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11.06.2011

Pinggi ist nicht mehr

Ein Nachruf auf Österreichs ältestes Pferd

Zwei Tage, nachdem die Juniausgabe der Pferderevue mit Österreichs Pferde-Oldies in Druck gegangen war, musste Pinggi, das älteste Pferd, am 22. Mai aufgrund einer schweren Kolik eingeschläfert werden. Er wurde 44 Jahre, zwei Monate und zwei Tage alt.

„Pinggi war lustig und munter bis zum letzten Tag, auch den Fellwechsel hatte er schon problemlos hinter sich gebracht, was alten Pferden ja oft schwer fällt. Am Sonntag haben wir bemerkt, dass er Bauchschmerzen hat, wir haben ihn frei laufen lassen, er ist noch zu all seinen Plätzen getrabt, auf die Koppel, den Reitplatz, in die große Halle – als wollte er sich verabschieden –, und in der kleinen Halle hat er sich dann hingelegt… Wir waren alle bei ihm, als der Tierarzt kam und klar wurde, dass es keine Besserung mehr gibt…“ 44 Jahre lang war Pinggi ein Teil von Theres Rantner-Payers Leben gewesen, sie hatte gehofft, noch den gemeinsamen 50er mit ihm feiern zu können…

Mit drei Jahren wurde Shetlandpony Pinggi im Jahr 1970 von Familie Payer in Chur (SUI) gekauft, wohnen durfte er bei einem Bauern, versorgt wurde er von den fünf Töchtern. Die älteste ritt ihn ein, nach und nach lernten die jüngeren, die zunächst an der Hand mit den älteren mitdurften, auf ihm reiten. „Gebuckelt hat er nie – er war brav, aber schnell.“ Im Wald, in dem die Kinder ausritten, gab es auch kleine Hindernisse, die die älteren gesprungen sind. Dazu mussten sie aber Handpferd Pinggi loslassen. Und der strebte schnellstmöglich zur nächsten Wiese, um zu fressen. Dass er dabei manchmal seine kleine Reiterin verlor, störte ihn weniger. Auch das Einfangen auf der Koppel erwies sich als Herausforderung, meist gelang dies erst nach einem langen Marsch auf den Gipfel des Hausbergs. Freiheitsliebend blieb Pinggi bis zuletzt: Da er ohnehin aus allen Zäunen ausbrach, durfte er sich frei im Reitbetrieb in Gnadenwald bewegen.
Pinggi fressend © Alessandra Sarti
Mit 44 Jahren nahm Pinggi Abschied: "Er war eine Bereicherung wie kein anderes Pferd es je war. Er war so viel mehr als nur ein altes Pony…"
© Alessandra Sarti
Pinggis besondere Stärke aber war das Fahren: Stundenlang fuhren die Kinder im zweirädrigen Wagen mit Pinggi durch die Schweizer Landschaft, nie wurde der Kleine müde oder unwillig. „Bei einer Schweizrundfahrt war er der einzige von vier Pferden, der durchgehalten hat“, erzählt Theres Rantner-Payer stolz, „und das, obwohl er wegen seiner Größe die gesamte Strecke im Trab gelaufen ist!“ Nach und nach zogen die fünf Töchter aus und begannen ein eigenes Leben, Pinggi blieb, von den Eltern Payer versorgt, beim Bauern. Dann lernte die nächste Generation auf Pinggi reiten. Und irgendwann, da war er 25 Jahre alt, kam zum ersten Mal die Frage auf, wie lang Pinggi wohl noch leben wird. Mit 39 dann fanden die Eltern Payer, dass sie sich lange genug um ihn gekümmert hätten – ein Umzug nach Gnadenwald stand an. Vier Jahre lang war Pinggis große Fahrt immer wieder geplant und „als zu anstrengend für das alte Pony“ verworfen worden – und er war ja auch noch nie in einem Hänger gefahren. Und dann war alles ganz problemlos: Gemeinsam mit seiner 29 Jahre alten Freundin reiste der alte Herr nach Tirol, als ob er nie etwas anders getan hätte.

„In der Schweiz war Pinggi immer eher ein Einzelgänger gewesen, ein bisschen menschenscheu und zurückhaltend. In unserem Reitstall in Gnadenwald ist er richtig aufgeblüht und hat sich zu einem zutraulichen und neugierigen Pony entwickelt.“ War zunächst befürchtet worden, dass Pinggi im Trubel eines modernen Reitbetriebs keinen Platz finden würde, so erwies sich bald, dass Pinggi ein Gewinn für alle ist. „Keiner, der ihn nicht ins Herz geschlossen und sich nicht täglich nach ihm erkundigt hätte.“ Den ganzen Tag war er auf den Beinen, bald hatte er herausgefunden, dass ankommende Autos Leckerlis verhießen, überall musste er nach dem Rechten sehen, vor allem auf dem Reitplatz, den kein Pferd betreten durfte, ohne sich zuerst intensiv und ausführlich von ihm beschnuppern zu lassen. Versuchte man, sich dieser Kontrolle zu entziehen, verfolgte Pinggi das von ihm nicht autorisierte Pferd gnadenlos im Galopp und stellte es. „Es gab keinen Tag in seinem Leben, an dem er nicht fleißig mitgegangen ist. Er war zwar stur – meine Kinder sagten immer: ,Er hat einen Plan, und den zieht er durch‘ – aber grundehrlich. Er war nicht nur einfach da, er war eine Bereicherung wie kein anderes Pferd es je war. Er war so viel mehr als nur ein altes Pony…“
Pinggi ist nicht mehr. © Alessandra Sarti
Kein Pferd durfte den Reitplatz betreten, ohne sich zuerst intensiv und ausführlich von Pinggi beschnuppern zu lassen.
© Alessandra Sarti
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