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05.07.2016

Springreiten: Tipps für unsichere Pferde

Vertrauen zwischen Pferd und Reiter ist beim Springreiten ganz besonders wichtig. Doch was tun, wenn das Pferd seine Sicherheit am Sprung verloren hat? Mit diesen Übungen stellen Sie die Harmonie wieder her.

Gegenseitiges Vertrauen ist eine wichtige Grundvoraussetzung beim Springreiten – dann macht’s ReiterIn und Pferd auch richtig Spaß! © www.slawik.com
Gegenseitiges Vertrauen ist eine wichtige Grundvoraussetzung beim Springreiten – dann macht’s ReiterIn und Pferd auch richtig Spaß!
© www.slawik.com
Hat ein Pferd das Vertrauen beim Springen verloren, ist Ursachenforschung angesagt. Erst wenn der Auslöser identifiziert ist, kann man individuell an die Problemlösung herangehen. Körperliche Ursachen wie Schmerzen und Unbehagen sind nicht selten verantwortlich für einen plötzlichen Vertrauensverlust. Aber auch ein Mangel an Durchlässigkeit und Rittigkeit ist häufig dafür verantwortlich, dass es im Parcours nicht (mehr) klappt. In diesem Fall heißt es vorerst Abschied von den Stangen zu nehmen und sich eingehend der Dressurarbeit zu widmen.

Fehlt es dem Pferd an Losgelassenheit, Takt und – für Springreiter besonders wichtig – Rhythmus, machen sich Defizite beim Springen schnell bemerkbar: Distanzen können nicht korrekt geritten werden, und das Pferd kann nicht schnell genug auf die Hilfen des Reiters reagieren – mit dem Resultat: ein unsicheres Pferd und/oder ein unsicherer Reiter. Mängel in der dressurmäßigen Arbeit lassen sich im Parcours nur schwer kaschieren, denn bereits Taktfehler haben Konsequenzen. Die Punkte der Skala der Ausbildung gelten deshalb auch beim Springreiten wo sie, wie in der Dressur, nahtlos ineinander übergehen: ohne korrekte Arbeit an Takt, Losgelassenheit, Anlehnung und Schwung keine Durchlässigkeit. Keine Durchlässigkeit – kein harmonisches Springen!

Sind Durchlässigkeit und Rittigkeit des Pferdes sichergestellt, kann man – je nach Problem – zu verschiedenen Springgymnastikmethoden übergehen, um dem Pferd wieder Sicherheit und Vertrauen zu geben. Die häufigsten Probleme und mögliche Lösungen:

Das Pferd stürmt auf den Sprung zu

Zuerst durch dressurmäßige Übungen die Rittigkeit des Pferdes überprüfen. Kontrolle im Parcours hat der Reiter nur dann, wenn das Pferd durchlässig ist. Zu Beginn kann man die dressurmäßige Gymnastizierung auf den Springplatz verlegen, bis sich das Pferd nicht mehr beim bloßen Anblick von Sprüngen verspannt. Lässt sich das Pferd locker und durchlässig am Springplatz neben und zwischen den Hindernissen reiten, kann man beginnen, Bodenstangen und/oder Cavaletti mit ins Training einzubauen.

In dieser Phase sollte der Reiter gar nicht das Springen im Kopf haben, sondern beim Darübergaloppieren eher an einen großen Galoppsprung denken, der eben zufällig über eine Stange geritten wird. Lässt sich das Pferd kontrolliert über Bodenstangen reiten, dann darf man einzelne Sprünge ins Auge fassen. Mit einem heftigen Pferd sollte immer aus dem Trab begonnen werden. Das Tempo wird durch halbe Paraden unter Kontrolle gehalten. 10 bis 15 m vor dem Sprung beginnt die kritische Phase des Anreitens.

Beginnt das Pferd schon hier, sich den Hilfen zu entziehen und davonzueilen, sollte man in einem flachen Winkel abwenden und das Pferd in Ruhe wieder an die Hilfen stellen.

Wichtig: Niemals das Pferd in eine enge, kleine Tour quälen, um die Kontrolle wiederzuerlangen! Das Pferd wird sich nur noch mehr entziehen wollen und vielleicht das Tempo noch mehr erhöhen (weil es auch noch das Gleichgewicht verliert) – was die Verletzungs- und Sturzgefahr erhöht. Ist das Pferd wieder gut an den Hilfen und unter Kontrolle, kann man einen erneuten Versuch wagen.

Erst wenn das Anreiten aus dem Trab sicher gelingt, geht man zur Galopparbeit über. Auch hier gilt: Entzieht sich das Pferd durch Davonstürmen auch nur im Ansatz den Hilfen des Reiters, heißt es abwenden, durchparieren und die Kontrolle wieder herstellen. Ziel ist es, solche Pferde auch nur wenige Meter vor dem Hindernis mit feinen Hilfen zum Halten parieren zu können.
Erst wenn Bodenstangen und Cavalettis ruhig überwunden werden können, sollten richtige Sprünge ins Auge gefasst werden. © www.slawik.com
Erst wenn Bodenstangen und Cavalettis ruhig überwunden werden können, sollten richtige Sprünge ins Auge gefasst werden.
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Das Pferd stürmt nach dem Hindernis davon

Auch hier gilt: Bevor man an die Korrektur beim Springen geht, ist die Überprüfung von Losgelassenheit und Durchlässigkeit oberstes Gebot. Eine Hindernisreihe vom Ausgang der Reitbahn/Reithalle weg und auf die Bande zu, ist für solche Pferde eine gute Übung – natürlich mit ausreichend Platz zur Bande, um nach dem letzten Sprung mehrere Galoppsprünge gerade reiten zu können. Dieser optische Trick hat meist eine bremsende Wirkung auf ein heftiges Pferd.

Begonnen wird aus dem Trab – am besten mit einer Vorlegstange (Abstand etwa 2,50 m für Großpferde). Wird das Pferd bereits in der Reihe schneller, kann man versuchen, mit beruhigenden Worten einzugreifen. Auf keinen Fall sollte man versuchen das Stürmen durch heftiges Ziehen am Zügel zu verhindern. Stattdessen empfiehlt es sich, nach der Reihe zum Halten parieren – wenn möglich nach dem letzten Sprung noch auf der geraden Linie. Das Pferd loben und dann im Schritt anreiten.
Besonders Pferde, die schlechte Erfahrungen gemacht haben, sollten viel gelobt werden, wenn sie etwas gut gemacht haben. © www.slawik.com
Besonders Pferde, die schlechte Erfahrungen gemacht haben, sollten viel gelobt werden, wenn sie etwas gut gemacht haben.
© www.slawik.com

Das Pferd verweigert häufig

Häufiges Verweigern ist oft ein Zeichen von Unsicherheit und fehlendem Vertrauen. Hier ist es wichtig, dass sich der Reiter von der Unsicherheit seines Pferdes nicht anstecken lässt und schon beim Anreiten die Verweigerung erwartet. Abhilfe können kleine Sprünge leisten, die in die Dressurarbeit eingebaut werden. Dabei sollten die Anforderungen möglichst niedrig gehalten werden, damit Pferd und Reiter (wieder) Spaß am Springen haben.

Auch der Einsatz eines Führpferdes kann bei häufigem Verweigern helfen. Die oberste Maxime aber muss stets lauten: Das Pferd darf keine weiteren schlechten Erfahrungen sammeln. Ein Ziehen am Zügel oder hartes Strafen bestätigen das Pferd in seiner Unsicherheit und sind damit kontraproduktiv. Stattdessen ist Loben angesagt - und zwar reichlich. Folgt schon bei der niedrigsten überwundenen Stange ein kräftiges ehrliches Lob des Reiters, wird das Pferd nach und nach seine Sicherheit zurückgewinnen.

Wer sich die Korrektur eines unsicheren Pferdes selbst nicht zutraut, sollte einen erfahrenen Reiter aufs Pferd lassen. Dieser bringt das nötige Können und Selbstvertrauen mit, um dem Pferd die nötige Sicherheit zu geben.
Cover Juli 2016 © Tim Helde
© Tim Helde

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Katharina Zinggl/PS
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