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17.10.2013

Rätsel um Burghley-Dopingfälle

Nach positiver A-Probe der beiden Vielseitigkeitspferde Clifton Promise und Clifton Pinot auf die verbotene Substanz Reserpin, werfen international Fachleute Fragen nach der Sinnhaftigkeit eines Dopings mit dem Langzeitsedativum auf.

Im Falle eines Schuldspruchs steht Jonathan Paget eine zweijährige Sperre bevor - zudem würde ihm sein Sieg in Burghley aberkannt, und auch die Chance auf den mit 350.000 USD dotierten Rolex Grand Slam wäre dahin.i © Kate Houghton/FEI
Für Jonathan Paget steht viel auf dem Spiel: Im Falle eines Schuldspruchs steht dem neuseeländischen Vielseitigkeitsstar eine zweijährige Sperre bevor, die eine Teilnahme an den Weltreiterspielen 2014 verhindert, zudem würde ihm sein Sieg in Burghley aberkannt, und auch die Chance auf den mit 350.000 USD dotierten Rolex Grand Slam wäre dahin.
© Kate Houghton/FEI
Neben Jonathan Pagets Burghley- und Badminton-Siegerpferd Clifton Promise wurde auch Clifton Pinot, das Pferd des Australiers Kevin McNab, positiv auf Reserpin getestet. Beide Pferde stehen im Besitz von Frances Stead, einer ehemalige Vielseitigkeitsreiterin und treibenden Kraft des neuseeländischen Vielseitigkeitsstalls Clifton Eventers.

In einem ersten Schritt haben sowohl Jonathan Paget als auch Kevin McNab noch am Tag der Bekanntmachung eine Öffnung der B-Probe beantragt. Sie soll Gewissheit über die Korrektheit der ersten Auswertung geben. Bis dieses Ergebnis vorliegt, sind beide Reiter gemäß FEI-Reglement für sämtliche Bewerbe gesperrt - sollte die B-Probe den positiven Befund bestätigen und die anschließende Anhörung vor dem FEI-Tribunal zu einem Schuldspruch führen, droht beiden ein zweijährige Sperre.

Sowohl Clifton Stables als auch Paget und McNab beteuern, den Pferden zu keiner Zeit die verbotene Substanz verabreicht zu haben. Man könne sich schlicht nicht erklären, wie das Mittel in den Blutkreis der Tiere gelangt sei. Diese Reaktion ist nicht weiter verwunderlich, zumal der Einsatz von Reserpin bei einem Top-Level-Vielseitigkeitspferd in der Tat wenig sinnvoll ist. Das pflanzliche Alkaloid wird im Pferdebereich vor allem als Langzeitsedativum verwendet, kommt aber aufgrund seiner teils erheblichen Nebenwirkungen nur sehr selten zum Einsatz.

Den wohl einzigen positiven Effekt könnte das Beruhigungsmittel vermutlich auf die Dressurprüfung eines Eventers haben, aufgrund seiner Langzeitwirkung würde es jedoch im Gegenzug die Leistung des Vielseitigkeitspferdes im Gelände und im Parcours beeinträchtigen, wo explosvie Schnell- und Sprungkraft gefragt sind. Denkbar ungünstige Voraussetzungen für eine schwere Vielseitigkeitsprüfung wie jene in Burghley…

Auch die Tatsachen, dass Reserpin erst nach Tagen seine volle Wirkung entfaltet, noch lange Zeit nach der Verabreichung nachwirkt und sich obendrein nur sehr langsam im Blutkreislauf abbaut, machen es nicht unbedingt zum idealen Doping-Kandidaten. Viele Fachleute, Fans und ReiterkollegInnen sind deshalb von Pagets Unschuld überzeugt.

„Wir haben hier ein Pferd, das fehlerfrei durchs Gelände kam, möglicherweise die härteste Geländestrecke der Welt, und er war obendrein auch noch sehr schnell. Das Letzte, an das man zur Leistungssteigerung denken würde, wäre ein Sedativum. Das ergibt einfach keinen Sinn“, sagte Besitzerin Frances Stead im Interview mit Radio Live Sport. Schützenhilfe erhält die ehemalige Vielseitigkeitsreiterin von Andrew Nicholson (NZL), dem aktuell Führenden der prestigeträchtigen FEI HSBC-Serie und Zweitplatzierten hinter Paget in Burghley: „Er (Jonathan Paget Anm.) ist sehr offenherzig, sehr ernsthaft in dem, was er tut, aber auch sehr aufrichtig. Auf gar keinen Fall glaube ich daran, dass er hingegangenen ist und wissentlich diese Substanz verabreicht hat - dabei wäre ich ein großer Nutznießer, für den Fall, dass sich auch die B-Probe als positiv erweisen sollte.“

Quelle

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