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15.07.2015

Stark im Trab: So gelingt die Trabverstärkung

Bei Shows und auch bei Dressurprüfungen ist es gerade der Starke Trab, der dem Publikum begeisterte Ahs und Ohs entlockt: Je höher die Vorderbeine fliegen, desto lauter der Applaus. Dabei kommt es in den Trabverstärkungen auf viel mehr an als auf spektakuläres Gestrampel.

Bei jeder Trabverstärkung sollen die Tritte  länger und größer werden statt schneller, und die Aktion von Vorder- und Hinterbeinen in passender Relation zueinander stehen. © www.slawik.com
Bei jeder Trabverstärkung sollen die Tritte länger und größer werden statt schneller, und die Aktion von Vorder- und Hinterbeinen in passender Relation zueinander stehen.
© www.slawik.com
Trabverstärkungen auf einem gut gerittenen und mit guten Gängen ausgestatteten Pferd machen Spaß, keine Frage. Die Diagonale in einem 60-Meter- Reitplatz wie auf einem Gummiball federnd in großen Tritten zu durchmessen, ist schon eine schöne Sache – und sorgt auch für Aufmerksamkeit und bewundernde Blicke. Damit es aber überhaupt dazu kommt, ist unspektakuläre Vorarbeit gefragt, die sich mancher Reiter gern erspart, oder über die er sich nicht im Klaren ist. Jede Trabverstärkung, sei es ein beginnendes „Tritte verlängern“, ein Mitteltrab oder ein Starker Trab, sollte bei einer Vergrößerung des Schubs von hinten nach vorn in gleichmäßigem Zweitakt durchschwingen. Das heißt: die Tritte sollen länger und größer werden statt schneller, und die Aktion von Vorder- und Hinterbeinen soll in passender Relation zueinander stehen. Nur dann kann die Bewegung durch den gesamten Pferdekörper fließen, kann der Pferderücken locker bleiben.

Das „länger Werden“ der Tritte erfordert eine Erhöhung der Schubkraft, das „größer Werden“ eine Erhöhung der Tragkraft. Vernachlässigt man eines der beiden, sind minderwertige Verstärkungen das Ergebnis, von denen diejenigen mit wenig oder kaum Schubkraft für viele aber doch irgendwie chic aussehen, weil die Vorderbeine „so nett“ durch die Luft wirbeln. Aus der Sicht ernsthaften und korrekten Dressurreitens ist das allerdings Schaumschlägerei, denn die Hinterhufe des Pferdes sollen, abhängig vom Grad der Verstärkung, in der Verstärkung deutlich weiter über die Spur der Vorderhufe treten, die Hinterbeine sollen vermehrten Schub erzeugen.

Die Entwicklung der Schubkraft steht in der Dressurausbildung im Allgemeinen vor der Tragkraft, deshalb wird von jüngeren Pferden auch zunächst das „Tritte verlängern“ verlangt. Die Verlängerung entsteht eben durch ein vermehrtes Vortreten der Hinterhufe unter den Schwerpunkt und damit eine Verlängerung der Bewegung. Die Pferde „schieben“ bei größerer Schwungentfaltung mehr nach vorn. Haben sie im Verlauf der weiteren Ausbildung an Kraft gewonnen, bringt diese in die Trabverstärkung den vermehrten Ausdruck hinein. Die Hinterbeine schieben nicht nur schwungvoll mehr vorwärts, sie sind auch in der Lage, den Pferdekörper ein wenig länger in der Schwebephase zu halten und geben damit der Schulter die Möglichkeit, weiter vorwärts-aufwärts zu arbeiten, also Schulterfreiheit auch in der Verstärkung zu erreichen. Da dieser Kraftzuwachs im Rahmen der Ausbildung aber seine Zeit braucht, wird Starker Trab erst ab der Klasse M verlangt.
Wie aus dem Bilderbuch: Der Starke Trab galt als Paradelektion des britischen Erfolgsduos Carl Hester und Uthopia, für die die Mannschaftsolympiasieger in ihrer gemeinsamen Karriere vielfach die Höchstnote Zehn ernteten. © Tomas Holcbecher
Wie aus dem Bilderbuch: Der Starke Trab galt als Paradelektion des britischen Erfolgsduos Carl Hester und Uthopia, für die die Mannschaftsolympiasieger in ihrer gemeinsamen Karriere vielfach die Höchstnote Zehn ernteten.
© Tomas Holcbecher

Das Pferd bestimmt den Rahmen

Doch auch wenn sich gerade der Trab durch korrekte Dressurarbeit als Grundgangart am ehesten verbessern lässt, wird nicht jedes Pferd auch irgendwann gute Trabverstärkungen erreichen können. Ein entsprechendes Bewegungstalent, das heißt: ein angeborener Trab, der möglichst federnd, schwungvoll und taktsicher ist, ist eine Grundvoraussetzung. Eine zu steile Schulter, ein Senkrücken, steile Fesselung, eine ungünstig gewinkelte Hinterhand – derartige Gebäudemängel können schon Gründe dafür sein, dass ein Pferd niemals großartige Trabverstärkungen zeigt. Sollten diese Pferde deshalb aus dem Dressursport ausgemustert werden? Sicher nicht, denn eine Trabverstärkung ist nicht alles. Wer Turniere reitet, sollte daran denken, dass eine Aufgabe irgendwo zwischen 20 und 30 Lektionen hat, und nur zwei davon sind in der Regel Trabverstärkungen. Wenn der Rest der Prüfung top war, kann man sich auch schon mal die Note 6 oder notfalls sogar die Note 5 für den Mitteltrab leisten. Und wer keine Turniere reitet, dem kann es sowieso egal sein, ob sein Pferd in weiten Tritten durch die Halle schwebt oder doch etwas sparsamer daherkommt. Hauptsache, die Harmonie stimmt.
Copyright Pferderevue/Britta Schöffmann

Was tun, wenn bei den Trabverstärkungen…

… das Pferd begrenzt ist?
Ist dies der Fall, ist weniger meist mehr. Wichtiger als ein reines „Gas geben“ ist es, vor und nach der Trabverstärkung möglichst sauber und genau zu reiten. Das heißt: die Ecken tief durchreiten, das Pferd vermehrt aufnehmen, dann im Rahmen des Pferdes zulegen und am Ende der Verstärkung wieder geschmeidig, aber deutlich das Tempo zurücknehmen. Je gesetzter der Trab vorher und nachher ist, desto „nach mehr“ sieht das Zulegen dazwischen aus.

… das Pferd nicht zieht?
Unter „ziehen“ ist hier nicht das Zügelziehen gemeint, sondern der spontane Antritt in die Verstärkung, der „Zug nach vorne“. Fehlt dies, liegt es häufig daran, dass das Pferd schon vorher „hinter dem Bein“ war: Es reagiert nicht umgehend auf die vorwärtstreibenden Hilfen und hält sich im Rücken fest. Hier hilft es, das Pferd mit ein, zwei energischen Einwirkungen vermehrt nach vorn zu schicken, um es wieder schenkelsensibel zu machen. Wichtig ist, in diesem Moment auf jeden Fall die Hände vorzugeben und/oder auch leichtzutraben und das Vorwärts nicht zu behindern. Letztlich muss auch die Verbesserung der Versammlung im Vordergrund stehen, um das Problem auf lange Sicht in den Griff zu bekommen.

… das Pferd nicht geschlossen ist?
Kommt ein Pferd schon nicht gut geschlossen aus der Ecke, wird keine gute Trabverstärkung gelingen. Man kann sich das wie beim Autofahren vorstellen: Wer überholen will, schaltet einen Gang zurück, um für den Überholvorgang möglichst viel Power zur Verfügung zu haben. Das Gleiche gilt fürs Zulegen: Durch halbe Paraden das Pferd verkürzen (also einen Gang runterschalten), die dabei entstehende Energie dann zum Zulegen nach vorn herauszulassen.

… die Anlehnung nicht stimmt?
Eine fehlerhafte Anlehnung verhindert eine gute Trabverstärkung. Ist die Verbindung zu stramm, kann das Pferd nicht durchschwingen und hält sich im Rücken fest. Ist sie zu lose, tritt das Pferd nicht korrekt mit der Hinterhand über den Rücken in Richtung Gebiss. In beiden Fällen muss die Sicherung bzw. Verbesserung der Anlehnung über entsprechende Übungen erst erarbeitet werden. Zulegen – einfangen in kurzen Sequenzen kann hier zum Beispiel ebenso hilfreich sein, wie Trab-Galopp-Trab-Übergänge sowie grundsätzlich das Reiten von halben Paraden.

… das Pferd ins Laufen kommt?
Ruhiger reiten! Soll ein Pferd über seinem natürlichen Tempo traben, gerät es automatisch ins Rennen. Lieber etwas weniger fordern.

… das Pferd immer angaloppiert?
In diesem Fall gilt es zu überprüfen, ob man gerade auf die lange Seite/Diagonale kommt und/oder ob das Pferd in sich geradegerichtet ist. Bei zu frühem Zulegen (Pferd ist zur Hälfte noch in der Ecke), ungenauem Reiten (bogenförmige Linie), ausgeprägter Schiefe und auch bei störender Einwirkung (Sporen- oder Gerteneinsatz während des Zulegens) „rettet“ sich ein Pferd in den Galopp.

… das Pferd häufig Taktfehler macht?
Taktfehler können viele Gründe haben, meist liegt es jedoch an einem zu forcierten Tempo oder störender Einwirkung. Auch hier lieber vorübergehend wieder etwas zurückhaltender zulegen, bis das Pferd seinen Rhythmus gefunden hat, den es auch über die geforderte Strecke halten kann. Erst dann nach und nach wieder steigern.

… dem Pferd der Ausdruck fehlt?
Es mag sich seltsam anhören, aber in einer Trabverstärkung sollte der Reiter an Versammlung denken. Je besser die Qualität des versammelten Trabes, desto besser und ausdrucksstärker wird auch die Verstärkung. Also nicht einfach nur an vorwärts denken, sondern auch an aufwärts. Winzige halbe Paraden, nur noch aus den Ringfingern gegeben, können die Bewegung der Vorderbeine mehr nach oben umleiten, ohne die Hinterbeine zu behindern.

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Dieser Artikel aus unserer Ausbildungsserie "Wie Lektionen gut gelingen" ist erstmals in Ausgabe 3/2012 der Pferderevue erschienen. Pferderevue AbonnentInnen können diese Artikel zusammen mit über 40.000 weiteren in unserem Online-Archiv kostenlos nachlesen. Einfach unter Service/Online-Archiv einloggen und in allen Heften aus 25 Jahren Pferderevue zum Nulltarif blättern!

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