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04.10.2016

Silage fürs Pferd: Gute Alternative oder No-Go?

Das Thema Silage in der Pferdefütterung wird sehr kontrovers diskutiert. Für die einen ist sie ein wirtschaftliches, modernes Pferdefutter – für andere ein absolutes No-Go. Die Pros und Contras im Überblick.

Viele Pferde nehmen Silage gerne an, allerdings ist sie für das Verdauungssystem des Pferdes in vielerlei Hinsicht nicht optimal kompatibel. © www.slawik.com
Viele Pferde nehmen Silage gerne an, allerdings ist sie für das Verdauungssystem des Pferdes in vielerlei Hinsicht nicht optimal kompatibel.
© www.slawik.com
Die Schwierigkeit in der Pferdefütterung besteht grundsätzlich darin, ein Futtermittel mit hervorragenden sensorischen und hygienischen Eigenschaften (staub-, schimmel- und verschmutzungsfrei) zu erzeugen, das die gesamte Verdauung und den Stoffwechsel des Pferdes unterstützt. Vielfach ist die Forschung im Bereich der Tierernährung auf die landwirtschaftliche Produktion ausgerichtet, die Forschung für das Pferd spielt eine Nebenrolle. Deshalb ist die Datenlage in Fragen der Pferdeernährung häufig schlecht, Studien werden meist nicht unabhängig erstellt, sondern von Futtermittelfirmen beauftragt.

Langzeituntersuchungen im Bereich der Gesundheit, die beim Thema Silage besonders interessant wären, gibt es bislang nicht. Ein Grund dafür ist, dass landwirtschaftliche Nutztiere ihr biologisch mögliches Lebensalter bei weitem nicht erreichen. Rationen und Futtermittel werden hier so optimiert, dass Höchstleistungen in kürzester Zeit erzielt werden.

Im Gegensatz dazu soll das Pferd aber sein maximal mögliches Lebensalter erreichen und lange leistungsfähig sein. Deshalb ist es besonders wichtig, Pferde naturnah zu halten und zu füttern.

In Österreich ist Silage als Pferdefutter zwar noch weniger verbreitet als in einigen Nachbarländern – da die Heuqualität aber zunehmend häufig nicht den geforderten Ansprüchen genügt, sind Alternativen wie Silage von grundsätzlichem Interesse, auch wenn das notwendige Wissen darum nicht immer gegeben ist.

Optimal: gutes Heu

Heu guter, dem Pferd entsprechender Qualität ist uneingeschränkt ein hervorragendes Futtermittel für Pferde. Es liegt daher nahe, die positiven Eigenschaften des Heus heranzuziehen, um vergleichend zu beurteilen, ob die Fütterung von Silage pferdegerecht ist.

Heu ist mit dem Stoffwechsel der Pferde sehr kompatibel, es unterstützt die Verdauung und ist durch die perfekte Wasserspeicherung auch für Hochleistungspferde die erste Wahl. Es ist das einzige Futtermittel, das dem Pferd ad libitum (ohne Mengeneinschränkung) vorgelegt werden kann, wobei Energie- und Eiweißwerte natürlich dem Pferdetyp und den Anforderungen entsprechend gewählt werden müssen.

Durch den hohen Rohfasergehalt von Heu (ideal etwa 28 %) muss es vom Pferd intensiv zerkaut werden. Dabei entsteht um das Vielfache mehr an Speichel als beim Verzehr von Kraftfutter oder zu weichem Grundfutter. Der Speichel ist notwendig, um den Nahrungsbrei im Magen optimal mit Magensäure zu durchmischen. Außerdem enthält er Verdauungsenzyme und Pufferstoffe (Bicarbonate). Durch die Durchmischung mit der Magensäure kommt die mikrobielle Aktivität im Nahrungsbrei zum Stillstand, die sonst zu Fehlgärungen führen würde.

Heu bleibt nicht lange im Magen liegen und füllt nicht so stark wie rohfaserärmere Futtermittel (Kraftfutter). In den weiteren Darmabschnitten, vor allem im Dickdarm, kann durch die Struktur des Heus am effektivsten Wasser gespeichert werden, das dem Pferd bei Ausdauerleistungen zur Verfügung steht. Die dem Pferd entsprechende Bakterienflora wird gefördert. Sie wird zur Verdauung der Rohfaser und zur Synthese von Vitaminen benötigt.
Silage hat einen Trockensubstanzgehalt zwischen 25 und 50 Prozent. © www.slawik.com
Silage hat einen Trockensubstanzgehalt zwischen 25 und 50 Prozent.
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Grünfutterkonserve Silage

Fachlich gesehen ist Silage eine „Grünfutterkonserve“, haltbar gemacht durch Gärung. Das gemähte Gras wird im Produktionsprozess auf einen Trockensubstanzgehalt von 25 bis 50 % getrocknet, stark verdichtet und luftdicht (anaerob) abgeschlossen gelagert. Dabei kommt es zu einer gewünschten Milchsäuregärung. Bei einem pH-Wert um 4 kommt die Gärung zum Stillstand, es stellt sich ein stabiles Gleichgewicht ein. Ist die Silage zu feucht, setzen Fehlgärungen ein, die sich später neben der dunklen Farbe durch einen unangenehmen stechenden Geruch bemerkbar machen: Anstatt der Milchsäure treten die Propion- und Essigsäuregärung in den Vordergrund. Ist die Silage zu trocken, kommt kein Gärprozess in Gang, die Gefahr eines schnellen Verderbs ist gegeben.
Silageballen werden oft auf offenen Flächen gelagert - ein Plusunkt, den viele Landwirte schätzen. Von einer Dauerlagerung auf der Wiese ist allerdings abzuraten, da die Ballen leicht beschädigt werden können und dann verderben. © www.slawik.com
Silageballen werden oft auf offenen Flächen gelagert - ein Plusunkt, den viele Landwirte schätzen. Von einer Dauerlagerung auf der Wiese ist allerdings abzuraten, da die Ballen leicht beschädigt werden können und dann verderben.
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Hohe Sorgfalt notwendig

Grundvoraussetzung für eine Silage, die für Pferde bekömmlich ist, ist ein Pflanzenbestand, der mit dem einer Wiese für Pferdeheu identisch sein soll, was die Verteilung von Gräsern, Leguminosen und Kräutern und auch die Grassorten anbelangt. Nicht alle Gräser der Intensivlandwirtschaft sind für Pferde geeignet, da sie erhöhte Fruktangehalte aufweisen. Auch der Schnittzeitpunkt soll nahe der normalen Heuernte liegen.

Bei der Herstellung selbst gilt es einiges zu beachten, um das Risiko einer Verschmutzung und damit lebensbedrohlicher Erkrankungen zu vermeiden. Bereits vor der Vegetationsperiode muss die Wiese entsprechend vorbereitet werden, im Frühjahr muss sie abgeschleppt werden, um Maulwurfhügel einzuebnen und noch vorhandenen Wirtschaftsdünger zu zerkleinern, damit er von den Pflanzen aufgenommen werden kann bzw. damit die Silage frei von Erde und Mist ist. Für das Mähen muss die Wiese absolut abgetrocknet sein, die Schnitthöhe darf nicht unter 5 cm liegen. Durch diese beiden Maßnahmen ist gewährleistet, dass keine Erde in das Erntegut eingebracht wird. Im Gegensatz zum Heu, bei dem die Erde durch die Bearbeitung wieder herausgeschüttelt würde, bleibt sie in der Silage haften und kann zur Kontamination mit unerwünschten Bakterien (Clostridien, Listerien) führen, die dramatisch enden kann.

Vor allem das Bakterium Clostridium Botulinum ist gefürchtet. Üblicherweise wird es mit Tierkadavern in Verbindung gebracht, die übersehen wurden. Dieses Bakterium kommt jedoch auch gehäuft in Erde vor, unter Luftabschluss (wie ja bei Silage gegeben) bildet es hoch gefährliche Toxine. Mit Erde verschmutzte Silage kann deshalb zu Botulismus führen, die betroffenen Tiere sind meist nicht zu retten.

Der Einsatz von Hühnermist als Dünger ist unbedingt zu vermeiden, er ist häufig mit Clostridien kontaminiert. Durch Listerien können Fohlen gefährdet sein (fieberhafte Septikämien = Gesamtinfektion des Organismus), bei erwachsenen Pferden können sie durch Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute zentralnervöse Störungen und bei trächtigen Stuten Aborte hervorrufen.

Silage für Pferde darf nicht so kurz geschnitten werden wie für Rinder, die Struktur sollte deutlich länger als sechs Zentimeter sein. Durch die relative Länge des Schnittgutes wird es schwieriger, das Erntegut so fest wie möglich zu verdichten, um die Luft herauszudrücken. Es ist deshalb mit den höchstmöglichen Pressdrücken zu arbeiten, am besten bei einsetzender Taubildung am Abend. Die Ballen sind siebenfach mit Folie zu umwickeln und sorgfältig zu lagern, um zu verhindern, dass die Außenhülle verletzt wird.

Aus all dem geht schon hervor, dass die Gewinnung von Silage für die Pferdefütterung Aufgabe von Spezialisten ist und sehr sorgfältig durchgeführt werden muss. Auch die Verfütterung muss unter Bedachtnahme auf den hygienischen Zustand erfolgen: Ein geöffneter Silageballen muss, je nach Jahreszeit, innerhalb von zwei bis vier Tagen verfüttert werden, um Fehlgärungen und Schimmelbildung zu vermeiden. Für Kleinbetriebe ist es daher kaum möglich, Silage in der Fütterung einzusetzen. Ein üblicher Siloballen wiegt etwa 700 kg und soll in zwei Tagen verfüttert werden, was nur Betrieben mit mindestens 20 Pferden gelingt. Es können auch kleinere Ballen gepresst werden, dabei stellt sich aber die Frage der Wirtschaftlichkeit.

Begriffe auf einen Blick

Gras: Aufwuchs einer Wiese, bestehend aus Gräsern, Kräutern und Leguminosen, Trockensubstanzgehalt ~ 12 %
Heu: Getrocknetes Gras, meist erzeugt durch Sonnentrocknung auf der Wiese, bei Ernte (z. B. Pressen) muss der Trockensubstanzgehalt über 85 % (Feuchtegehalt unter 15 %) liegen. Das Heu trocknet durch Fermentation sechs bis acht Wochen nach der Ernte nach. Der Trockensubstanzgehalt liegt dann über 90 %.
Silage: Konservierung von Gras durch Milchsäuregärung unter Luftabschluss – Trockensubstanzgehalt zwischen 25 und 50 %; sobald Luft zutritt, nur mehr begrenzt haltbar.
Heulage: Sonderform der Silage mit erhöhtem Trockensubstanzgehalt zwischen 50 und 70 % Trockensubstanz (TS): Verdampft man die flüssigen Bestandteile eines Futtermittels (Wasserentzug), bleibt die Trockensubstanz zurück. Generell sind nur Futtermittel mit mindestens 90 % Trockensubstanz dauerhaft lagerfähig.

Geringer Nährstoffverlust

Silage bringt als größten Vorteil zunächst Erleichterungen in der Futtererzeugung mit sich und mindert das Witterungsrisiko stark: Silage kann bei trockener Witterung und entsprechender maschineller Ausstattung (Mähwerk mit Aufbereiter) innerhalb eines Tages hergestellt werden. Im Gegensatz dazu benötigt die Heuproduktion zumindest drei Tage. Dies ist ein wesentlicher Grund für den Siegeszug der Silage in der Landwirtschaft. Aus der raschen Verarbeitung lassen sich folgende Vorteile ableiten: Durch die kurze Feldzeit wird das gemähte Gras mechanisch nicht stark beansprucht. Nach dem Mähen wird das Gras nur einmal gewendet, geschwadet und anschließend gepresst, die Nährstoffverluste können dadurch sehr gering gehalten werden.

Im Gegensatz dazu wird das Heu jeden Tag zweimal gewendet und am dritten Tag zusätzlich geschwadet und gepresst. Dabei wird das Heu wesentlich trockener als die Silage. Es kommt bei den beschriebenen Arbeitsvorgängen deshalb zum Abrieb von feinen Pflanzenteilen, verbunden mit Nährstoffverlusten.

Für Pferde erzeugte Silage mit ähnlichem Schnittzeitpunkt und Rohfasergehalt wie Heu weist deshalb zwischen 5 und 20 % höhere Werte für Energie und Eiweiß auf als das entsprechende Heu. Vitamine, die in der grünen Pflanze vorhanden sind, werden im Heu schlecht gespeichert (Vitamine A, E), in der Silage hingegen gut.

Umgekehrt verhält es sich mit dem Vitamin D, dessen Gehalt im sonnengetrockneten Heu am höchsten ist. Die Giftpflanze Hahnenfuß baut bei der Trocknung im Heu ihre Giftstoffe ab, in der Silage bleiben sie erhalten.
Ist ein Silageballen erst einmal geöffnet, muss er, je nach Jahreszeit, innerhalb von zwei bis vier Tagen verfüttert werden, um Fehlgärungen und Schimmelbildung zu vermeiden. Für Kleinbetriebe ist die Fütterung von Silage deshalb kaum geeig © www.slawik.com
Ist ein Silageballen erst einmal geöffnet, muss er je nach Jahreszeit innerhalb von zwei bis vier Tagen verfüttert werden, um Fehlgärungen und Schimmelbildung zu vermeiden. Für Kleinbetriebe ist die Fütterung von Silage deshalb kaum geeignet.
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Vom Vorteil zum Nachteil

Der Vorteil der grundsätzlich perfekten Konservierung mit geringen Nährstoffverlusten kann für das Pferd, das besser mit Mangel als mit Überfluss zurechtkommt, allerdings zum Nachteil werden. Für übergewichtige, stoffwechsellabile Pferde und Pferde mit wenig Arbeitsleistung besteht sehr schnell die Gefahr, überfüttert zu werden. Reduziert man die Futtermenge, erhält das Pferd allerdings nicht mehr genügend Rohfaser, die auch für das Funktionieren der gesamten Verdauung notwendig ist. Daneben werden durch zu kurze Fresszeiten Verhaltensstörungen gefördert.

Aber auch für Pferde mit hoher Arbeitsleistung birgt die Silagefütterung Gefahren: Vergleicht man beispielsweise den Stoffwechsel eines Hochleistungsmilchrindes mit dem eines Hochleistungspferdes ergibt sich ein gewaltiger Unterschied: Ein Rind kann das Fünffache seines Erhaltungsbedarfes in Energie umsetzen, ein Pferd nur das Zweifache.

Pferde, die klassische, relativ feuchte Silage erhalten, büßen bei stärkerer Belastung an Leistungsfähigkeit ein. Neben der Gefahr einer Stoffwechselentgleisung durch die Änderung der Mikroorganismenstruktur im Darm ist die Verstoffwechselung, ähnlich wie bei reiner Grasfütterung, energieaufwendiger. Die Pferde schwitzen wesentlich schneller und stärker.

Bei Fütterung von Silage ist der Stoffwechsel durch die vermehrt notwendige Abpufferung des sauren ph-Wertes grundsätzlich stärker gefordert. Diese Stoffwechselthematik ist die eigentliche Gretchenfrage, nämlich ob ein Hauptfuttermittel, das stark anders auf die Verdauung wirkt als die natürlichen Futtermittel (Gras, Heu), langfristig gesund ist.

Die konsequente Ansäuerung des Dünn- und Dickdarms bleibt nicht ohne negative Folgen für den Pferdekörper. Durch den sauren pH-Wert werden lebensnotwendige Darmsymbionten abgetötet. Dieser Vorgang setzt Giftstoffe frei, die von der Leber abgebaut werden müssen.  Gleichzeitig besiedeln Milchsäurebakterien den Pferdedarm in großer Zahl, die bei der Verstoffwechselung von Proteinen und Kohlenhydraten Milchsäure freisetzen. Damit diese zur Energiegewinnung genutzt werden kann, muss sie der Pferdekörper zunächst jedoch erst umwandeln. Ein Vorgang, für den er weit mehr Energie aufwenden muss als es bei der Fütterung von Heu der Fall wäre.

Milchsäure, die nicht verstoffwechselt wird, lagert der Pferdeorganismus im Bindegewebe ein – zusammen mit Lymphflüssigkeit. Übersäuerte Pferde wirken optisch rund und gut genährt, sind in Wahrheit aber oft einfach nur lymphatisch aufgeschwemmt, weil der Körper versucht, der Gewebeübersäuerung entgegenzuwirken.

Für seine Bemühungen, den sauren pH-Wert auszugleichen, benötigt der Körper verschiedene Mineralstoffe und Spurenelemente. Hält die Übersäuerung an, sind Mangelerscheinungen die logische Konsequenz, die in weiterer Folge Verspannungen und Muskelverkrampfungen nach sich ziehen können. Zudem beeinflusst ein Überangebot von Milchsäurebakterien auch die Vitaminversorgung negativ, da sie keine B- und K-Vitamine liefern und das Pferd mit der Zeit in einen Vitaminmangelzustand drängen.

Heulage

In der Pferdehaltung wird meist die sogenannte Heulage eingesetzt. Sie hat einen Trockensubstanzgehalt von 50 % und mehr. Die optimalen Trockensubstanzgehalte für Pferdesilage werden von der Fachwelt nicht einheitlich gesehen, so spricht Prof. Dr. Manfred Coenen (Tiho Hannover, Uni Leipzig) von 40 bis 50 % Trockensubstanz für Pferdesilage, das DLR Westpfalz (Deutsches Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum) von 55 bis 60 %. Trotz dieser unterschiedlichen Aussagen wird von sehr trockenen Heulagen (60 % und mehr TS) generell abgeraten, da es hier zu einer negativen Keimbesiedlung und Instabilität kommen kann. Durch die Verwendung moderner Ballenpressen kann während des Pressvorganges der Anteil der Trockensubstanz kontinuierlich festgestellt werden. Primär ist allerdings zunächst der Rohfasergehalt des zu mähenden Grases wichtig, er sollte zwischen 25 und 28 % liegen. Darüber wird die Milchsäuregärung zu stark eingeschränkt, da sie bei weichen, rohfaserarmen Material am besten abläuft. Es ist deshalb nicht möglich, einwandfreie Silage mit sehr alten Pflanzenbeständen zu erzeugen – ein weiterer Grund, wieso Silage im Vergleich zu Heu immer ein nährstoff- und eiweißhaltiges Futtermittel ist. Einige fachliche Fragen hierzu sind erst unzureichend erforscht. Es dürfte z. B. bei angenommen gleichem Proteingehalt von Heu und Silage eine unterschiedliche Aufnahme und Verfügbarkeit der einzelnen Aminosäuren geben.
Heulage, auch als „Gärheu“ bezeichnet, hat einem höheren Trockensubstanzgehalt als Silage. © www.slawik.com
Heulage, auch als „Gärheu“ bezeichnet, hat einem höheren Trockensubstanzgehalt als Silage.
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Fazit

Wird Silage bzw. Heulage als Pferdefutter eingesetzt, ist sehr viel Know-how und Sorgfalt bei der Erzeugung notwendig. Die Produktionskette muss perfekt auf das Pferd abgestimmt sein. Treten Verdauungsprobleme auf, ist die vorgelegte Silage häufig nicht für Pferde geeignet.

Aufgrund der geringen Nährstoffverluste bei der Herstellung von Silage/ Heulage entspricht sie in Bezug auf Energiedichte und Eiweißgehalt zumindest Heu hervorragender Qualität. Für übergewichtige Pferde, Pferde extensiver Rassen und Pferde mit geringer Arbeitsanforderung ist Silage daher ungeeignet. Die klassische Rindersilage ist aufgrund ihres geringen Rohfasergehalts und der hohen Energie- und Eiweißwerte überhaupt nicht für die Pferdefütterung geeignet. Eine Kombination mit Heu ist in der Rationsgestaltung generell sinnvoll, der Einsatz von zusätzlichen Kraftfuttermitteln muss jedoch ernsthaft hinterfragt werden.

Auf keinen Fall sollten zu trockener Heulage melassehaltige Futtermittel vorgelegt werden, da Heulage häufig einen erhöhten Gehalt an Restzucker aufweist. Stauballergikern oder Pferden mit dauerhaft geschädigtem Respirationstrakt kann die praktisch staubfreie Silage Erleichterung verschaffen.

Das Restrisiko, an Botulismus zu erkranken, kann bei eigener Produktion minimiert werden. Fachlich gesehen, ist und bleibt gutes Pferdeheu jedoch das Futtermittel erster Wahl, um ein Pferd gesund und leistungsfähig zu erhalten. Der beste Standard in der Grundfutterproduktion für Pferde ist sonnengetrocknetes Heu mit der Möglichkeit zur künstlichen Endtrocknung. Sind gute Heuqualitäten aber nicht verfügbar, sind die Vor- und Nachteile der Alternative Heulage/Silage gründlich abzuwägen.

DI Dr. Peter Zechner/ps
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Dieser Artikel von DI Dr. Peter Zechner wurde erstmals in Ausgabe 11/2015 der Pferderevue veröffentlicht. Pferderevue AbonnentInnen können diese Artikel zusammen mit über 40.000 weiteren in unserem Online-Archiv kostenlos nachlesen. Einfach unter Service/Online-Archiv einloggen und in allen Heften aus 25 Jahren Pferderevue zum Nulltarif blättern!

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