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16.09.2015

Schluss mit der Furcht: Lernmethoden zur Angstbewältigung im Vergleich

Ein bunter Schirm, eine raschelnde Plane, ein lautes Geräusch - Pferde fürchten sich vor vielen Dingen. Wie Ihr Pferd seine Angst am schnellsten verliert, lesen Sie hier.

Fluchttier: Wie Pferde auf beängstigende Situationen reagieren ist entscheidend für die Sicherheit von Mensch und Tier. © www.tierfotoagentur.de
Fluchttier: Wie Pferde auf beängstigende Situationen reagieren ist entscheidend für die Sicherheit von Mensch und Tier.
© www.tierfotoagentur.de
Als Fluchttiere sind Pferde sehr empfänglich für äußere Reize. Auf Unvorhergesehenes blitzschnell reagieren zu können ist eine clevere Einrichtung der Natur, die das Überleben des einstigen Beutetiers über viele Jahrtausende hinweg gesichert hat. Im Zusammenleben mit dem Menschen ist diese Eigenschaft allerdings häufiger Quell für Probleme. Denn obwohl das Leben des Pferdes heute in den seltensten Fällen bedroht ist, ist die Schreckhaftigkeit im Wesen der Vierbeiner nach wie vor fest verankert. Was sie so unangenehm macht: Vielfach sind es Dinge, die dem Menschen völlig harmlos erscheinen, beim Pferd jedoch die Alarmglocken schrillen lassen. Und ein panisches Pferd wird für sich und seinen Umwelt schnell zum Sicherheitsrisiko.

Einer dieser für Pferdebesitzer schwer nachvollziehbaren Angstauslöser ist Plastik. Wenn’s raschelt, knistert oder flattert, schmeißen viele Pferde die Nerven. Im Handumdrehen wird eine Plastikplane zum Höllenschlund, ein Baustellenabsperrband zur todbringenden Viper und eine flatternde Silo-Folie zum pferdefressenden Monster.

Die Angst vor dem Polymer sitzt vielen Pferden tief in den Knochen – außer, der Mensch widmet sich ihr in einem eingehenden Training. Welche Methode zur Angstbewältigung bei Pferden die effektivste ist, hat ein Team dänischer und schwedischer Forscher in einer Studie untersucht.
Durch gewissenhafte Vorbereitung auf angsteinflößende Situationen lassen sich unschöne Szenen wie diese vermeiden. © www.slawik.com
Durch gewissenhafte Vorbereitung auf angsteinflößende Situationen lassen sich unschöne Szenen wie diese vermeiden.
© www.slawik.com

Drei Methoden, ein klarer Gewinner

In ihrem Versuch konfrontierten die Wissenschaftler 26 dänische Warmbluthengste im Alter von zwei Jahren mit einem weißen Plastiksack. Um einen Vergleich zwischen den drei Lernmethoden – klassische Gewöhnung, allmähliche Gewöhnung, und assoziatives Lernen – anstellen zu können, wurden die Tiere in drei Gruppen aufgeteilt. In Gruppe eins wurden die Pferde wiederholt dem vollen Reiz (klassische Gewöhnung) ausgesetzt, bis sie das gewünschte gelassene Verhalten an den Tag legten.

Etwas anders gingen die Forscher in Gruppe zwei (allmähliche Gewöhnung) vor. Hier wurden die Pferde schrittweise an das Stück Plastik gewöhnt, indem man die Bewegungsintensität des Sackerls erst nach und nach auf das volle Maß steigerte und jeweils nur dann den nächsten Schritt verlangte, wenn die Pferde zuvor ruhig geblieben waren.

Assoziatives Lernen stand in Gruppe drei auf dem Programm. Bei dieser Form des Lernens wird eine Verbindung zwischen einem neutralen Reiz und einem zweiten Stimulus herstellt – das Gehirn speichert ab, dass bestimmte Ereignisse zusammengehören. Bekanntestes Beispiel für assoziatives Lernen ist der Pawlowsche Hund, dem beim Klang einer Glocke das Wasser im Maul zusammenlief, weil sie das Signal für das bald zu erwartende Futter gab. Im Falle der Junghengste wurde Futter direkt auf dem Plastiksack platziert, um eine positive Assoziation mit dem Stück Kunststoff zu erzeugen. Erst hernach wurden die Pferde dem vollen Reiz ausgesetzt.

Anhand von Herzschlagmessungen, gezeigtem Verhalten und Erfolgsrate wurde die Effektivität der einzelnen Methoden bewertet. Dabei ging die allmähliche Gewöhnung, bei der die Pferde nach und nach an den Angstauslöser herangeführt wurden, als klarer Sieger hervor. Alle Pferde der Kontrollgruppe zwei konnten innerhalb des Experiments erfolgreich an das Stück Plastik gewöhnt werden. Auch wenn es für die Pferde zumindest in der ersten Trainingseinheit keinerlei Unterschiede machte, ob die Konfrontation mit dem Plastik gleich in vollem Ausmaß oder nur wenig stattfand, wie die Herzschlagmessungen zeigten, waren bei der schrittweisen Gewöhnung insgesamt weniger Trainingseinheiten nötig um dem Gegenstand mit Gelassenheit zu begegnen als in den beiden anderen Gruppen.

„Unsere Ergebnisse haben gezeigt, dass eine allmähliche Gewöhnung die effektivste und zugleich sanfteste Methode ist, Pferden beizubringen in Angstsituationen ruhig zu bleiben. Es hat sich auch gezeigt, dass alle Pferde, die mit dieser Methode trainiert wurden, erfolgreich an den Gegenstand gewöhnt werden konnten, während es in den anderen beiden Gruppen vereinzelt Tiere gab, die das gesteckte Ziel nicht innerhalb des Experiments erreicht haben“, so das Fazit der Forscher.

Als die am wenigsten erfolgreiche Methode zur Angstbewältigung stellte sich übrigens das assoziative Lernen heraus. Trotzdem Futter als starker Anreiz gilt, zeigten drei Pferde aus Gruppe drei auch am Ende des Experiments weiterhin deutliches Abwehrverhalten gegenüber dem sich bewegenden Plastiksack. Insgesamt dauerte der Gewöhnungseffekt auch deutlich länger als bei den beiden anderen Lernmethoden. „Die Ergebnisse unserer Forschung legen den Schluss nahe, dass die Verwendung von Futter beim Gelassenheitstraining als wenig effizient anzusehen ist“, so Versuchsleiterin Janne Winther Christensen.
Besonders sensible Pferde sprechen gut auf eine schrittweise Gewöhnung an. © www.slawik.com
Besonders sensible Pferde sprechen gut auf eine schrittweise Gewöhnung an.
© www.slawik.com

Ängstlichkeit und ihr Einfluss auf den Trainingserfolg

Was sich außerdem während der Versuchsreihe zeigte: Pferde, die während der ersten Trainingseinheit mit starker Abwehr auf den Stimulus reagierten, brauchten insgesamt weitaus mehr Zeit, bis sich der gewünschte Trainingserfolg einstellte. Interessanterweise trafen diese Beobachtungen nicht auf die Pferde der Versuchsgruppe zwei zu. Christensen und ihr Team deuten dies als Hinweis darauf, dass besonders sensible Pferde von der schonenden Herangehensweise der allmählichen Gewöhnung profitieren.

Und noch eine bemerkenswerte Entdeckung machten die Forscher: Bei Pferden, die sich bis zum Ende des Experiments vor dem Plastik fürchteten, schien die Angst mit Fortschreiten des Trainings eher zu- als abzunehmen. Das Risiko echte Phobien beim Pferd zu erzeugen macht die Wahl einer passenden und schonenden Trainingsmethode gerade bei schreckhaften Pferden ganz besonders entscheidend“, so die dänische Verhaltensforscherin.

Wenn Sie mit ihrem Pferd also an seiner Gelassenheit üben, seinen sie sicher, dass sie die richtige Technik im Gepäck haben, damit am Ende aus einer kleinen Unsicherheit nicht eine Heidenangst wird.
 
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