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10.06.2016

Studie bestätigt: Pferde sprechen mit uns

Manch Pferdebesitzer schwört, sein Vierbeiner würde mit ihm sprechen. Dass er mit dieser Einschätzung gar nicht so daneben liegt, beweist nun eine italienisch-österreichische Studie.

Und sie sprechen doch: Das Pferd ist nach dem Hund erst das zweite Haustier, dem die Fähigkeit zur referentiellen Kommunikation nachgewiesen werden konnte. © lovinghorses - Fotolia.com
Und sie sprechen doch: Das Pferd ist nach dem Hund erst das zweite Haustier, dem die Fähigkeit zur referentiellen Kommunikation nachgewiesen werden konnte.
© lovinghorses - Fotolia.com
Freilich: Aufmerksame Pferdebesitzer sind den nonverbalen Hinweisen ihrer vierbeinigen Lieblinge gegenüber aufgeschlossen und empfänglich. Ein vorbeiziehen am Reitplatz zeigt, dass Max heute lieber ausreiten gehen möchte als im Viereck Kringel zu ziehen und Ladys sehnsüchtiger Blick zum naheliegenden Karottensack wird vom verständnisvollen Frauerl treffsicher als Bitte um Nachschlag interpretiert. Sprechen Pferde also tatsächlich zu uns? „Sicherlich tun sie das”, sagt Rachele Malavasi von der Schule für ethischen Reitsport in Moncigoli Di Fivizzano, Italien. In Zusammenarbeit mit Ludwig Huber, Professor am Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien untersuchte sie erstmals die Fähigkeit von Pferden zur heterospezifischen referentiellen Kommunikation. Die tritt dann ein, wenn ein Sender (im konkreten Fall das Pferd) mithilfe von Gesten die Aufmerksamkeit des Empfängers (hier der Mensch) auf ein bestimmtes Objekt lenkt um ihm zu verdeutlichen, was er möchte. Ist die Geste erfolgreich, richten Sender und Empfänger ihre gemeinsame Aufmerksamkeit auf eine dritte Einheit – das Ziel.

In ihrer Verhaltensstudie an 14 Pferden platzierten Malavasi und Huber zwei Futterkübel außerhalb der Reichweite der Tiere. Jeder Kübel enthielt Karotten, Äpfel und Hafer um die individuellen Vorlieben aller Pferde auch sicher abzudecken. Pferd und Mensch befanden sich innerhalb eines eingezäunten Bereiches mit Blick auf die an den gegenüberliegenden Seiten befindlichen Eimer, die sich hinter einem Tor befanden.

Die schwierig anmutende Aufgabe fürs Pferd: dem teilnahmslos nebenstehenden Menschen irgendwie verständlich zu machen, ihm das außerhalb seiner Reichweite befindliche Objekt der Begierde zu bringen. Eine Übung, die gelang. Im Großteil der Fälle fanden die Pferde einen Weg ihren Wunsch mitzuteilen.

„Die Pferde wechselten mit ihrem Blick zwischen der nebenstehenden Person und dem Kübel hin und her in der Absicht, die Aufmerksamkeit des Menschen auf die ersehnte Belohnung zu lenken“, berichtet Malavasi. „Wenn dass nicht funktionierte, bewiesen die Pferde echte Flexibilität in ihren Kommunikationsstrategien. Sie nickten mit den Köpfen, schlugen mit dem Schweif und bewegten ihren Kopf schnell in Richtung Eimer, als wollten sie auf diese Weise darauf deuten.“

Diese recht auffälligen Verhaltensweisen wandten die Pferde übrigens nur dann an, wenn der Mensch sie direkt ansah. Drehten sich die Personen auf Anweisung der Wissenschaftler hin weg, versuchten die Pferde zuallererst die Aufmerksamkeit des Menschen wiederzuerlangen, bevor sie ihre Kommunikation erneut auf den Eimer lenkten.

„Die Pferde haben den Augenkontakt mit der Testperson gesucht, indem sie ihre Köpfe in deren Richtung gedreht haben“, sagte Malavasi. „War das nicht ausreichend, haben sie ihre Strategie geändert, sind auf die Testperson zugegangen und haben sie direkt berührt."

Wenig beachtete Fähigkeit

Obwohl alle Pferde die Fähigkeit haben mit dem Menschen auf diese Weise zu kommunizieren, wird sie von Pferdebesitzern oft übersehen, ist Malavasi überzeugt. Ein Grund, warum manche Pferde es aufgegeben haben könnten, sich derart verständlich zu machen. Dies sei insbesondere dann der Fall, wenn das Pferd bereits Bekanntschaft mit „erlernter Hilflosigkeit“ gemacht hat – beispielsweise durch andauernde Isolation von Artgenossen oder durch missbräuchliche Trainingsmethoden.

„Ich empfehle Pferdebesitzern einmal nichts anderes zu tun als ihre Pferde eine Zeit lang zusammen mit Artgenossen zu beobachten. Wenn Letzteres nicht möglich ist, dann auch alleine“, rät Malavasi. „Pferdeleute müssen wissen, wie diese Tiere kommunizieren, ihre eigenen Pferde ganz im Speziellen.“ Im Rahmen ihrer Untersuchungen fand Malavasi nämlich heraus, dass es durchaus große Unterschiede im Kommunikationsverhalten der Pferde gibt. Während manche regelrecht gesprächig waren, gaben sich andere zurückhaltender und setzten nur subtile Signale ein, um sich verständlich zu machen. „Sich mit den Kommunikationsstrategien des eigenen Pferdes auseinanderzusetzen ist wie eine andere Person kennenzulernen: Man lernt nie aus, aber je mehr man über sie weiß, desto stärker wächst die Bindung.“

Hat ein Pferd nach langen vergeblichen Versuchen aufgegeben, mit seinem Menschen zu kommunizieren, ist das eine unglückliche Situation, meint Malavasi. Allerdings keine hoffnungslose. „Wenn Sie sich nicht sicher sind, was ihr Pferd möchte, seien sie kreativ und probieren sie ein paar Dinge aus. Daraus kann sich ein tolles gemeinsames Spiel entwickeln und Sie werden mit Sicherheit eine positive Veränderung im Verhalten Ihres Pferdes feststellen.“

Das Pferd ist nach dem Hund erst das zweite Haustier, dem die Fähigkeit zur referentiellen Kommunikation nachgewiesen werden konnte. Laut Maravasi legen die neu gewonnenen Erkenntnisse sogar nahe, dass Pferde die Fähigkeit zur durchdachten Problemlösung besitzen. Ob dies wirklich zutrifft, müsse jedoch in weiteren Studien detailliert beleuchtet werden.

TheHorse.com
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