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08.03.2018

Starkes Übergewicht des Reiters kann zu Lahmheit beim Pferd führen

Reiter, die für ihr Pferd zu schwer sind, können vorübergehende Lahmheiten auslösen, so das Ergebnis einer Pilot-Studie aus Großbritannien.

In der Studie zeigten die Pferde unter mehr Gewicht deutliche Anzeichen von Schmerz und Unbehagen. © Animal Health Trust
In der Studie zeigten die Pferde unter mehr Gewicht deutliche Anzeichen von Schmerz und Unbehagen.
© Animal Health Trust
Unter der Leitung von Dr. Sue Dyson untersucht ein Team britischer Forscher seit einigen Monaten intensiv die Auswirkungen des Reitergewichts auf Reitpferde. Die ersten Ergebnisse, die heute im Rahmen des National Equine Forums in London offiziell gemacht wurden, sprechen eine deutliche Sprache: Zu viel Gewicht im Sattel kann Lahmheit und Unbehagen beim Pferd nach sich ziehen.

Bei der Lahmheit handelte es sich um ein temporäres Problem, erklärte Dr. Dyson, Spezialistin für Equine Orthopädie bei Animal Health Trust, die bekräftigte, dass alle Pferde die im September des Vorjahres durchgeführte Studie genauso gesund beendet hätten, wie sie zu Beginn gewesen waren. Nichtsdestotrotz zeigte sich während des Versuchs deutlich, dass ein zu hohes Reitergewicht die Leistungsfähigkeit des Pferdes negativ beeinflussen kann. „Das soll jetzt nicht heißen, dass schwere Personen generell nicht reiten sollten. Allerdings legen die Studienergebnisse nahe, dass gewichtige Reiter besonderes Augenmerk auf die passende Größe und Fitness ihres Pferdes legen sollten, ebenso, wie auf einen Sattel, der sowohl Pferd als auch Reiter wirklich gut passt“, so Dyson.

Testläufe abgebrochen

Im Versuch wurden sechs Pferde von vier ähnlich erfahrenen Reitern unterschiedlicher Gewichtsklassen (leicht, normal, schwer, sehr schwer) geritten. Die Pferde trugen dabei ihre gewohnte Ausrüstung. Jedes Pferd-Reiter-Paar absolvierte 30 Minuten lang ein standardisiertes Training in allen drei Grundgangarten, meist wurde jedoch getrabt oder galoppiert. Während der Einheiten wurden die Pferde genau beobachtet, ihr Verhalten, ihre Bewegungen und ihr Ausdruck dokumentiert. Außerdem wurden die auf den Pferderücken wirkenden Kräfte unter dem Sattel, sowie Herzschlag, Atmenfrequenz, Cortisolspiegel im Speichel und die Veränderung der Rückentätigkeit mit und ohne Reiter gemessen.

Wie Dr. Dyson erklärte, wurden sämtliche Testläufe, bei denen der schwere bzw. sehr schwere Reiter im Sattel saß, vorzeitig abgebrochen. In allen bis auf einen Fall deshalb, weil sich Taktunreinheiten einstellten. Der verbleibende Ritt wurde angehalten, nachdem das Pferd 10 von 24 zuvor definierten Anzeichen von Unbehagen oder Schmerz erkennen ließ. Anhand dieses Ethogramms stellten die Forscher fest, dass die Schmerzindikatoren insgesamt deutlich zunahmen, wenn das Gewicht im Sattel höher war.
Der Reiter muss nicht unbedingt zu viel auf dem Rippen haben, um zu schwer für sein Pferd zu sein. Auch bei einem unpassenden Größenverhältnis kann die Belastbarkeitsgrenze schnell überschritten sein. © www.slawik.com
Der Reiter muss nicht unbedingt zu viel auf dem Rippen haben, um zu schwer für sein Pferd zu sein. Auch bei einem unpassenden Größenverhältnis kann die Belastbarkeitsgrenze schnell überschritten sein.
© www.slawik.com

Sattelpassform wichtiger Faktor

Die Studie untermauerte außerdem, dass die richtige Passform des Sattels in diesem Zusammenhang ein entscheidender Faktor sein kann. Der als „schwer“ klassifizierte Reiter in der Studie brachte annähernd dasselbe Gewicht auf die Waage wie einer der Pferdebesitzer. Weil er ihn jedoch um fast 30 Zentimeter überragte, kam er im gewohnten Sattel des Pferdes zu weit hinten zum Sitzen, wodurch der Hinterzwiesel überlastet wurde und der Reiter große Mühe hatte sich ordentlich auszubalancieren.

Für Roly Owers, Generaldirektor der britischen Pferdeschutzorganisation World Horse Welfare, sind die Ergebnisse dieser Pilotstudie „sicherlich nicht überraschend, allerdings sehr wichtig, wenn es darum geht entscheidende Hinweise für das richtige Verhältnis zwischen Pferd und Reitergewicht zu geben. Es ist allgemein bekannt, dass das Gewicht des Reiters das Wohlbefinden des Pferdes beeinflusst, möglicherweise wird diese Tatsache jedoch immer noch von einigen nicht wirklich ernst genommen. Was wir dringend benötigen ist eine Art Anleitung, die Reitern hilft, das für sie passende Pferd auszuwählen. Diese Forschung ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.“

Wann ist viel zu viel?

Wieviel Reitergewicht ein Pferderücken verträgt, ohne langfristig Schaden zu nehmen, war in der Vergangenheit immer wieder Gegenstand verschiedener wissenschaftlicher Studien und hitziger Diskussionen. Im Idealfall, da sind sich die Forscher mehrheitlich einig, wiegt der Reiter etwa ein Zehntel seines Pferdes. Weil dieses Verhältnis eher die Ausnahme denn die Regel ist, gilt der Bereich zwischen 10 und 15 Prozent des Pferdegewichts als empfohlenes Maß. Alles, was darüber liegt, geht in den kritischen Bereich, wobei 20 Prozent als die absolute Obergrenze angesehen werden.

Horse & Hound

ps
 
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