Array ( [2000] => Home [2005] => Nachrichten [1011] => Marktkurzinfos [1026] => Marktanalysen [1016] => Reportagen [1044] => Über Uns [1046] => Das Team [1045] => Mediadaten [2021] => Impressum [2022] => AGB )
05.08.2012

Saudis top, Weltmeister flop

Einen sensationellen Zwischenstand gibt es zur Halbzeit des Olympischen Mannschaftsbewerbes im Springreiten. Alle drei Medaillengewinner der letzten Weltmeisterschaft in Lexington blieben nämlich auf der Strecke und müssen im Finale zusehen: Für Deutschland reichte es nur zu Platz 10, die Franzosen und Belgier belegten die Ränge 12 und 13! In Führung das Überraschungsteam von Saudi-Arabien, das im strömenden Regen dreimal ohne Abwurf blieb.

Ein überraschendes Aus für Janne-Friederike Meyer mit Lambrasco und ihr Weltmeisterteam gab es zur Halbzeit des Mannschaftsbewerbes. © Pferderevue
Ein überraschendes Aus für Janne-Friederike Meyer mit Lambrasco und ihr Weltmeisterteam gab es zur Halbzeit des Mannschaftsbewerbes.
© Pferderevue
Dabei schien es zu Beginn ein „Startnummernrennen“ zu werden, denn die ersten sieben Teams mussten am Vormittag bei strömenden Regen in den Parcours mit den 13 Hindernissen, die allesamt Londoner Sehenswürdigkeiten präsentierten. Eine Beschreibung aller Sprünge mit Fotos gibt es hier.
Maikel van der Vleuten blieb mit Verdi auch über der Themse ohne Fehler. © Pferderevue
Maikel van der Vleuten blieb mit Verdi auch über der Themse ohne Fehler.
© Pferderevue
Aber sowohl die Reiter aus Saudi-Arabien als auch die solche Wetterbedingungen gewohnten Briten behielten die Übersicht: Dreimal ohne Abwurf und nur ein Zeitfehler bedeuteten für Prinz Abdullah Al Saud und seine Kollegen am Ende die überraschende Führung mit nur einem einzigen Punkt am Konto. Aber auch Nick Skelton (Big Star) und der Vorjahres-Linz-Sieger Ben Maher (Tripple X) kamen souverän über alle Klippen, ausgerechnet am letzten Sprung patzte dann Scott Brash mit Hello Sanctos. Bei der Nachmittags-Session konnte aber auch keine einzige Mannschaft trotz strahlendem Sonnenschein drei Reiter ohne Fehler ins Ziel bringen. Ausgerechnet die Underdogs trumpften hier auf: Die Niederlande mit einem souveränen Marc Houtzager (der Lebensgefährte von Julia Kayser hält mit seinem Tamino auch im Einzel noch bei Null) und dem jungen Maikel van der Vleuten, die Schweden mit ebenfalls zwei Nuller durch Beerbaum-Schüler Henrik von Eckermann (Allerdings) und Europameister Ralf-Goran Bengtsson (Casall) und die tollen Schweizer mit einem beeindruckenden Olympiadebüt von Paul Estermann (Castlefield Eclipse). Diese drei Teams liegen nun ex aequo mit den Hausherren zur Halbzeit des Bewerbes auf Platz 2. Weitergekommen sind auch die Brasilianer, die durch den Ausfall ihres vierten Reiters gehandicapt waren, sowie die USA und Kanada (aus deren Equipe das Pferd Victor von Tiffany Foster wegen Hypersensivität nachträglich disqualifiziert wurde).
Wo das Geld zu Hause ist: Prinz Abdullah al Saud auf Davos blieb im Regen fehlerfrei. © Tomas Holcbecher
Wo das Geld zu Hause ist: Prinz Abdullah al Saud auf Davos blieb im Regen fehlerfrei.
© Tomas Holcbecher
Großes Wehklagen hingegen bei den Franzosen, die als Mitfavoriten für Gold gehandelt wurden, aber ohne Nullrunde gab es hier kein Weiterkommen. Und solch ein Nuller fehlte auch der deutschen Equipe: Marcus Ehning (scheiterte wie in Aachen 2006 ausgerechnet wieder an der Mauer), Janne-Friederike Meyer und Christian Ahlmann mussten jeweils einen Abwurf hinnehmen, das war zu wenig und damit prolongierte das schwarz-rot-goldene Team ihre Olympiapechsträhne! Überraschend die Aussage von Pius Schwizer, der sich gestern mit einer souveränen fehlerfreien Runde rehabilitierte, über die Weltmeister: „Die Deutschen haben nicht investiert in Pferde und Reiter, Mannschaften wie Saudi-Arabien jedoch schon, darum haben die auch bessere Ergebnisse heute!“
Der Schweizer Paul Estermann und Castlefield Eclipse auf den Spuren der Beatles. © Pferderevue
Der Schweizer Paul Estermann und Castlefield Eclipse auf den Spuren der Beatles.
© Pferderevue
Mittlerweile gibt es auch die Startzeit von Victoria Max-Theurer und Augustin im Grand Prix Special am Dienstag: 12:28 Ortszeit als letzte Reiterin der zweiten Gruppe.

Einmal durchschnaufen

Ein paar schöne entspannende Stunden haben sich Victoria Max-Theurer und Renate Voglsang nach einem nervenaufreibenden Dressur-Grand-Prix wirklich verdient. Vici nutzte sie zu einem kleinen Einkaufsbummel mit ihrem Trainer Wolfram Wittig in der Idylle von Greenwich an der Themse. Renate kann die Tage hier ohne weiteren Druck genießen, derzeit hat sie noch ein wenig Stress für ihre Eltern für die restlichen Bewerbe Eintrittskarten aufzutreiben. Nach den tollen Ritten der englischen Dressur-Reiter keine leichte Aufhabe, denn bei Medaillenentscheidungen will man hier in London natürlich dabei sein. Im TV läuft bei mir gerade die Live-Übertragung der Leichtathletikbewerbe mit dreimal Gold für das Team GB – die Kommentatoren sind heiser, das Bier in den Pubs fließt.


Wesentlich ernster waren die Szenen, die sich gestern vor dem Greenwich Park zugetragen hatten. Ein Dutzend regierungskritischer syrischer Demonstranten hatte nämlich gegen den Start ihres Springreiters Ahmad Saber Hamcho bei den Olympischen Spielen protestiert. Hamcho äußerste sich zuvor in britischen Zeitungen positiv über seinen umstrittenen Präsidenten Assad und verteidigte dessen militärische Aktionen mit den Worten, dass Assad die Syrer "lediglich vor Typen mit Waffen" beschütze. Während der 19-jährige als einziger syrischer Olympiaspringreiter mit Wonderboy im Stadion eine Runde ohne Springfehler hinlegte, verteilten die Protestierer Flugblätter mit der Aufschrift „Freiheit für Syrien“. Hamchos Vater Muhamed war aufgrund seines Nahverhältnisses zu Assad bereits vor längerer Zeit von der EU mit einem Einreiseverbot belegt worden. Der in London lebende Reiter verweigerte später alle Fragen mit politischem Hintergrund. Heute erübrigte sich übrigens die Diskussion um ihn: Mit 29 Strafpunkten verabschiedete sich das Paar aus der Konkurrenz!
Vici mit Trainer Wolfram Wittig beim Shoppen vor Cutty Sark. © Victoria Max-Theurer
Vici mit Trainer Wolfram Wittig beim Shoppen vor Cutty Sark.
© Victoria Max-Theurer
Im Stadion spielte die Blasmusik, davor wurde protestiert. © Ernst Kopica
Im Stadion spielte die Blasmusik, davor wurde protestiert.
© Ernst Kopica
Passier Skyscraper
  • Passier  Passier