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12.02.2016

Pferdeleid für Wiener Schnitzl und Schweinsbraten

In Südamerika leiden zehntausende Stuten für die Gewinnmaximierung in der Schweinezucht

Abgemagert bis auf die Knochen werden Stuten auf südamerikanischen blutfarmen so lange gedeckt, bis sie nicht mehr trächtig werden oder zusammenbrechen. © TSB|AWF
Abgemagert bis auf die Knochen werden Stuten auf südamerikanischen blutfarmen so lange gedeckt, bis sie nicht mehr trächtig werden oder zusammenbrechen.
© TSB|AWF
Die Recherchen zur Gewinnung des Hormons PMSG aus dem Blut trächtiger Stuten haben uns viel über Pferdeleid gelehrt. Aber auch die Erkenntnisse über das andere Ende der Kette, die Anwendung des Hormons, sind bedrückend. PMSG wird in der Schweineproduktion eingesetzt, um Zuchtsauen zu synchronisieren. Das allein ist an sich nichts Verwerfliches, im weitesten Sinne kann man es sogar als Tierschutzmaßnahme begreifen, wenn es der Verbesserung der Ferkelbetreuung und der Erhöhung des Hygienestandards dient. Aber die Tatsache an sich, dass Millionen Lebewesen (in Österreich: 2,9 Millionen Schweine) unter großteils wenig artgerechten Bedingungen ein unnatürlich kurzes Leben fristen , einzig zu dem Zweck, getötet zu werden, hat etwas Beklemmendes.

Schweine sind reinliche, intelligente – manche Studien attestieren Schweinen eine Intelligenz vergleichbar der von Primaten –, verspielte, soziale Wesen. Die meisten ihrer natürlichen Bedürfnisse können sie in der gängigen Haltungsform kaum oder nicht ausreichend befriedigen.

Es wäre schon ein Fortschritt, wenn die Muttersauen während der Säugens (28 Tage) nicht in einem Zwangsstand kaum größer als sie selbst vegetieren müssten. In der Schweiz zum Beispiel sind solche Stände verboten – dort ist das heimische Schweinefleisch aber auch dreimal so teuer wie in Österreich, nicht nur wegen der artgerechteren Haltung, aber auch.

Auch in Österreich gebe es viele Landwirte, die ihre Haltung gerne umstellen würden, mehr fürs Tierwohl tun würden, erklärt uns ein sachkundiger Mitarbeiter der AMA (Agrarmarkt Austria), die mit dem AMA-Gütesiegel Richtlinien für das Tierwohl vorgibt. „Dass die Kriterien noch Potenzial haben, ist uns bewusst. Deshalb arbeiten wir in unseren Gremien intensiv an der Weiterentwicklung im Bereich Tierwohl. Eines muss man aber unbedingt berücksichtigen: Jede Erhöhung der Standards kostet, die Mehrkosten müssen für die Produzenten am Markt erlösbar sein.“

Was aber passiert: Massenhaft wird billiges Fleisch aus Ländern mit enormer Überproduktion und niedrigen Standards exportiert – gestützt durch EU-Subventionen. Im Schnitt kostet daher ein Kilo Schnitzelfleisch in Österreich 8 Euro. Das ist kein reeller Preis. Und es ist vor allem ein Preis, der mit Leid erkauft ist, von Schweinen und, wie wir jetzt wissen, auch von Pferden.

Wir können dies alles ignorieren und weiter nach dem vermeintlich günstigen Sonderangebot greifen. Oder wir können wertschätzen, was in Wahrheit einen unschätzbaren Wert hat: das Leben eines Lebewesens.
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