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04.11.2016

Reiterhand: Die 10 häufigsten Fehler und ihre Folgen

Die Reiterhände spielen im Orchester der Hilfengebung eine entscheidende Rolle. Dennoch kommt es gerade hier zu vielen Fehlern, die Pferd und Reiter ein harmonisches Miteinander erschweren - wenn nicht sogar unmöglich machen. Die zehn häufigsten Fehler, und welche Folgen sie fürs Pferd haben, beschreibt der französische Cadre-Noir-Reiter und Buchautor Guillaume Henry.

Der korrekte Gebrauch der Reiterhände ist ein entscheidener Baustein im harmonischen Miteinander zwischen Pferd und Reiter. © www.slawik.com
Der korrekte Gebrauch der Reiterhände ist ein entscheidener Baustein im harmonischen Miteinander zwischen Pferd und Reiter.
© www.slawik.com
Die Hand ist ein komplexes Werkzeug, das das gesamte Können des Reiters offenbart. Eine präzise und gefühlvoll einwirkende Hand macht gutes Reiten erst möglich, schlechte Hände haben hingegen stets schlechtes Reiten zur Folge. So entscheidend die Rolle der Reiterhand für die Qualität der Reitpferdeausbildung ist, so fehleranfällig ist der Mensch in diesem Bereich, wie der nachfolgende Überblick der verbreitetsten Handfehler zeigt:

1. Falsche Daumenlage, offene Zügelfaust

Wenn der Daumen falsch liegt (sprich, wenn er den Zügel nicht auf den Zeigefinger drückt), verlieren die Zügel das eingestellte Maß und verlängern sich ungewollt. Als Folge droht eine unpräzise Zügeleinwirkung. Versucht der Reiter das Herausrutschen durch ein krampfhaftes Schließen der Faust zu verhindern, sind feine Zügelhilfen nicht mehr möglich. Dieselben Auswirkungen hat es auch, wenn der Reiter die Zügel aus dem Wunsch heraus, besonders sanft einzuwirken, nur mit zwei oder drei Fingern hält. Statt dem angestrebten feinen Reiten stehen Ungenauigkeit und Wackelkontakt auf der Tagesordnung.
Richtig: Der Daumen fixiert dachförmig nach oben geknickt den Zügel auf dem Zeigefinger. © www.slawik.com
Richtig: Der Daumen fixiert dachförmig nach oben geknickt den Zügel auf dem Zeigefinger. Auf diese Weise wird ein Durchrutschen der Leinen verhindert und einer festen Hand sowie einem verkrampften Oberarm vorgebeugt.
© www.slawik.com

2. Fingernägel nach unten, Hände nach innen gedreht - verdeckte Fäuste

Dieser Fehler, der sehr häufig zu sehen ist, verhindert eine gefühlvolle Einwirkung, weil er „Hilfen aus dem Arm“ anstelle von „Hilfen aus dem Handgelenk“ zur Folge hat. Die Ellenbogen werden abgespreizt, die Schultern fallen nach vorn und verschließen die Brust, der Kopf folgt der Bewegung der Schultern, der Blick geht nach unten, der Sitz neigt dazu nach hinten zu verrutschen.
verdeckte Fäuste Zügel Fehler © www.slawik.com
© www.slawik.com

3. Fingernägel nach unten, Handgelenke nach unten gedreht

Bei dieser fehlerhaften Haltung zieht oder drückt der Reiter nach unten, wobei er mit seinen Händen das Gewicht auf der Pferdemaul verlagert.

4. Durchgedrückte Handgelenke

Diese Haltung ist oft das Ergebnis steifer Schultern, Ober- und Unterarme. Das Handgelenk ist steif und der Reiter nicht in der Lage, mit dem Pferdemaul mitzugehen, was zu grober Einwirkung führt.
Korrekte und falsche Handhaltung im Überblick © Marine Oussedik/CadmosVerla g
Korrekte und falsche Handhaltung im Überblick
© Marine Oussedik/CadmosVerla g

5. Zu hohe Hände

Der Reiter wirkt mit Kraft ein, die Hand steht nicht still und ist damit hart. Er kontrolliert nur Kopf und Hals seines Pferdes, nicht aber die Schultern.

6. Zu tiefe Hände

In diesem Fall neigt der Reiter dazu, die Zügel nach unten oder zu seinem Körper zu führen, die Arme sind angespannt und die Ellbogen steif. Allgemein fällt der Reiter auch nach vorn und setzt seine Schenkel nur wenig oder falsche ein auf dem Zirkel hat das Pferd oft die Tendenz, sich auf den inneren Zügel zu legen.

7. Ein Zügel ist kürzer als der andere

In diesem Fall neigt der Reiter dazu, mit einem Zügel stärker einzuwirken, als mit dem anderen und ganz allgemein mit der Hand zurückzugehen. Dadurch entsteht auf einer Seite des Pferdemauls mehr Druck als auf der anderen, was eine ausgeprägte Schiefe beim Pferd zur Folge haben kann.

8. Hände gehen nicht mit dem Pferdemaul mit

Die logische Konsequenz dieses Problems ist eine steife Hand, die das Pferd nicht nur zur Widersetzlichkeit verleitet, sondern auch ein Lösen des Vierbeiners massiv erschwert. Zusammengezogen und eingeschränkt, verliert das Pferd die Lust, verspannt und entzieht sich. Leichtigkeit ist unter diesen Voraussetzungen ausgeschlossen.

9. Unruhige Hände

Das Gegenteil der unflexiblen Hand ist die Unruhige. Sie wirkt unklar, grob und unbeabsichtigt ein, kommt im falschen Moment an und verursacht zahlreiche Stöße im Pferdemaul, die zu Verspannungen und Angst führen.

10. Übertriebenes Mitgehen

Auch, wer das Begleiten des Pferdemauls mit den Händen übertreibt, handelt sich langfristig Probleme ein. Durch die exaltierten Bewegungen von Hand und Schultern geht der Kontakt zeitweise verloren, die Hilfen erreichen das Pferdemaul dadurch nicht. Die oft damit verbundene Unruhe im Reitersitz verursacht zudem beim Pferd Gleichgewichtsprobleme und Verwirrung.

Abgesehen von den genannten Fehlern gibt es eine Menge Kombinationen: steife, gerade oder offene Ellenbogen, verkrampfte Arme, zu weit zurück- oder vorgenommene Schultern bzw. ein steifer Schulterbereich und vieles mehr. Begründet liegen sie alle auf der Steifheit eines oder mehrerer Gelenke und führen immer dazu, dass sich das Pferd widersetzt, denn sie stellen sich dem Schwung und der natürlichen Bewegung der Vorhand entgehen.

Wer seine Fehler erst einmal erkannt hat, kann sich an deren Beseitigung machen. Dafür eignen sich gezielte Lockerungsübungen die am Boden oder auf dem Pferd durchgeführt werden können. Und natürlich wirkt sich eine gute Sitzschulung mit dem Ziel eines geschmeidigen zügelunabhängigen Sitzes auf dem Pferderücken immer auch positiv auf die Reiterhand aus.

Guillaume Henry/ps
Feine Reiterhand Guillaume Henry © Cadmos
© Cadmos

Buchtipp

Die feine Reiterhand
Schritt fu?r Schritt zu mehr Verständnis

Guillaume Henry, Cadmos Verlag
80 Seiten, 75 farbige Abbildungen, Klappbroschur
UVP 14,95 Euro
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In diesem Leitfaden verdeutlicht Cadre-Noir-Reiter Guillaume Herny nicht nur, wie der Reiter Hilfen mit der Hand geben soll, sondern auch warum. Schritt für Schritt wird das Verständnis für den Partner unter dem Sattel vertieft und die Auswirkungen der reiterlichen Einwirkung auf das Pferd erklärt. Der französische Reitausbilder geht dabei auf die Beschaffenheit des Pferdemauls ebenso ein, wie auf die Vemrittlung essenziellen Grundlagenwissens. Viele Abbildungen und Beispiele verdeutlichen den sanften Einsatz der Hände.

Guillaume Henry ist Reitausbilder und erhielt seine Ausbildung am Cadre Noir in Saumur. Als
Fachredakteur zu den Themen Pferd und Reiterei teilt er seine Zeit auf zwischen dem Schreiben und
der praktischen Arbeit im Sattel. Eine Vielzahl von Artikeln über technische und historische Aspekte
der Reiterei sind von ihm veröffentlicht worden.
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