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09.05.2017

Pferdezucht im Wandel: Die Zuchttrends der Eisenzeit

Menschen züchten Pferde schon seit der Eisenzeit. Welche Eigenschaften damals im Trend lagen, zeigt eine internationale Studie mit Beteiligung des Instituts für Genetik der Universität Bern zeigt.

Eine internationale Studie mit Berner Beteiligung zeigt, dass schon fru?her als angenommen Pferdezucht betrieben wurde. © Sébastien Lepetz/CNRS
Eine internationale Studie mit Berner Beteiligung zeigt, dass schon fru?her als angenommen Pferdezucht betrieben wurde – nämlich bereits in der Eisenzeit, wie DNA aus archäologischen Knochenfunden belegt.
© Sébastien Lepetz/CNRS
Die Skythen waren eine der Ersten, die auf Pferden ritten und vom Pferderücken aus mit dem Bogen schossen. Das Nomadenvolk lebte in der Eisenzeit ungefähr vom 9. bis 1. Jahrhundert vor Christus in den zentralasiatischen Steppen und war für seine Reit- und Kriegskünste bekannt. Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung der Universität Bern fand nun heraus, dass die Skythen die Tiere nicht nur zähmten und nutzten sondern auch Pioniere im Bereich der Pferdezucht waren.  

Für die Studie, die nun im Fachmagazin "Science" veröffentlicht wurde, wurden außergewöhnlich gut erhaltene Pferdeknochen aus skythischen Königsgräbern in der Mongolei und in Kasachstan herangezogen. Anhand der Überreste von 13 Hengsten, die vor etwa 2.300 bis 2.700 Jahren lebten, konnten die Forschenden feststellen, welche Eigenschaften die Skythen bei ihren Pferden bevorzugten. Auch die DNA einer Stute aus dem russischen Ural, die vor 4.100 Jahre lebte, wurde einbezogen. Die Stute gehörte zur noch älteren Sintashta-Kultur, die als erste zweirädrige Pferdewagen einsetzte.
Pferdegrab von der Alias Ebé Ausgrabungsstätte, Churapchinsky Distrikt, Jakturien (Russland). © Eric Crubézy
Pferdegrab von der Alias Ebé Ausgrabungsstätte, Churapchinsky Distrikt, Jakturien (Russland).
© Eric Crubézy

Fellfarben, Ausdauer und Schnelligkeit

Insgesamt identifizierte das Forscherteam 121 Gene, für die die Skythen bei der Zucht offenbar selektionierten. Die meisten davon stehen mit der Entwicklung der Vorderbeine in Verbindung, die Züchterpioniere achteten offenbar auf eine robuste Statur. Zudem zeigte sich eine große Vielfalt bei den Fellfarben, darunter Schwarz, Braun, Fuchs, Palomino und Schecke. „Der Vergleich der alten und modernen Gensequenzen zeigt, dass Merkmale wie die Fellfarbe schon viel früher in der Zucht eine Rolle spielten als ursprünglich angenommen“, erklärte Studienautor Tosso Leeb vom Institut für Genetik an der Universität Bern.

Bei den Gangarten fehlte die Genmutation für den Pass, womit skythische Pferde keine natürlichen Passgänger waren. Dafür stießen die Forschenden auf eine Genvariante, die bei heutigen Rennpferden mit der Sprint-Leistung zusammenhängt. Neben Ausdauer war den skythischen Pferdezüchtern wohl auch Schnelligkeit auf kurzer Strecke wichtig.

Verlorene Vielfalt

Bei den Untersuchungen fiel auf, dass bis auf zwei Pferde keine der Tiere untereinander verwandt waren. „Im Vergleich zu heute gab es bei den untersuchten damaligen Pferden keine Anzeichen von Inzucht“, so Leeb. Dies weist darauf hin, dass die Skythen natürliche Herdenstrukturen erhielten und keine starke Linienzucht betrieben. „Im Gegensatz dazu können heute in der modernen Zucht einzelne Hengste Hunderte von Nachkommen zeugen“, erklärt Leeb.
Für die Studie wurden auch DNA-Proben von modernen Freibergerpferden verwendet. © Acroscope, Haras national suisse HNS/Rindlisbacher
Für die Studie wurden auch DNA-Proben von modernen Freibergerpferden verwendet.
© Acroscope, Haras national suisse HNS/Rindlisbacher
Die Forschenden fanden auch Hinweise auf einen starken Rückgang der Pferdepopulation während der letzten 2.300 Jahre, die zu einer verminderten genetischen Vielfalt bei domestizierten Pferden führte. In derselben Zeitperiode wurden für die Zucht immer weniger Hengste eingesetzt. „Heute tragen nahezu alle domestizierten Pferde dieselben, oder sehr ähnliche Y-Chromosom-Haplotypen, sind also fast alle miteinander verwandt“, ergänzt Leeb.

Als der Mensch vor über 5.000 Jahren Pferde zu zähmen begann, gab es noch zahlreiche verschiedene Abstammungslinien von Hengsten. Diese verschwanden erst innerhalb der letzten 2.000 Jahre. Dieser Schwund an Vielfalt der Y-Chromosomen geht mit einer Anreicherung von einzelnen krankheitsverursachenden Mutationen im Pferde-Erbgut einher. Die Forschenden erklären dies mit dem starken Rückgang der Pferdepopulation: „Durch diezunehmende Zucht in geschlossenen Populationen und der damit einhergehenden Inzucht konnten sich einige krankheitsverursachende Mutationen anreichern und traten in der geschrumpften Population somit gehäuft auf“, erklärt Leeb.

PM/ps