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22.02.2017

Puls, Atmung, Temperatur: Was die Werte über die Pferdekondition verraten

Während der Winterzeit gönnen viele Reiter ihrem Liebling eine Pause und schrauben das Trainingspensum zurück. Nach einer längeren Phase des Müßigganges ist zu Beginn des Frühlings deshalb in erster Linie Konditionsaufbau angesagt. Wer dabei die PAT-Werte im Auge behält, kann besonders effizient arbeiten.

© www.slawik.com
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Das Pferd als Steppenbewohner und Fluchttier wurde von der Natur perfekt als Sprinter entwickelt. Bewegungsapparat und Herz-Kreislauf-System sind ganz auf dessen Grundbedürfnisse abgestimmt: rasches Entkommen vor eine Gefahr, ohne dabei den Gesamtorganismus zu schädigen.

Anders sehen die Anforderungen an das Herz-Kreislauf-System des Pferdes heute anders aus. In der Arbeit mit dem Menschen wird das Pferd zum Ausdauersportler. Entsprechend muss sein Organismus über einen längeren Bewegungszeitraum gleichmäßig mit Sauerstoff versorgt, die Abfallprodukte der Sauerstoffverbrennung müssen entsorgt werden.

Zum Glück ist der Pferdeorganismus lern- und aufbaufähig. Durch entsprechendes Training kann aus dem Sprinter Pferd ein echter Hochleistungsausdauersportler werden - so wie es Distanz- oder Vielseitigkeitspferde vormachen. Das wichtigste dabei ist ein kontinuierliches und individuell an das Pferd angepasstes Training.

Bevor es damit losgehen kann, ist die Erhebung des Ist-Zustandes nötig. Den besten Aufschluss darüber liefern die PAT-Werte. PAT steht für Puls, Atmung und Temperatur. Diese drei Vitalwerte geben zuverlässig Auskunft über die Kondition eines Pferdes. Mit ihrer Hilfe lässt sich nicht nur der Status Quo erheben, sondern auch die Verbesserungen oder Verschlechterungen des Trainingszustands eingefangen.

Das Herz

Das Herz des Pferdes ist ein absolutes Hochleistungsorgan. Dank seiner Größe kann es die rund 45 Liter Blut des Pferdes mit kräftigen Schlägen bis zu fünfmal pro Minute durch den Körper pumpen. Bei einem gesunden, erwachsenen Pferd liegt der Richtwert für die Herzfrequenz bei 30 bis 40 Pulswellen pro Minute. Dabei gilt: Je niedriger der Puls im Ruhezustand, umso kräftiger der einzelne Herzschlag und umso kräftiger der Herzmuskel.

Im Idealfall sollte das Pferd nach einer höheren Belastung bei einer Ruhepause von zehn bis 15 Minuten wieder zu seinen Normalwerten zurückfinden. Während der Belastung kann die Herzfrequenz auf bis zu 200 Schläge pro Minute (bei Galopprennpferden sogar bis auf 240) ansteigen, dabei sind maximale Durchflussmengen von bis zu 500 Litern Blut pro Minute möglich. Im Ruhezustand liegt der Durchfluss bei rund 30 Litern pro Minute - das Pferdeherz schlägt bei Belastung also achtmal schneller als im Ruhezustand. Diese Leistung ist im Tierreich einzigartig.

Bei kontinuierlich gutem Training erhöht sich das Gewicht des Herzens. Durch die gesteigerten Anforderungen werden die Muskelfasern dicker und größer und das Herz damit leistungsfähiger.

Ist ein Pferd untrainiert, braucht es längere Ruhephasen, bis die Normalwerte wieder erreicht sind. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Normalwerte im Ruhezustand des eigenen Pferdes gut zu kennen und regelmäßig die Zeitspanne nach einer Belastung bis zum Erreichen der Normalwerte zu überprüfen. Eine Verbesserung des Trainingszustandes lässt sich durch einen etwas niedrigeren Ruhepuls und eine kürzere Regenerationszeit erkennen.
Der Puls lässt sich besonder gut mithilfe eines Stethoskops ermitteln. © Archiv
Der Puls lässt sich besonder gut mithilfe eines Stethoskops ermitteln.
© Archiv

Puls richtig messen

Gemessen wird der Puls an der Arterie des Unterkieferrandes oder mit einem Stethoskop auf der linken Pferdeseite kurz hinter dem Ellenbogenhöcker. Die einzelnen Pulsschläge sollten kräftiger sein und in regelmäßigen Abständen kommen. Die Pulsschläge werden 15 Sekunden lang gezählt und dann auf eine Minute hochgerechnet, also mit vier multipiziert.

Deutlich einfacher lässt sich die Überwachung des Pferdepulses mit Hilfe eines Pulsmessgerätes bewerkstelligen. Durch einen speziell an die Anatomie des Pferdes angepassten Brustgurt kann die Herzfrequenz sowohl im Ruhezustand als auch  direkt während der Belastung während gemessen werden. Die gewonnen Daten werden via Bluetooth drahtlos aufs Smartphone des Pferdebesitzers geschickt. So lässt sich auf unkomplizierte Weise feststellen, wie effektiv das Training wirklich ist.

Liegt das Pferd deutlich über oder unter den Normwerten, sollte es unbedingt einem Tierarzt vorgestellt werden!

Die Atmung

Die Atemfrequenz beim ruhenden Pferd liegt bei etwa zehn bis 15 Atemzügen in der Minute. Pro Atemzug werden fünf Liter Luft in die 55 Liter fassenden Lungen transportiert. Im Ruhezustand ergibt das eine Menge von 55 und 71 Litern Luft. Im Trab erhöht sich dieser Wert auf 226 bis 314 Liter pro Minute, Galopper sind bei Höchstleistung sogar fähig bis zu 2.000 Liter Luft bei 150 Atemzügen innerhalb einer Minute in die Lunge und wieder heraus zu transportieren.

Je besser ein Pferd trainiert ist, umso mehr Luft kann mit einem Atemzug den Lungen zugeführt werden. Die sogenannte Erhöhung des Lungenvolumens oder der Lungenkapazität ermöglicht eine bessere Versorgung der Muskulatur mit notwendigem Sauerstoff.
Ein Pferd atmet in Ruhe etwa 15 Mal pro Minute. © www.slawik.com
Ein Pferd atmet in Ruhe etwa 15 Mal pro Minute.
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Atemzüge richtig messen

Messen lässt sich die Atmung des Pferdes im Ruhezustand ohne Stethoskop nur sehr schwer. Das Heben und Senken des Brustkorbes mit Hilfe der Bauchmuskeln oder die Atmungsbewegungen in den Flanken sind durch die oberflächliche Atmung des ruhenden Pferdes kaum zu erkennen. Mittels des Stethoskops, das in der Höhe der Atmungsrippen (im hinteren Bereich der Brustwirbelsäule) angesetzt wird, werden die einzelnen Atemzüge 30 Sekunden lang gezählt und die ermittelte Zahl mit zwei multipliziert. Grundsätzlich gilt für die Atmung dasselbe wie für den Puls: Je kürzer die Ruhepause nach einer höheren Belastung bis zum Erreichen der Normalwerte, umso besser die Lungenfunktion.

Die Temperatur

Der Normalwert der inneren Körpertemperatur ist bei Pferden um einiges höher als beim Menschen. Ein gesundes, erwachsenes Pferd darf zwischen 37,2 und 38°C haben – Fohlen liegen mit 37,5 bis 38,4 °C sogar noch höher. Die Temperatur kann während und nach einer höheren Belastung und abhängig von der Jahreszeit auf bis zu 39°C steigen. Nach einer Ruhepause muss sie aber wieder in den Normalbereich absinken.
Aufgepasst: Beim Temperaturmessen sollte man immer neben dem Pferd stehen. © www.slawik.com
Aufgepasst: Beim Temperaturmessen sollte man immer neben dem Pferd stehen.
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Temperatur richtig messen

Die Körpertemperatur wird rektal (im After) mit einem Fieberthermometer gemessen. Das Thermometer sollte dabei nicht zu tief eingeführt und gleichzeitig gut festgehalten werden. Wie lange die Messung dauert ist von Thermometer zu Thermometer verschieden.  Instrumente aus Glas mit Thermometerflüssigkeit haben die Messtemperatur nach etwa drei Minuten erreich. Digitale Geräte geben ein Signal, wenn die Messung beendet ist.

Eine erhöhte Körpertemperatur im Ruhezustand ist immer ein Alarmsignal und sollte auf jeden Fall vom Tierarzt überprüft werden.
mb
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