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27.07.2017

Pharmariese stellt Geschäfte mit Stutenblutfarmen in Südamerika ein

Seit Jahren laufen Tierschützer Sturm gegen die grausamen Methoden, mit deren Hilfe auf südamerikanischen Farmen Blut von trächtigen Stuten abgezapft wird, um ein Hormon für die Schweinezucht zu gewinnen. Nun hat einer der wichtigsten importierenden Pharmakonzerne seine Geschäfte mit den Blutfarmen in Südamerika zur Gänze eingestellt.

Tote Stute auf der Blutfarm Don Ramón in Uruguay. Die leidenden, sterbenden Tiere sind ihren Ausbeutern nicht einmal den Gnadenschuss wert. © TSB|AWF
Tote Stute auf der Blutfarm Don Ramón in Uruguay. Die leidenden, sterbenden Tiere sind ihren Ausbeutern nicht einmal den Gnadenschuss wert.
© TSB|AWF
Südamerika gilt als einer der Hauptproduzenten für PMSG, ein Hormon, das im Blut trächtiger Stuten zu finden ist und in der Schweinezucht für bessere Erträge sorgt. Auf sogenannten Blutfarmen werden zehntausende trächtige Stuten wochenlang zur Ader gelassen. Entnahmen von zehn Liter Blut und mehr pro Sitzung sind eher die Regel denn die Ausnahme. Eine solche Quantum entspricht etwa einem Viertel der gesamten Blutmenge eines Pferdes – zu viel, als dass die Stuten und ihre ungeborenen Fohlen dies ohne gesundheitliche Schäden überleben könnten.

Die Föten werden, wenn das Hormon nicht mehr produziert wird von Hand im Mutterleib zerquetscht. Ist das werdende Fohlen abgestorben, erleidet die Stute eine Fehlgeburt. Dabei ist sie medizinisch unbetreut, manche Stuten überleben dies nicht. Wird eine Stute durch den schlechten Ernährungszustand und den starken Aderlass nicht mehr trächtig, kommt sie zur Schlachtung oder wird zum Sterben einfach ausgesetzt.

Mit der Enthüllung dieser brutalen Praktiken gerieten importierende Pharmakonzerne zunehmend ins Kreuzfeuer öffentlicher Kritik. Einer von ihnen ist Merck Sharp & Dohme (MSD). Bereits im Jänner hatte der US-amerikanische Pharmariese verkündet, den Import der Hormone von Südamerika nach Europa zu stoppen. Nun geht das Unternehmen noch einen Schritt weiter. In einer Presseaussendung teilte MSD mit, seine Geschäfte mit südamerikanischen Blutfarmen komplett eingestellt zu haben. Man sei ein Unternehmen, das sich dem Wohlbefinden der Tiere verpflichtet fühle und distanziere sich nachdrücklich von den bekanntgewordenen Vorfällen bei der Gewinnung von PMSG, weshalb man das Hormon ausschließlich von europäischen Lieferanten beziehe. „Alle unsere Lieferanten sind verpflichtet, sämtliche lokalen und regionalen gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen bezüglich der Gewinnung von Blutplasma einzuhalten, um das Wohlergehen der Tiere zu gewährleisten. Dabei unterstehen sie der Aufsicht von Regierungsbehörden und werden von diesen kontrolliert“, heißt es in einer Stellungnahme vom 21. Juli.

Nur ein Teilerfolg

Tierschützer feiern diesen Schritt als großen Erfolg. „Mit vereinten Kräften haben wir einen gigantischen Pharmakonzern bewegt. Wir haben gezeigt, dass wir gemeinsam selbst die größten Konzerne zur Verantwortung ziehen können“, freut man sich bei der in Deutschland ansässigen Animal Welfare Foundation (AWF), jener Organisation, die den Skandal zusammen mit dem Tierschutzbund Zürich 2015 nur durch Zufall aufgedeckt hatte. Gleichzeitig warnt man jedoch davor, sich auf diesem Sieg auszuruhen. „Auf den grausamen Blutfarmen werden Pferde so lange weiter gequält, wie es Pharmaunternehmen gibt, die bereitwillig ihre Produkte kaufen. Der nächste große Abnehmer des Qualhormons könnte schon bald die Geschäfte von MSD übernehmen.“ Als nächstes will man nun auch den zweiten in Deutschland ansässigen Importeur von PMSG, den Biotechnologie-Konzern IDT Biologika, dazu bewegen, auf das Geschäft mit den berüchtigten Blutfarmen zu verzichten. Eine dafür lancierte Petition zählt inzwischen knapp 260.000 Unterschriften.

ps