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30.01.2017

Schnee und Eis: Was tun mit dem Pferd bei schlechten Bodenverhältnissen?

Gefrorene Böden, keine Reithalle und keine Idee, wie man das Pferd bei Laune hält? Wenn sich im Winter wegen anhaltenden Dauerfrosts der Frust breit macht, ist Kreativität gefragt. Lesen Sie hier, wie Sie Ihr Pferd auch bei schlechten Bodenverhältnissen bei Laune halten.

Mit etwas Kreativität lässt sich das Pferd auch im Winter abwechslungsreich bespaßen. © www.slawik.com
Mit etwas Kreativität lässt sich das Pferd auch im Winter abwechslungsreich bespaßen.
© www.slawik.com
Als hallenloser Pferdebsitzer hat man es in den Wintermonaten nicht immer leicht. Ganz besonders dann nicht, wenn, wie in den vergangenen Wochen, strenger Frost die Böden pickelhart gefrieren lässt und fürs Training mit dem Pferd nicht gerade einladend macht. Wer sein Pferd unter diesen Bedingungen bei Laune halten will, muss Kreativität beweisen, damit das Pferd auch trotz widriger Bedingungen fit und ausgeglichen bleibt. Ein paar Anregungen gibt es hier:

Zeit für Basisarbeit

Bleibt Ihr Pferd nicht gerne stehen, hat es Angst vor Plastikplanen und Flatterbändern oder macht es Probleme beim Hufschmied? Dann bietet sich genau jetzt die perfekte Gelegenheit, diese Dinge in Angriff zu nehmen. Auch wenn das Gehorsamstraining für das Pferd körperlich nicht anstrengend ist – seine grauen Zellen bringt dieses Training allemal in Schwung, und Sie können sich im Frühjahr über Ihr braves Pferd freuen. Zum Gehorsams- und Geschicklichkeitstraining zählt auch der besonders unter den WesternreiterInnen beliebte Trail. Trailtraining an der Hand und im Sattel bedarf keiner speziell guten Bodenverhältnisse und ist damit bestens geeignet für kalte Wintertage. Die langsame, aber konzentrierte Arbeit an Hindernissen wie dem Tor, der Brücke oder dem Stangen-L ist nicht nur nützlich, sondern bringt Pferd und ReiterIn auch eine Menge Spaß.
Denkspiele sind bei wirklich jedem Wetter möglich und bringen die grauen Zellen Ihres Pferdes auf Trab. © www.slawik.com
Denkspiele sind bei wirklich jedem Wetter möglich und bringen die grauen Zellen Ihres Pferdes auf Trab.
© www.slawik.com

Training für schlaue Köpfe

Dass körperliche Ertüchtigung wichtig für Pferde ist, um gesund und fit zu bleiben, ist hinlänglich bekannt. Doch die Vierbeiner bestehen nicht nur aus Muskeln, Sehnen und Knochen. Sie haben auch ein Gehirn - und das will ebenso beschäftigt werden. Wenn also die äußeren Bedingungen eine ausgeprägtes Reittraining unmöglich machen, helfen ansprechende Denkspiele gegen gähnende Langeweile beim Pferd. Im Prinzip kann Denksport mit jedem Pferd betrieben werden. Grundvoraussetzung dafür ist, dass das Pferd nicht überfordert wird und der Spaß an der Sache im Vordergrund steht. Als Denksportaufgaben eignen sich allerlei Kunststücke. Pferde können lernen, durch Reifen zu steigen, auf Wippen zu balancieren, aus Flaschen zu „trinken“, Fußball zu spielen und vieles mehr. Ob und welche Kunststückchen Spaß machen, ist eher Geschmackssache. Hauptsache ist dabei, dass der Mensch mit positiver Motivation arbeitet und das Pferd nach anfänglicher Hilfestellung selbst herausfinden lässt, was es tun könnte, um sich die nächste Belohnung zu verdienen. Nur dann ist das Denken des Pferdes auch wirklich gefordert. Fünf Übungen zum Ausbprobieren finden Sie hier.

Stretching für Pferde

Zirzensische Lektionen bieten sich perfekt für das Winterfitnessprogramm Ihres Pferdes an. Selbst wenn Sie noch keine Erfahrung mit diesem Bereich haben, können Sie auch im Alleingang eine ganze Menge mit Ihrem Pferd erarbeiten. Unterstützung finden Neulinge in den zahlreichen Büchern und Videos, die mittlerweile zu diesem Thema erhältlich sind.
Zirkuslektion Kompliment Winter Schnee Bodenarbeit © Ramona Richter/Tierfotoagentur.de
© Ramona Richter/Tierfotoagentur.de
Um von Zirkuslektionen zu profitieren, muss Ihr Pferd Kompliment, Plié und Co nicht in Perfektion beherrschen. Schon allein die vorbereitenden Dehnungsübungen helfen ihm, die Wintersteifheit loszuwerden und seine Mobilität zu erhalten. Allerings sollten sich sich nicht ohne Vorbereitung an Zirkuslektionen wagen: Die großen Dehnungen, die bei zirzensischen Lektionen stattfinden, bedürfen eines ausreichend aufgewärmten Pferdekörpers. Zumindest zwanzig Minuten im flotten Schritt und sanfte Dehnungsübungen helfen, Bänder und Muskulatur auf bevorstehende Anforderungen optimal vorzubereiten.

Arbeit an der Hand

Wenn Sie Ihr Pferd gerne dressurmäßig fördern möchten, schlechte Bodenverhältnisse das übliche Dressurtraining unter dem Sattel aber nicht zulassen, ist die klassische Arbeit an der Hand das Mittel der Wahl. Seitengänge wie Schulterherein, Renvers oder Travers lassen sich praktisch überall erarbeiten, selbst Forststraßen und Wiesenwege sind dafür geeignet. Neben der optimalen Gymnastizierung der einzelnen Muskelgruppen fördert das Training an der Hand im Gelände auch die Konzentrationsfähigkeit Ihres Pferdes. Spätestens beim Trab an der Hand wird nicht nur Ihr Pferd, sondern auch Sie selbst auf Touren kommen.

Als Variation der Handarbeit bietet sich das Fahren vom Boden aus an, das in seiner weiterentwickelten Form in der klassischen Arbeit am Langen Zügel mündet. Sie stellt eine neue Herausforderung an die Kommunikation, die Position knapp hinter dem Pferd verlangt eine sehr präzise Hilfengebung und eine sehr feine Kommunikation zwischen Pferd und AusbilderIn. Sämtliche Lektionen der Dressur sind auf diesem Weg zu erarbeiten – ausreichend Trainingspotential für mehrere Winter. Ein derart vorbereitetes Pferd eignet sich obendrein ausgezeichnet für das besonders in Schweden und Norwegen beliebte Skikjöring.
Unterm Jahr wird der so wichtigen Schrittarbeit oft zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ein Versäumnis, das sich im Winter gut beheben lässt. © www.slawik.com
Unterm Jahr wird der so wichtigen Schrittarbeit oft zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ein Versäumnis, das sich im Winter gut beheben lässt.
© www.slawik.com

Schrittarbeit

Der korrekten Schrittarbeit wird im täglichen Training häufig zu wenig Beachtung geschenkt. Die kalte Jahreszeit bietet eine ausgezeichnete Gelegenheit, um an Lektionen in dieser Gangart zu feilen. Das bewusste Reiten im Schritt fördert das Gefühl des Reiters und der Reiterin für die Bewegung seines/ ihres Pferdes, Raumgriff und Taktreinheit können so besser erfühlt und entwickelt werden. Seitengänge im Schritt fördern die Geraderichtung des Pferdes, Schenkel- und Zügelgehorsam werden verfeinert und bieten die optimale Basis für weiterführende Arbeit im Frühjahr. Für diese Arbeit bietet sich nicht nur das Viereck an. Verschneite Wege und Straßen sind ebenso zur Gymnastizierung und zum Üben der Seitengänge geeignet. Dies wird sich nach dem Winter doppelt bezahlt machen: Führt Ihr Pferd diese Lektionen selbst auf unebenem Boden sicher aus, wird es sich im nächsten Frühling im vertrauten Viereck umso leichter tun.

Im Gelände unterwegs

Selbst wenn der Reitplatz pickelhart gefroren ist, finden sich im Gelände oft immer noch Strecken, die durchaus gutes Geläuf bieten. Diese kann man entweder im Sattel oder zu Fuß mit dem Pferd erkunden. Die Variante mit dem Pferd an der Hand ist vor allem für ausgemachte Frostbeulen bei richtig kalten Temperaturen zu empfehlen. Das bringt nicht nur den Vierbeiner auf Touren, sondern auch den Zweibeiner. Abwechlsungsreicher wird der Spaziergang, wenn man immer wieder mal eine Joggingstrecke einbaut, gemeinsam kleine Hügel erklimmt oder über umgefallene Baumstämme kraxelt. Das hebt die Laune, gibt Muckis und fördert obendrein die Trittsicherheit.
Wenn der Reitplatzboden unbenutzbar ist finden sich oft im Gelände bessere Bedingungen. © www.slawik.com
Wenn der Reitplatzboden unbenutzbar ist finden sich oft im Gelände bessere Bedingungen.
© www.slawik.com
Die Möglichkeiten der Beschäftigung sind mannigfaltig und bringen jede Menge Licht in die Tristesse der dunklen Jahreszeit. Ihrer Phantasie sind bei der Wahl der Übungen praktisch keine Grenzen gesetzt – erlaubt ist, was Spaß macht. Für den Fall, dass das Wetter ein Training im Freien einmal gänzlich vereitelt, machen Sie es sich daheim mit einem guten Buch gemütlich. Am besten Einschlägiges aus dem Bereich der Pferdeliteratur.

ps
Gymnastizierende Arbeit an der Hand © Cadmos
© Cadmos

Buchtipp

Gymnastizierende Arbeit an der Hand
Schritt für Schritt zu Losgelassenheit und Selbstvertrauen

Oliver Hilberger
ISBN 978-3-86127-449-0
erhältllich über AV-Buch: bestellen

Dieses Buch führt Schritt für Schritt in die Grundlagen und ersten Lektionen vom Boden aus ein, die auch dazu dienen, die spätere Arbeit unter dem Sattel und die Schulung in schwierigeren Übungen deutlich leichter gestalten zu können.

Oliver Hilberger erläutert systematisch den Weg zur korrekten und spielerisch leichten Ausbildung des Pferdes vom Boden aus. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Beschreibung der Seitengänge, denen für die Gymnastizierung eine zentrale Rolle zukommt. Die Bilder lassen die schriftlichen Erläuterungen hervorragend nachvollziehen.
It"s Showtime © Cadmos
© Cadmos

Buchtipp

It’s Showtime
Zirkuslektionen: Lernspaß für Pferd und Mensch

Sylvia Czarnecki
ISBN 978-3-8404-1013-0
erhältlich über AV-Buch: bestellen

Ein Buch aus der Praxis für die Praxis: Die Autorin beschreibt auf der Grundlage des Lernverhaltens des Pferdes artgerechte Wege zur Erarbeitung von Lektionen wie Kompliment, Knien, Liegen, Sitzen und spanischer Schritt. Hierbei baut sie auf ihre jahrelange Erfahrung, statt einem starren Konzept zu folgen.

Sylvia Czarnecki hat mit ihrem Kaltblut vor Jahren ihre Leidenschaft für Zirkuslektionen und Tricktraining mit Pferden entdeckt. Sie gibt deutschlandweit Kurse zum Thema Zirkuslektionen und Clickertraining mit Pferden.
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