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11.02.2016

Studie: Kandare und Co. kaum wirksam auf Pferdegenick

Wer hat es nicht so gelernt? Gebisse mit Anzügen beeinflussen nicht nur Maul und Kinngrube des Pferdes, sie üben auch Druck auf dessen Genick aus. Dass Letzteres tatsächlich nur in einem sehr geringen Ausmaß der Fall sein soll, will eine aktuelle Studie aus Großbritannien herausgefunden haben.

Hebelgebisse können Pferde bei unbedachtem oder falschem Einsatz unter großen Zwang setzen. Auf das Genick des Pferdes dürften sie allerdings nur wenig Einfluss haben. © Cornelia Pretzsch - fotolia.com
Hebelgebisse können Pferde bei unbedachtem oder falschem Einsatz unter großen Zwang setzen. Auf das Genick des Pferdes dürften sie allerdings nur wenig Einfluss haben.
© Cornelia Pretzsch - fotolia.com
In welchem Verhältnis Zügelzug und Druck auf das Genick zueinander stehen war Gegenstand einer Studie des britischen Dozenten für Physik an der Universität von Durham, Graham Cross, und seines Teams. Getestet wurden drei Gebisse: eine einfache Wassertrense mit beweglichen Ringen, eine Dreiringtrense und eine herkömmliche Dressurkandare. Um ihre Einwirkung auf das Pferdegenick zu ermittelten, verwendeten die Wissenschaftler Zäume, die mit speziellen Zugkraftsensoren an beiden Zügeln und einem der Backenstücke ausgestattet waren. Derart ausgerüstet wurden die Pferde von ihren Reitern in Schritt, Trab und Galopp bewegt und die dabei anfallenden Daten elektronisch aufgezeichnet.

Bislang war man davon ausgegangenen, dass manche Gebisse den Zügelzug wie ein Hebel verstärken und auf diese Weise den Druck auf Genick oder Kinn des Pferdes intensivieren. „Gängige Diskussionen konzentrieren sich dabei vor allem auf die Kraft, die dabei auf das Genick ausgeübt wird und die Art und Weise wie diese das Training und das Verhalten des Pferdes beeinflusst“, schreiben die Forscher in ihrer Arbeit. Nicht selten werde dieser Aspekt sogar als tierschutzrelevant betrachtet.

Diese Sorge scheint – zumindest in Bezug auf das Genick – unbegründet, wie die britischen Forschungsergebnisse vermuten lassen. Denn die Tests zeigten, dass Gebisse, die auf dem Hebelprinzip basierten, den Druck, der über die Zügel aufgebaut wird, nur in stark abgeschwächter Form an das Genick des Pferdes weitergaben. Dieses - für viele sicherlich überraschende - Ergebnis beruhe darauf, dass das Pferdemaul aufgrund seiner physischen Beschaffenheit und seiner Beweglichkeit nicht die Anforderung eines fixen Dreh- und Angelpunktes, wie sie ein idealer Hebel erfordert, erfülle.
 
Auch wenn das Genick also weitgehend vom Zügelzug verschont bleibt, am Pferdekinn macht sich die Hebelwirkung sehr wohl bemerkbar. „Der Einsatz einer Kinnkette bewirkt, dass der durch vermehrten Zügelzug gesteigerte Druck am Backenstück eher in Richtung Kinn denn hin zum Genick umgelenkt wird“, berichtet Cross in der jüngst online veröffentlichten Arbeit.

Und noch eine überraschende Entdeckung brachte die Studie ans Licht: „Unerwarteter Weise konnte sogar bei einem einfachen Trensengebiss einen leichte Hebelwirkung festgestellt werden, die sich in mäßigem Druck auf das Pferdegenick auswirkte.“ Dieser Effekt wurde auch in Tests bei einer Zäumung auf Kandare und Unterlegtrense deutlich. „Unsere Daten haben gezeigt, dass der Druck auf das Pferdegenick bei dieser Zäumung in erster Linie durch die Unterlegtrense verursacht wurde“, so die Forscher. Dies könnte auf die physische Überlagerung der beiden Gebisse zurückzuführen sein, wie die Daten der Computermessung vermuten lassen. Sie stellen auch in Zweifel, ob die stets lehrbuchmäßig geforderte getrennte Einwirkung von Kandare und Unterlegtrense physikalisch überhaupt möglich ist. Es wird wohl noch weitere Studien benötigen, um hier für echte Klarheit zu sorgen.

Eine Zusammenfassung der Studie "Application of a Dual Force Sensor System to Characterise the Intrinsic Operation of Horse Bridles and Bits"  von Graham H. Cross, Michael K.P. Cheung, Thomas J. Honey, Michael K. Pau und Kara-Jane Senior gibt es hier.
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