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09.11.2017

Positiver Dopingtest: Verlieren Deutschlands Buschreiter EM-Silber?

Den deutschen Vielseitigkeitsreitern droht nach einer positiven Medikationskontrolle bei Julia Krajewskis Pferd Samurai du Toth der Verlust der Silbermedaille, die das Team bei den Europameisterschaften im polnischen Strzegom erritten hatte.

Im Blut von Julia Krajewskis Samourai du Thot wurde am letzten EM-Tag die schmerz- und entzündungshemmende Substanz Firocoxib gefunden. Das Ergebnis der B-Probe steht noch aus. © Eric Knoll | FEI
Im Blut von Julia Krajewskis Samourai du Thot wurde am letzten EM-Tag die schmerz- und entzündungshemmende Substanz Firocoxib gefunden. Das Ergebnis der B-Probe steht noch aus.
© Eric Knoll | FEI
Bei der gefundenen Substanz handelt es sich um Firocoxib, ein Wirkstoff, der schmerz- und entzündungshemmend wirkt und von der FEI als „Controlled Medication Substance“ geführt wird. Damit ist Firocoxib zu therapeutischen Zwecken im Training erlaubt, jedoch nicht im Wettkampf. Die FN hat die Öffnung der B-Probe beantragt. Das Ergebnis steht noch aus, wird in aber in Kürze erwartet. Sollte die B-Probe das Ergebnis der A-Probe bestätigten, müsste die deutsche Mannschaft ihre Silbermedaille zurückgeben.

Samourai du Thot wurde in Strzegom am 20. August, dem letzten Tag der EM, nach dem Gewinn der Team-Silbermedaille beprobt. Unabhängig von FEI und Championat hatte die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA im Zuge einer unangekündigten, zufälligen Trainingskontrolle in Warendorf kurz nach der Rückkehr aus Polen ebenfalls eine Probe des Pferdes genommen. Mitte September informierte die NADA das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR) über den Fund der Substanz Firocoxib, die nicht im Behandlungsbuch des Pferdes dokumentiert war. Seitdem bestand die Sorge, dass auch die noch ausstehende FEI-Wettkampfprobe die Substanz nachweisen würde. Bereits umgehend nach Bekanntwerden des Ergebnisses der NADA-Kontrolle hörte das DOKR Julia Krajewski dazu an, wie die Substanz in ihr Pferd gelangt sein könnte. Die Recherche brachte jedoch bisher keine Erklärung.

Julia Krajewski hat nach Bekanntgabe des Ergebnisses der B-Probe formell 21 Tage Zeit sich zu entscheiden, eine administrative Strafe anzunehmen oder vor das FEI-Tribunal zu ziehen. Die administrative Strafe würde eine Geldstrafe in Höhe von 1500 Schweizer Franken sowie Verwaltungskosten in Höhe von 2000 Schweizer Franken nach sich ziehen, jedoch keine Wettkampfsperre. „Der Gang vor das Tribunal macht aber nur Sinn, wenn Julia Krajewski nachweisen kann, wie die Substanz ins Pferd gelangt ist“, erklärt Prof. Dr. Jens Adolphsen, Equipechef der deutschen Vielseitigkeitsreiter und langjähriger, ehemaliger Vorsitzender des FEI-Tribunals. „Die Aberkennung ihres Einzelergebnisses und die damit verbundene Rückgabe der Mannschaftssilbermedaille wären bei einer positiven B-Probe nach Vorgabe des internationalen Regelwerks aufgrund der vorhandenen positiven Wettkampfprobe unausweichlich – unabhängig von Schuld oder Unschuld.“

Das sagt die Reiterin

Auf ihrer Facebookseite nimmt Julia Krajewski umfassend Stellung zu den aktuellen Ereignissen:

"Das ist unbestritten die schwierigste Phase meiner bisherigen sportlichen Laufbahn und die Umstände treffen mich sehr schwer.

Die FEI hat das DOKR und mich Mitte Oktober über eine positive Medikationskontrolle von Samourai du Thot informiert, welche am Sonntag den 20. August im Rahmen der Europameisterschaft in Strzegom durchgeführt wurde. Wir haben daraufhin die Analyse der B-Probe beantragt, deren Ergebnis noch aussteht. Bei der gefundenen Substanz handelt es sich um Firocoxib, das laut FEI eine „Controlled Medication Substance“, jedoch kein Doping ist. Die diese Substanz bei einer routinemäßigen Trainingskontrolle der NADA am 23.August ebenfalls gefunden wurde, müssen wir vorerst davon ausgehen, dass die B-Probe das Ergebnis der A-Probe bestätigt.

Unabhängig davon, dass weder ich noch mein Team erklären können wie diese Substanz in mein Pferd gelangen konnte und wir entschlossen jedes eigene Zutun von uns weisen, würde dieser Befund unweigerlich zu meiner Disqualifikation und damit zum Verlust unserer hart erkämpften Silbermedaille führen. Das tut mir irre Leid für unsere tolle Mannschaft, die sich so sehr reingehängt hat für diesen Erfolg. Dass ich nicht erklären kann wie, wann und auf welchem Wege der Wirkstoff in mein Pferd gelangt ist, beunruhigt mich zutiefst und gibt uns ein riesiges Rätsel auf.

Was ich bisher weiß ist, dass die Substanz Firocoxib nur in zwei Medikamenten vorkommt – Equioxx für Pferde und Previcox für Hunde. Equioxx ist in meinem Stall noch nie benutzt worden, weder bei meinen noch bei anderen Pferden. Mein Heimtierarzt wendet es nicht bei meinen Pferden an. Auch unser Mannschaftstierarzt Carsten Rohde hat bestätigt, das Medikament nicht bei den Kaderpferden anzuwenden und es nicht mit zum Trainingslager oder zum Championat nach Polen gebracht zu haben. Des Weiteren gab es zu keinem Zeitpunkt während des Trainingslagers oder der EM den Anlass, Sam mit einem Schmerzmittel zu behandeln. Nachfragen bei verschiedenen Tierärzten haben ergeben, dass Equioxx bei Sportpferden ein eher unübliches Medikament ist, da es sehr lange nachweisbar ist. Laut ADMR (Anti-Doping und Medikationskontrollregeln) hat es eine Karenzzeit von 30 Tagen. Mit einer positiven Medikationskontrolle ist also immer zu rechnen, wenn das Medikament kurzfristig verabreicht wird - und somit für Championatsreiter ein „No Go“.

Ich bin mittlerweile in der Lage den Zeitraum, in dem die Substanz aufgenommen wurde, anhand von zwei Gründen einzugrenzen. Zum einen wurde 13 Tage vor Beginn der EM am 3. August eine Prä-Probe entnommen, welche negativ war. Diese führt das DOKR standardmäßig vor Championaten bei allen Pferden durch, die für einen Start in einem deutschen Team nominiert wurden.
Zum anderen wurden nicht nur Spuren, sondern eine relativ große Menge der Substanz im Blut von Sam nachgewiesen. Diese Menge, im Zusammenhang mit den zugehörigen Abbauzeiten, lässt den Rückschluss zu, dass das Medikament vermutlich zwischen Freitagmittag und Samstagmorgen (also nach der Dressur und vor dem Gelände) verabreicht oder aufgenommen wurde. Mit dem Ergebnis der B-Probe erhalten wir weitere Dokumente, die möglicherweise noch mehr Aufschluss über den genauen Zeitpunkt der Verabreichung geben. Da es leider in Strzegom, wie auf anderen Championaten durchaus üblich, keine Videoüberwachung der Boxen gab, können wir für den vermutlichen Zeitraum keine Bilderanalyse anfertigen und sind daher auf die Medizinischen Daten angewiesen.

Da diese Substanz als verschreibungspflichtiges Arzneimittel nicht in die Futtermittelherstellung gelangt und auch nicht in Gräsern oder Heu zu finden ist, ist eine Kontamination über das Futter auszuschließen. Sam wurde zusätzlich einer freiwilligen Trainingskontrolle unterzogen, die negativ war. Da keines meiner Pferde je mit diesem Medikament behandelt oder getestet wurde, erscheint mir eine zufällige Kontamination im Stall als sehr unwahrscheinlich. In Previcox, das ein gängiges Medikament für Hunde ist, ist Firocoxib in einer weitaus höheren Dosierung enthalten als in Equioxx für Pferde. Ob es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen Hunden und der positiven Probe meines Pferdes gibt, prüfen wir momentan noch.

Soweit alle Informationen, die ich zu diesem Zeitpunkt habe - zwar aufschlussreich, aber keine ausreichende Erklärung dafür was wirklich passiert ist. Als Teil des deutschen Teams, welches als Mitfavorit nach Strzegom gereist ist, bin ich davon ausgegangen getestet zu werden. Ich stehe absolut hinter dem geltenden Dopingreglement und bin mir meiner Sorgfaltspflicht und möglicher Konsequenzen bewusst. Durch eine unerlaubte Behandlung eine potentielle Medaille absichtlich aufs Spiel zu setzen wäre grob fahrlässig. Außerdem ist der Gedanke für mich völlig absurd, meinem Pferd während des Championats ein Medikament zu verabreichen, welches mehrere Wochen positiv ist. Ich werde euch über alle weiteren Erkenntnisse auf dem Laufenden halten, aber im Moment sind wir ratlos und einfach nur schockiert das sowas passieren konnte…"

FN/ps
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