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17.06.2015

Pferde überhitzen bis zu zehnmal schneller als Menschen

Vorsicht beim Pferdetraining an schwülen Sommertagen: Wie eine Studie kanadischer Forscher ergab, laufen Pferde selbst bei moderater Belastung viel schneller heiß als Menschen - und sind dann deutlich anfälliger für die negativen Auswirkungen von Hitzestress.

17 Minuten moderaten Trainings bei schwüler Hitze können schön ausreichen, um die Körpertemperatur eines Pferdes auf einen gefährlichen Wert zu erhöhen. © Kseniya Abramova - fotolia.com
17 Minuten moderaten Trainings bei schwüler Hitze können schön ausreichen, um die Körpertemperatur eines Pferdes auf einen gefährlichen Wert zu erhöhen.
© Kseniya Abramova - fotolia.com
„Bei heißem, feuchtem Wetter reichen 17 Minuten Trainings in mäßiger Intensität aus, um die Körpertemperatur eines Pferdes auf gefährliche Werte zu erhöhen. Beim Menschen dauert das drei- bis zehnmal so lange. Pferde spüren die Wärme viel intensiver, als wir es tun“, erklärt Professor Michael Lindinger, Veterinär und Sportmediziner an der Universität von Guelph in Kanada, gegenüber dem neuseeländischen Pferdemagazin horsetalk.nz.

Die Auswirkungen können gravierend sein. Wenn die Körpertemperatur über den normalen Bereich von 37 bis 38 Grad Celsius auf 41 Grad ansteigt, erreicht die Temperatur in den Pferdemuskeln Werte von bis zu 43 Grad. Bei dieser Temperatur beginnt eine Zersetzung der körpereigenen Proteine. Blutdruckabfall, Koliken und Nierenversagen sind die Folgen einer dauerhaften Überhitzung.

Dass Pferde anfälliger für Hitze sind, liegt vor allem an dem höheren Anteil an aktiven Muskeln, die während des Trainings zusätzlich Wärme erzeugen. Um sich abzukühlen reagiert der Pferdekörper mit Schwitzen. Bis zu 20 Liter Schweiß produziert er bei starker Anstrengung, wenn das Wetter kühl und trocken ist. Bei schwüler Hitze steigt die Schweißproduktion auf bis zu 30 Liter pro Stunde an - und ist dennoch lange nicht so effektiv wie bei trockenen Verhältnissen. Weil die Luft ringsum schon stark feucht ist, nimmt sie neuen Dampf nicht mehr so gut auf, der Kühlvorgang wird stark beeinträchtigt. Um den Pferdekörper legt sich ein warmes Polster, darunter rinnt der Schweiß ungenutzt zu Boden. Das sind besonders für das Pferd schlechte Voraussetzungen, zumal es für die effektive Kühlung ohnedies nur 25 bis 30 Prozent seines Schweißes nutzen kann. Zum Vergleich: Beim Menschen liegt dieser Wert mit 50 Prozent deutlich höher.

Schädlicher Elektrolytverlust

Wer so viel schwitzt, verliert viel Salz (Elektrolyte). Das gilt im besonderen Maße für Pferde, deren Schweiß bis zu viermal so viel Salz enthält wie der des Menschen. „Diese Salze müssen ersetzt werden“, sagt Lindinger. Reines Wasser bringt in einem solchen Fall nicht den gewünschten Effekt – es kann sogar schädlich sein. „Wenn dehydrierte Pferde nur Wasser trinken, verdünnen sich ihre Körperflüssigkeiten, und ihre Körper reagieren darauf, indem sie versuchen, mehr Wasser loszuwerden – womit sie zusätzlich Elektrolyte verlieren“, erklärt Professor Lindinger das Problem.

Weil Elektrolyte der Aufrechterhaltung lebenswichtiger Vorgänge innerhalb der Zellen dienen, kann ein Mangel je nach Ausprägung einen deutlichen Leistungsabfall nach sich ziehen. Die Folgen sind Muskelverkrampfungen bis hin zu Herzrhythmusstörungen und Nervenschäden in schwerwiegenden Fällen. Pferde, die viel geschwitzt haben, benötigen deshalb eine spezielle Elektrolytlösung, die den körpereigenen Salzhaushalt wieder ins Gleichgewicht bringt.

Langsame Gewöhnung ist wichtig

Wer die negativen Auswirkungen von Hitzestress vermeiden will, verlegt sein Training an heißen Tagen am besten auf die kühlen Morgen- und Abendstunden. Wem eine unvermeidliche Anstrengung in der Mittagshitze bevorsteht, der sollte sein Pferd langsam an die Belastung heranführen. Hat es die Möglichkeit sich über mehrere Tage hinweg für die bevorstehende Aufgabe zu akklimatisieren, verkraftet es einen Einsatz bei Hitze besser. Mit der richtigen Vorbereitung muss also auch an schwülen Tagen nicht aufs Reitvergnügen verzichtet werden, wenngleich zum Wohle des Pferdes hinsichtlich der Anforderungen idealerweise doch Abstriche gemacht werden sollten.

Cool-down für überhitze Pferde

Ist Ihr Pferd heiß gelaufen, sollten Sie es im Schatten – idealer Weise bei einer leichten Brise – langsam wieder auf Normaltemperatur herunterkühlen lassen. Hilfreich sind zu diesem Zweck auch Güsse mit laufwarmem Wasser. Überschüssige Feuchtigkeit sollte mit einem Schweißmesser aus dem Fell entfernt werden, so wird der Kühlprozess in Gang gehalten. „Durch regelmäßiges Abgießen und Abziehen können Sie die Körpertemperatur eines Pferdes innerhalb von zehn Minuten um bis zu zwei Grad abkühlen“, erklärt Sportmedizinier Michael Lindinger.
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