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05.04.2017

Reiten ohne Pferd: Die Hobbyhorse Revolution

Steckenpferdreiten ist Kinderkram? Von wegen! In Finnland und Schweden hat sich rund um das hölzerne Ross eine Trendsportart entwickelt, die eine immer größere Fangemeinde begeistert und offizielle Turniere ausrichtet: Hobbyhorsing.

Hobbyhorsing, ein Sport, der in Finnland und Schweden vor allem von jungen Mädchen ausgeübt wird, erfordert gymnastisches Geschick und Athletik - und eine gute Kontrolle über das Steckenpferd zwischen den Beinen. © Tuffi Films | Stefan Bremer
Hobbyhorsing, ein Sport, der in Finnland und Schweden vor allem von jungen Mädchen ausgeübt wird, erfordert gymnastisches Geschick und Athletik - und eine gute Kontrolle über das Steckenpferd zwischen den Beinen.
© Tuffi Films | Stefan Bremer
Hobbyhorsing heißt ein skandinavischer Trend, der vor allem in Finnland und Schweden tausende Anhänger hat. Bei Dressur- und Springturnieren treten Kinder und Jugendliche im sportlichen Wettkampf gegeneinander an - vor den Augen zahlreicher begeisterter Zuseher, strenger Richter – und ganz ohne Pferd.  Zumindest ohne das vierbeinige Exemplar aus Fleisch und Blut. Denn ein Steckenpferd hat jeder mit dabei. Mit ihm werden herausfordernde Hindernisparcours gesprungen, Lektionen der hohen Schule in höchster Perfektion gezeigt oder anspruchsvolle Choreografien in Formation geritten. Das erfordert Takt- und Rhythmusgefühl, Körperkontrolle und Athletik. Manche Hindernisse reichen den Kindern bis zur Brust. Da bedarf es schon reichlich Sprungkraft, damit alle Stangen liegen bleiben. Wer sich hier am besten schlägt, wird am Ende mit einer echten Turnierschleife belohnt und darf die Ehrenrunde anführen.
Die Steckenpferd-Fangemeinde wächst rasant. In Finnland und Schweden haben sich bereits über 16.000 begeisterte Fans dem ungewöhnlichen Hobby verschrieben. © Tuffi Films | Stefan Bremer
Die Steckenpferd-Fangemeinde wächst rasant. In Finnland und Schweden haben sich bereits über 16.000 begeisterte Fans dem ungewöhnlichen Hobby verschrieben.
© Tuffi Films | Stefan Bremer
Die Steckenpferde sind dabei mehr als bloßes Sportgerät. Wie ihre wiehernden Verwandten haben sie individuelle Namen und natürlich auch ihre ganz eigene Identität. Und wie im echten Reitsport sind auch die Hobbyhorses spezialisiert. Während das eine sein Talent im Springen zur vollen Entfaltung bringt, glänzt das andere in der Dressur. Deshalb haben passionierte Hobbyhorse-Reiterinnen nicht nur einen hölzernen Sportpartner, sondern gleich einen ganzen Stall voll. Die werden in liebervoller Detailarbeit teilweise selbst hergestellt, gehegt und gepflegt und zu Hause in eigens angefertigten Boxen artgerecht untergebracht.

Der Sport ist inzwischen so beliebt, dass der Gebrauchthandel mit Steckenpferden unter den tausenden Hobbyhorse-Accounts auf Instagram regelrecht floriert. Nicht selten erzielen Steckenpferde erfolgreicher Reiterinnen Preise von bis zu 160 Euro.
Passionierte Steckenpferdreiterinnen investieren viel Zeit, Geld und Leidenschaft in ihr Hobby und kämpfen um Anerkennung und gegen Vorurteile. © Tuffi Films | Stefan Bremer
Passionierte Steckenpferdreiterinnen investieren viel Zeit, Geld und Leidenschaft in ihr Hobby und kämpfen um Anerkennung und gegen Vorurteile.
© Tuffi Films | Stefan Bremer

Die Steckenpferd-Revolution

Von vielen außerhalb der Szene milde belächelt, ist Hobbyhorsing für seine jungen Fans ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. In Finnland, das mit über 10.000 Aktiven zum Zentrum des Steckenpferdreitens geworden ist, hat der Trend eine Art Subkultur entstehen lassen. In sozialen Netzwerken haben sich die Kinder und Jugendlichen organisiert um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und gegen Vorurteile anzukämpfen.

Ihrem Ringen um Anerkennung hat Regisseurin Selma Vilhunen einen Dokumentarfilm gewidmet. The Hobby Horse Revolution erzählt die Geschichte dreier finnischer Teennager, die mithilfe ihres ungewöhnlichen Hobbys ihren Willen zur Selbstbestimmung und ihr Talent entdecken und auf diese Weise lernen, ihre Alltagssorgen zu bewältigen. Auf gefühlvolle und humorvolle Art stellt der Film, der letzten März den Grand Prix des nationalen Wettbewerbs beim Filmfestival im finnischen Tampere gewann, die Frage ab wann man zu alt ist, um sich unbeschwert zu amüsieren.

ps