Array ( [2000] => Home [2005] => Nachrichten [1011] => Marktkurzinfos [1026] => Marktanalysen [1016] => Reportagen [1044] => Über Uns [1046] => Das Team [1045] => Mediadaten [2021] => Impressum [2022] => AGB )
16.01.2017

Soring: Neues Gesetz soll Pferdetortur beenden

Die US-amerikanische Tennesse-Walking-Horse-Showszene steht seit Jahren wegen tierquälerischer Trainingsmethoden unter Beschuss. Ein am Freitag veröffentlichtes Gesetz könnte diesen in Zukunft endgültig eine Riegel vorschieben.

Mit dicken, gewichtigen Blöcken unter den Hufen werden Tennessse Walking Horse Showpferde dazu gezwungen die Vorderbeine in exaltierten Bewegungen hochzureißen. © APHIS/Todd Behre
Mit dicken, gewichtigen Blöcken unter den Hufen werden Tennessse Walking Horse Showpferde dazu gezwungen die Vorderbeine in exaltierten Bewegungen hochzureißen.
© APHIS/Todd Behre
Tennessee Walking Horses sind in den USA beliebte Showpferde. Ihre „Spezialität“: der sogenannte Big Lick – eine weit ausholende, exaltierte Aktion der Vorhand. Was amerikanische Fans zu Begeisterungsstürmen und Jubelschreie hinreißt, trifft außerhalb der USA weitläufig auf Unverständnis. Die übertriebenen Bewegungen wirken unnatürlich, konstruiert und entartet. Dass von Menschenhand extra nachgeholfen werden muss, um Pferden einen derartigen Bewegungslauf abzufordern, ist wenig überraschend. Tatsächlich wird im Training tief in die Trickkiste gegriffen, damit das Strampeln möglichst spektakuläre Ausmaße annimmt. Und vielfach sind die Methoden der Trainer hochgradig tierquälerisch.

Horse-Soring: Vielseitige Pferdequal

So werden etwa Pferdebeine und –hufe durch mechanische und chemische Anwendungen bewusst bis aufs Äußerste schmerzlich gereizt, mit dem Ziel, noch übertriebenere Bewegungen zu erzwingen. Horse-Soring heißt diese Art der missbräuchlichen Manipulation. Zwar ist sie seit den 1970er Jahren durch den sogenannten Horse Protection Act verboten, dennoch haben findige Pferdetrainer in den vergangenen Jahrzehnten eine Vielfalt hochgradig tierquälerischer Methoden entwickelt, um die Show weiter voranzutreiben.

Doch das Leid der Tennesse Walking Showpferde könnte schon bald ein für alle Mal ein Ende haben. Am Freitag veröffentlichte das US-amerikanische Landwirtschaftsministerium ein wegweisendes Gesetz, das den Horse Protection Act um einige wichtige Zusätze erweitert. So sollen künftig die dicken, keilförmigen Holz- oder Gummiplatten, die Showpferden an die Pferdehufe genagelt werden um ihren Gang zu verstärken ebenso als verboten gelten, wie die bislang weithin eingesetzten Metallketten an den Fesseln der Pferde.

Zudem wird die Ausbildung, Überwachung und Lizenzierung von Stewards der Tennessee Walking Horse Szene künftig von Offiziellen des Landwirtschaftsministeriums durchgeführt werden, nachdem sich die Selbstkontrolle innerhalb der Branche als unwirksam herausgestellt hat.
In seinem natürlichen Gang zeigt das Tennessee Walking Horses je nach Veranlagung eine mehr oder weniger ausdrucksvolle Knieaktion. Mit dem auf US-amerikanischen Shows präsentierten"Big Lick" hat diese aber kaum etwas gemeinsam. © www.slawik.com
In seinem natürlichen Gang zeigt das Tennessee Walking Horses je nach Veranlagung eine mehr oder weniger ausdrucksvolle Knieaktion. Mit dem auf US-amerikanischen Shows präsentierten"Big Lick" hat diese aber kaum etwas gemeinsam.
© www.slawik.com

Erfolg für den Tierschutz

Unter Pferdefreunden und Tierschützern wird das neue Gesetz als großer Erfolg angesehen. Sie werten es als Schlag ins Gesicht für all jene, die vom langjährigen Missbrauch der Pferde profitiert hätten.

„Die Art und Weise, wie wir unsere Tiere behandeln, spiegelt unsere Charakter wider“, sagte Tennessees Vertreter im Repräsentantenhaus, Steve Cohen. „Über meine gesamte Karriere hinweg, sowohl als Senator als auch als Mitglied des Kongresses, habe ich mich dafür eingesetzt das Bewusstsein für tierverachtende Praktiken zu schärfen und sie zu bekämpfen. Und Horse-Soring gehört wahrlich zu den Schlimmsten.“

Ins selbe Horn stößt Joeseph Tydings, ehemaliger Senator des Bundestaates Maryland und geistiger Vater des Horse Protection Acts von 1970: “Diese Methoden führen dazu, dass gehorsame, vertrauensvolle Pferde Tag für Tag gefoltert werden, viele von ihnen bleiben nach ihren Tagen als Showpferd für den Rest ihres Lebens verkrüppelt."

Szene reagiert mit Unverständnis

Wenig Einsehen haben indes eingefleischte Show-Fans und Pferdebesitzer. Das zeigen die Reaktionen, die sich unter der Online-Meldung zur Gesetzesänderung auf der Ministeriumswebseite innerhalb kürzerster Zeit nach deren Veröffentlichung ansammelten.

„Ich wehre mich eindringlich gegen die Regelung, die Platten in Zukunft zu verbieten“, machte sich etwa eine Userin über die Kommentarfunktion Luft. „Niemand will zu einer Pferdeshow gehen, um ein Trailpferd zu sehen. Wir wollen schöne Showpferde sehen!“

Ein anderer User, der angab Tierarzt zu sein, meinte, dass auch er nicht notwendigerweise gegen die Anwendung derlei Trainingsausrüstung sei. „Die Anwendungen von Platten, Gewichten, Gummibändern und Ketten automatisch mit Soring in Verbindung zu bringen, ist schlichtweg falsch“, schrieb er. „Nur weil Personen, die Soring betreiben, sie falsch verwenden, sind diese Gegenstände nicht per se schlecht. Diese Menschen sind einfach schlechte Trainer.“

Das Paradebeispiel für einen solchen „schlechten Trainer“ sorgte 2012 international für Aufsehen. Der bekannten Ausbilder Jacki McConnell, ein in der Szene hoch angesehener Hall of Famer, hatte ihm anvertraute Pferde mit tierquälerischen Praktiken unerträglichen Ausmaßes systematisch gefoltert und missbraucht. Ein im öffentlichen Fernsehen gezeigtes Enthüllungsvideo brachte schonungslos die ganze Abscheulichkeit der professionellen Trainingsszene ans Licht und sorgte unter Pferdefreunden und Tierschützern weltweit für Fassungslosigkeit und Entsetzen. In einem international viel beachteten Prozess wurde McConnell schließlich zu drei Jahren Bewährung und 75.000 Dollar Strafe verurteilt. Ein mildes Urteil, wären doch eine Strafe von bis zu 250.000 US-Dollar und fünf Jahre Gefängnis möglich gewesen.

Die 1,4 Milliarden schwere Tennesse-Walking-Horse-Indurstrie geriet nach diesem Prozess zunehmend unter Beschuss. Langjährige Sponsoren wie der internationale Soft-Drink-Hersteller zogen ihre Unterstützung zurück, verdeckte Ermittlungen der US-amerikanischen Tierschutzorganisation Humane Society of the United States (HSUS) führten zu Haftstrafen, lebenslangen Sperren und hohen Geldstrafen. Dennoch konnte den Verstößen gegen geltendes Recht weiterhin kein Riegel vorgeschoben werden. Ein Prüfbericht der HSUS aus dem Jahr 2015 enthüllte, dass immer noch bei gut 14 Prozent der kontrollierten Showpferden gegen den Horse Protection Act verstoßen wurde. Bleibt zu hoffen, dass die neuen Gesetzesänderungen daran endlich etwas ändern.

Quelle/ps
Passier Skyscraper
  • Passier  Passier