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07.03.2012

Strom aus Pferdeäpfeln: Agrartechniker machen Pferdemist biogasfähig

Pferdemist ist in riesigen Mengen verfügbar und allzu oft stellt sich Reitstallbetreibern die Frage wohin damit. Dabei schlummert im Pferdeapfel eine bislang weitgehend ungenutzte Ressource. So haben Forscher an der Universität Hohenheim in Deutschland nun einen Kniff entdeckt, der Pferdemist zum potenten Energielieferanten werden lässt.

Pferdemist © Steven Jamroofer - Fotolia.com
Bei entsprechender Vorbehandlung könnten mithilfe von Pferdemist helfen riesige Mengen Heizöl eingespart werden, allein in Deutschland geht man von Einsparungen in der Höhe von 400.000.000 Litern aus.
© Steven Jamroofer - Fotolia.com
„Unser Ziel ist es, in Zukunft einige Biogasanlagen allein mit Pferdemist zu betreiben“, sagt Dr. Hans Oechsner von der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie der Universität Hohenheim. Bei optimaler Vergärung könne man damit in Deutschland pro Jahr etwa 400 Millionen Kubikmeter Methan erzeugen und damit mehr als 400 Millionen Liter Heizöl einsparen. Dadurch vermindere sich die CO2-Emission um eine Million Tonnen.

Die Nachfrage nach Bioenergie aus Energiepflanzen steigt in der Bundesrepublik seit Jahren. Die Folge: Anbauflächen werden langsam knapp und die Landwirte bewirtschaften sie immer intensiver. Gleichzeitig leben auf Deutschlands Reiterhöfen aber insgesamt rund 550.000 Pferde. Zusammen produzieren sie pro Jahr etwa 4,5 Millionen Tonnen Mist. „Wenn das alles in Biogasanlagen vergärt wird, bräuchten wir 80.000 Hektar Ackerland weniger für den Anbau von Energiepflanzen“, rechnet Dr. Oechsner vor.

Alles Argumente, die offenbar auch das deutsche Bundesumweltministerium überzeugen. So soll das Forschungsprojekt bis März 2014 mit über 300.000 Euro gefördert werden.

Pferdemist im „Küchenmixer“

„Pferdemist findet bisher kaum Verwendung“, sagt Dr. Oechsner. „Er eignet sich nur bedingt als Dünger und muss deshalb oft kostenpflichtig entsorgt werden.“ Nur in sehr kleinen Mengen werde er bereits zur Energiegewinnung eingesetzt. Dabei könne das auch in großem Stil geschehen, wenn man ihn aufbereite. Das Problem am Pferdemist sei die große Menge Stroh darin. „Sie bewirkt, dass der Mist in der Biogasanlage auf der übrigen Biomasse schwimmt“, erklärt der Agrartechniker.

Die Vorbehandlung erledigt ein Querstromzerspaner, eine Maschine, die normalerweise bei der Abfallverwertung eingesetzt wird. „Das ist im Prinzip ein großer Küchenmixer“, erklärt Matthias Mönch-Tegeder, Doktorand an der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie. „Nach dem Mixen haben wir so zu sagen mundgerechte Stückchen für die Mikroorganismen in der Biogasanlage.“ Die Oberfläche des Pferdemistes vergrößert sich und er verbindet sich gut mit dem übrigen Gärsubstrat im Fermenter.

Vergärter Pferdemist als Dünger

Südlich von Reutlingen, auf dem Gelände der Versuchsstation Unterer Lindenhof haben die beiden Agrartechniker einen Querstromzerspaner aufgestellt. „Wir wollen die Maschine so verbessern, dass sie den Pferdemist optimal aufbereitet und obendrein noch weniger Strom verbraucht“, sagt Mönch-Tegeder.

Damit die Landwirte in Zukunft ihre Biogasanlagen mit Pferdemist befüllen können, beschäftigt sich Mönch-Tegeder in seiner Doktorarbeit mit den wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Eines steht aber schon heute fest: Der vergärte Pferdemist aus der Biogasanlage ist ein hervorragender Dünger.

Quelle: Weik / Klebs - Universität Hohenheim

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