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10.06.2013

Pferderettung in der Spanischen Hofreitschule

Wo sonst die weißen Hengste tanzen – auf dem „heiligen Boden“ der Spanischen Hofreitschule in Wien –, demonstrierte Tierrettungsspezialist Dr. Christoph Peterbauer Möglichkeiten der sicheren Rettung von Großtieren.

Mit der richtigen Ausrüstung und dem nötigen Know-how lassen sich Pferde rasch und vergleichsweise stressarm aus misslichen Lagen befreien. © Uschi Spitzbart/FEUERwehrOBJEKTIV
Mit der richtigen Ausrüstung und dem nötigen Know-how lassen sich Pferde rasch und vergleichsweise stressarm aus misslichen Lagen befreien.
© Uschi Spitzbart/FEUERwehrOBJEKTIV
Unter den interessierten Zusehern fanden sich neben Hausherrin Dkfm. Elisabeth Gürtler und zahlreichen Interessierten aus der Pferdewelt auch viele Feuerwehrkräfte. Die Berufsfeuerwehr Wien, die Betriebsfeuerwehr Hofburg Burghauptmannschaft Österreich sowie die Freiwillige Feuerwehr Pasching/OÖ nutzten bereits die Gelegenheit einer Ausbildung in Sachen Großtierrettung.

Für BF Wien und BTF Hofburg entstand der Wunsch nach einer qualifizierten Ausbildung nach einem realen Einsatz: Im Herbst 2012 stürzte ein Fiakergespann in eine Ausgrabungsstätte am Michaelerplatz und musste gerettet werden – unter teils großer Gefährdung von Einsatzkräften wie Zuschauern.

Sicherheit für Helfer

Ein Sicherheitsbewusstsein für die Helfer zu schaffen, ist einer der wichtigsten Punkte in der Präsentation von Dr. Peterbauer in Zusammenarbeit mit dem britischen Animal Rescue Specialist Anton Phillips. „Viel zu oft sieht man Bilder von Tierrettungen, bei denen sich Helfer selbst in höchste Gefahr begeben bzw. verletzt werden. Dabei kann man bei der Beachtung von einigen wenigen Sicherheitsregeln diese Gefährdung wesentlich minimieren“, ist Dr. Peterbauer überzeugt.

Weitere Eckpunkte der Präsentation betrafen Grundsätze zur Pferderettung, sogenannte „goldene Rettungsregeln“, und vor allem das Wohlbefinden des zu rettenden Tieres – in diesem Fall zum Glück nur ein Dummypferd.

Nach einer theoretischen Einführung – mit teilweise drastischen Bildern und Videos – zeigte das Team um Dr. Peterbauer mit Dummypferd Morpheus praktische Varianten der Pferderettung. Demonstriert wurden z. B. die Rettung und Befreiung eines Pferdes aus einem Trailer oder Graben, das Drehen eines liegenden Pferdes sowie einfache Transportmethoden ohne Kran. Dabei wurde deutlich, dass es mit den richtigen Hilfsmitteln – korrekt eingesetzt – möglich ist, das Risiko für weitere Verletzungen während einer Rettungsaktion sowohl beim Pferd als auch bei den Einsatzkräften wesentlich herabzusetzen.

Die richtigen Hilfsmittel

Dr. Peterbauer nützt z. B. dünne, gebogene Stahlfedern, um Rettungsgurte unter dem Pferd durchzuführen. Dadurch kann der Sicherheitsabstand gewahrt werden.
Pferderettung mit System: Eine klare Rollenverteilung unter den Helfern trägt maßgeblich zum sicheren Ablauf einer Pferderettung bei. © Uschi Spitzbart/FEUERwehrOBJEKTIV
Pferderettung mit System: Eine klare Rollenverteilung unter den Helfern trägt maßgeblich zum sicheren Ablauf einer Pferderettung bei.
© Uschi Spitzbart/FEUERwehrOBJEKTIV
An der richtigen Stelle eingesetzt – etwa am Brustbein hinter dem Ellbogen oder an der Hinterhand beim Kniegelenk – können Einsatzkräfte mit reiner Muskelkraft ein liegendes Pferd über Kunststoffplatten aus einem Transporter ziehen.

Dem „Safety Officer“ kommt dabei eine der wichtigsten Rollen zu: Er ist derjenige, der nur darauf achtet, dass alle Einsatzkräfte den Sicherheitsabstand einhalten und sich nur in ungefährlichen Bereichen (z. B. beim Rücken des Pferdes) nähern. Zu oft will man in der Hektik eines Einsatzes „nur schnell mal hingreifen“ – und bezahlt dies womöglich mit einem kräftigen Huftritt.

Das Bewusstsein für Sicherheit im Einsatz ist zwar bereits in der Grundausbildung von Feuerwehrmitgliedern verankert. Gerade aber wenn Lebewesen betroffen sind, neigen Helfer mitunter dazu, den Sicherheitsgedanken über Bord zu werfen.

Für ein verletztes Pferd wiederum kann die ohnehin dramatische Situation nach einem Unfall wesentlich erleichtert werden, wenn ausgebildete Einsatzkräfte genau wissen, wie sie möglichst schonend und stressreduziert helfen können. Die richtigen Einsatzgeräte – Gurte, Platten, Haken und Stahlfedern – ersparen mitunter schwere Kranfahrzeuge (oft kommt man mit diesen gar nicht in unwegsame Bereiche). Zudem wird damit das weitere Verletzungsrisiko des Pferdes im Zuge der Rettungsaktion (etwa durch Herausrutschen aus Gurten oder Panikreaktionen) verringert.

Stützpunkte für Einsatzkräfte

Dr. Peterbauer: „Mein Ziel ist es, in den nächsten Jahren so viel Bewusstsein bei den Feuerwehren zu schaffen, dass es in etwa 10 bis 15 Jahren zumindest stützpunktweise ausgebildete Kräfte und entsprechende Ausrüstung für die Großtierrettung gibt.“
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