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13.08.2015

Sensations-Dressurgold für die Niederlande

Mit einem nicht erwarteten Ergebnis endete die erste Entscheidung der Reiter-EM in Aachen: Die Niederlande holten die Goldmedaille, die Briten (mit einem überraschend fehlerhaften Valegro) gewannen Silber und die hochfavorisierten Hausherren aus Deutschland musste sich mit Bronze begnügen. Für Österreichs Team reichte es mit Rang 9 (bei 18 Teams) zwar nicht zur Olympia-Quali, aber zwei wunderbare Ritte von Victoria Max-Theurer (10. mit Blind Date) und Astrid Neumayer (verpasste als 36. nur um einen halben Prozentpunkt den Spécial) konnten sich wirklich sehen lassen.

Niederlande überrascht mit Dressur-Gold! © Tomas Holcbecher
Niederlande überrascht mit Dressur-Gold!
© Tomas Holcbecher
Eines muss aber in aller Deutlichkeit festgehalten werden: Bei solchen Richtern macht das Dressurreiten auf Weltklasseniveau einfach keinen Spaß. Egal wie man zu dem Auftritt von Matthias Alexander Rath mit Totilas bei dieser EM steht (Expertenmeinungen sprachen davon, dass er nicht fit to compete gewesen sei, obwohl er den Vet-Check passiert hatte), diese Spanne in den Bewertungen der sieben Dressurexperten darf es bei einem großen Championat einfach nicht geben. So gab etwa Jean-Michel Roudier dem Rapphengst lediglich 71,600 %, während die Dänin Susanne Baarup und der Brite Andrew Ralph Gardner ihn mit 80,100 % werteten. Zum Vergleich die Noten des französischen Richters für seinen Landsmann Pierre Volla: 71,500 %, also gerade mal ein Zehntel weniger als für das "Millionenpferd". Nach ihrem eigenen Ritt am Vortag hatte Deutschlands Dressur-Grande-Dame Isabell Werth von einem "politischen Richten" gesprochen. Später hatte sie die Fassung wieder gewonnen und scherzte bei der Pressekonferenz: "Wir kamen mit dem Ziel Bronze zu gewinnen, denn dauernd Gold ist langweilig!" Sei's drum, in dieser Hinsicht hat der Weltreiterverband FEI dringenden Handlungsbedarf, Feuer ist auf dem Dach!
Isabell Werth macht gute Miene zum bösen Spiel, im Hintergrund ihre Sponsorin Madeleine Winter-Schulze. © Ernst Kopica
Isabell Werth macht gute Miene zum bösen Spiel, im Hintergrund ihre Sponsorin Madeleine Winter-Schulze.
© Ernst Kopica
Nicht betroffen von diesen Querelen waren die beiden österreichischen Reiterinnen am Tag 2 der Mannschaftsentscheidung. In der Bruthitze der Aachener Soers machten sie ihre Sache wirklich gut, wenngleich mit Rang 9 die Olympiaqualifikation am Ende um lediglich 1,2 Prozentpunkte verpasst wurde. Für Rio sind nunmehr aus Europa neben den drei Medaillengewinnern auch noch Spanien, Schweden und Frankreich startberechtigt.
Sorgte mit Totilas für Richter-Verwirrung: Matthias Alexander  Rath. © Ernst Kopica
Sorgte mit Totilas für Richter-Verwirrung: Matthias Alexander Rath.
© Ernst Kopica
Begonnen wurde der rot-weiß-rote Wettkampftag von Astrid Neumayer und man sah nach ihrem Auftritt auf ihrem Rubinstern Noir-Sohn Rodriguez 4 nur strahlende Gesichter. Die Oberösterreicherin sprach zwar nachher davon, dass sie beim Umziehen sehr, sehr nervös gewesen sei, als sie aber ins Viereck kam, war davon nichts mehr zu merken. Leider gelang die erste Piaffe – sonst eine ihrer Stärken – nicht so perfekt, aber dann ritt sie eine fehlerfreie, ausdrucksstarke Runde. Die sieben Richter honorierten ihre Leistung mit 69,386 %, bei der Note für den Sitz kamen aus den Richterhäuschen sogar zweimal die 8,0! Entsprechend glücklich plauderte sie im Interview, zuerst mit der Brandenburger Journalistin Christine Hormann (ihr Wallach stammt ja aus dem dortigen Zuchtgebiet), dann mit uns Österreichern: "Ein super Gefühl, ich hab ja nicht gewusst was auf mich zukommt. Er war gut zu reiten, er hat auf mich gewartet, was er sonst eigentlich nicht tut. Ich habe mich bemüht keine Fehler zu machen, bei der Piaffe dachte ich dann, schade. Aber als das Ergebnis kam und die Leute jubelten, dann war das schon toll."
Neumayer erfuhr ja erst relativ spät von ihrem Fixplatz für Aachen: "Aber nach den Ergebnissen von Hagen haben wir darauf hin trainiert. Die ganze Woche hier war wirklich gut und er war sehr lektionssicher, das war früher nicht immer so." Auch Trainer Günter Zach, der immer schon die Meinung vertrat, dass Rodriguez 4 ein tolles Pferd sei, war sehr zufrieden.

Die Team-Debütantin genoss den Rummel beim Interview: "Dieses Jahr hat Rodriguez den Durchbruch geschafft, ich reite ihn drei Jahre und er gehört meinem Lebensgefährten, der ihn als Jährling gekauft hatte. Früher ist er leider immer sehr gespannt gegangen. Aber die zwei Jahre Training mit Ulla Salzgeber haben sehr viel Anteil daran, dass es heute so gut klappte."
Konzentriert durchs Viereck, locker und gelöst im Galopp: Astrid Neumayer mit Rodriguez 4 bei ihrem EM-Ritt. © Tomas Holcbecher
Konzentriert durchs Viereck, locker und gelöst im Galopp: Astrid Neumayer mit Rodriguez 4 bei ihrem EM-Ritt.
© Tomas Holcbecher
Belohnung für Rodriguez nach einem wunderbaren Grand Prix von seiner überaus zufriedenen Reiterin Astrid Neumayer © Tomas Holcbecher
Belohnung für Rodriguez nach einem wunderbaren Grand Prix von seiner überaus zufriedenen Reiterin Astrid Neumayer
© Tomas Holcbecher
Astrid Neumayer strahlt mit ihren Eltern und Freund Julian. © Ernst Kopica
Astrid Neumayer strahlt mit ihren Eltern und Freund Julian.
© Ernst Kopica
Ein zufriedener Günter Zach mit seinem Schützling Astrid Neumayer. © Ernst Kopica
Ein zufriedener Günter Zach mit seinem Schützling Astrid Neumayer.
© Ernst Kopica
Und auch unsere Paradereiterin Vici Max-Theurer strahlte, denn das Championatsdebüt ihrer Breitling-W-Tochter Blind Date hätte nicht besser sein können. Mit 75,200 % kam sie gleichauf mit der deutschen Jessica von Bredow-Werndl (Unee BB) auf Platz 10 in der Einzelwertung und erreichte damit souverän den Grand Prix Spécial am Samstag. Was dort noch folgen kann, ist für die Achleitnerin  derzeit noch nicht im Fokus: "Vorerst bin ich einmal sehr, sehr zufrieden mit meiner Stute. Natürlich gibt es noch Sachen, die man eine Kleinigkeit besser machen kann und die wir trainieren. Aber es war für uns sehr, sehr warm und der Einritt ins Riesenstadion beeindruckt auch ziemlich. Als allererstes sieht man nämlich Fotografen und da muss man einmal vorbei!" Und das obwohl die 29-jährige österreichische Abonnementmeisterin über genügend internationale Erfahrung verfügt: "Mein Team hat mir dabei sehr geholfen, wir haben das Abreiten so kurz wie möglich gehalten und sind ziemlich knapp zum Einritt gekommen. Ich bin aber sehr, sehr zufrieden für das erste Mal in diesem Rahmen und muss das erst einmal verdauen, denn 75 % in dem Feld sind super. Jetzt kann ich entspannt in die Zukunft blicken und den Spécial reiten!"
Elegant und hoch erfolgreich: Vici Max-Theurer und ihre Blind Date © Tomas Holcbecher
Elegant und hoch erfolgreich: Vici Max-Theurer und ihre Blind Date
© Tomas Holcbecher
Dass Pferde keine Maschinen sind, bewies der gesamte, bis zum Schluss hochspannende Wettkampf. Denn kaum ein Paar kam fehlerfrei aus dem Viereck, selbst einem sonst so zuverlässigen Valegro unterliefen Kickser in den Einerwechseln. Und auch Edward Gal, der mit einem enorm gesteigerten Undercover als cooler Schlussreiter die Kastanien für die "Oranjes" auf dem Feuer holte, hatte auf der letzten Linie noch ein Hoppala zu überstehen.
Eine glückliche Vici mit Blind Date nach dem Mannschafts-GP. © Ernst Kopica
Eine glückliche Vici mit Blind Date nach dem Mannschafts-GP.
© Ernst Kopica

Medien und Zahlen

Über 800 Journalisten berichten von den Europameisterschaften in Aachen über die Leistungen von rund 420 Reitern, Fahrern und Voltigierern. Dazu kommen noch mehr als 200 TV-Mitarbeiter der deutschen Fernsehanstalten, die hier im Einsatz stehen. Mit den "bewegten Bildern" ist das hier in Aachen überhaupt so eine Sache. Bereits bei der Übernahme der Akkreditierungen mussten jeder "Pressemensch" eine Erklärung unterschreiben, in der er sich verpflichtete das Filmverbot einzuhalten. Im Original liest sich das so: "I am prohibited from recording, broadcasting or transmitting to record, broadcast or transmit from within or at the “Field of Play” at the Event venue (competition areas, warm-up areas, opening/closing ceremonies) by any means whatsoever (including, without limitation, radio, television, over the Internet or by way of mobile telephone or any other mobile device, modem or other form of technology or by way of any wireless service) any video or other moving images, sounds (including commentary) of the Event; and/or selling, licensing, distributing or otherwise publishing, disseminating or reproducing for any purpose (commercial or otherwise), whether in whole or in part, any recordings relating to any activity at any competition taken or made inside or at the“Field of Play” at the Event venue (including, without limitation, video recordings or sound recordings)."

Ob ich das alles verstanden habe, keine Ahnung! Juristischer Beistand wird auch im Reporterjob immer gefragter. Lediglich für das Filmen in sogenannten "non-rights holder zones" kann vom Veranstalter eine Genehmigung erteilt werden, allerdings darf dann selbst im Hintergrund nicht ein Fuzzerl vom Viereck oder Parcours zu sehen sein! Das Filmen der Bewerbe selbst bleibt ARD/ZDF, FEI-TV vorbehalten und zahlenden Fernsehanstalten vorbehalten! Aber ob sich da wirklich jeder an dieses Filmverbot hält? Rund um mich herum zückte jedermann sein i-Pad oder i-Phone, offensichtlich bin ich der Einzige hier, für den Vorschriften noch etwas wert sind.

Zu einem anderen Thema, nämlich zum Geld: Das Gesamtbudget für die EM beträgt 24 Millionen Euro, an Preisgeldern werden 1,76 Millionen ausgeschüttet. Weitere Zahlenspiele gefällig? 18.000 kg Hafer stehen bereit, die gleiche Menge Heu und 2.100 Ballen Stroh. 100 Hostessen kümmern sich um den VIP-Bereich, das Restaurant Rider's Club liegt gleich daneben. Mit 30 Euro ist der Preis für das Mittagsmenü auch nicht ohne, aber Media-Akkrditierungen beinhalten auch diesen Service. Verhungern werde ich also in Aachen nicht, dafür sorgt auch Wolfgang Pirker, der gestern zur launigen Grillparty am Campingplatz einlud. Käsekrainer, Koteletts, Bier und das Fußball-Derby Austria gegen Rapid über Satelliten-TV – es gibt auch ein Leben neben dem Reitsport!
Das Aachener Pressezentrum, wo es nächste Woche eng werden wird. © Ernst Kopica
Das Aachener Pressezentrum, wo es nächste Woche eng werden wird.
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Wer zahlt, darf nach links. © Ernst Kopica
Wer zahlt, darf nach links.
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