsanfällig.
Nach einer sorgsamen Eingewöhnungsphase steht dem ausgiebigen Weidevergnügen nichts mehr im Wege. © Rhett Maxwell
Nach einer sorgsamen Eingewöhnungsphase steht dem ausgiebigen Weidevergnügen nichts mehr im Wege.
© Rhett Maxwell
Trotz der nicht zu unterschätzenden Gefahren steht eines sicherlich fest: die Weidezeit ist für unsere Pferde unumstritten die schönste Zeit im Jahr. Und unter Berücksichtigung der fünf Vorsorgeregeln steht einer wunderschönen grünen Saison ohne Reue auch nichts im Weg.
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