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13.07.2015

Studie zeigt: Impfausfälle bei Pferdegrippe im Steigen begriffen

Die Pferdegrippe ist eine hochansteckende Viruserkrankung, Impfungen gegen die Tierseuche gehören heute zum Standard. Doch das Virus ist gewieft. Wie eine amerikanische Studie zeigt, sind Impfausfälle im Steigen begriffen.

Auch bei regelmäßigem Impfen alle sechs Monate kann die Pferdegrippe-Vakzine keinen hundertprozentigen Schutz gegen die ansteckende Viruserkrankung garantieren. © Alessandra Sarti
Auch bei regelmäßigem Impfen alle sechs Monate kann die Pferdegrippe-Vakzine keinen hundertprozentigen Schutz gegen die ansteckende Viruserkrankung garantieren. Vergleiche mit früheren Studien haben gezeigt, dass die Fälle, bei denen geimpfte Pferde erkranken, sogar immer häufiger vorkommen. Der Grund für diese Entwicklung liegt in der starken Wandlungsfährigkeit des Virus begründet.
© Alessandra Sarti
Die Equine Influenza, auch als Pferdegrippe bezeichnet, ist eine hochansteckende, akut verlaufende Erkrankung der Atemwege des Pferdes, die sich innerhalb weniger Stunden und Tage vor allem durch hohes Fieber und trockenen Husten bemerkbar macht. Häufig erkrankt der ganze Pferdebestand fast gleichzeitig, wobei sehr junge Tiere und Pferde im fortgeschrittenen Alter als besonders gefährdet gelten. Kritische Formen kann die Erkrankung dann annehmen, wenn bei bereits geschwächten Tieren eine bakterielle Infektion hinzukommt. In solchen Fällen sind Lungenentzündung, chronischer Husten und irreversible Schädigungen der Lungenfunktion möglich.

Weil sich die Krankheit über die Luft und direkten Kontakt rasant ausbreitet, ist eine Influenza-Impfung nach geltenden Reglements von FEI und der nationale Verbände für Turnierpferde Pflicht.
 

Wandlungsfähiges Virus

Wie bei anderen Spezies verändern sich auch Pferdeinfluenzaviren im Laufe der Zeit. Dank den sogenannten „antigenic drift“ passen sie sich dem Wirt immer besser an und entziehen sich damit der Kontrolle durch das Immunsystem. Selbst durch regelmäßige Impfungen geschulten Immunzellen kann ein derart angepasstes Virus durch die Lappen gehen: es wird nicht als feindlicher Eindringling erkannt und folglich nicht bekämpft.

Um den ständigen Veränderungen der Influenzaviren entgegenzuwirken, werden die Impfstoffe jährlich durch aktuelle Influenzastämme aktualisiert. Doch die Viren beweisen eine erstaunliche Wandlungsfähigkeit. Trotz dieser Vorsichtsmaßnahme erkranken immer wieder auch ordnungsgemäß geimpfte Tiere.

 „Grundsätzlich sind die in den USA erhältlichen Impfstoffe gegen Equine Influenza sicher und effektiv. Nichtsdestotrotz können Fälle auftreten, wo selbst eine regelmäßige Impfung  keinen wirkungsvollen Schutz bietet“, räumt Prof. Nicola Pusterla, von der Universität Kalifornien ein. Fälle, die immer häufiger auftreten, wie Pusterla und ihre Kollegen im Rahmen einer Studie feststellen mussten. Zwischen 2010 und 2013 wurden in 38 US-Bundesstaaten 2.605 Fälle von Atemwegserkrankungen bei Pferden aufgezeichnet, bei 239 konnte Equine Influenza (EI) aus Auslöser nachgewiesen werden. 84 der an EI erkrankten Tiere waren gegen Pferdegrippe geimpft, der Zeitpunkt der letzten Impfung lag dabei weniger als sechs Monate bis über ein Jahre zurück.

„Die Zahl der trotz Impfung an Pferdegrippe erkrankten Pferde liegt in unserer Studie über den Werten einer Arbeit aus dem Jahr 2008/2010. Das legt die Vermutung nahe, dass Impfausfälle im Steigen begriffen sind“, sagte Pusterla. Die Forscher stellten außerdem fest, dass deutlich mehr EI-positive Pferde weniger als sechs Monate zuvor geimpft worden waren.

Impfung trotzdem sinnvoll

Trotz dieser Entwicklung rät die Veterinärmedizinerin Pferdebesitzern zu einer Impfung gegen Equine Influenza. Auch Dr. Sabine Brand, von der Veterinärmedizinischen Universität in Wien hält die Pferdegrippeimpfung für obligatorisch. „Es stimmt, dass nach wie vor auch geimpfte Pferde erkranken, doch die Grippe verläuft dann oft in abgeschwächter Form, da die Impfung durch Kreuzreaktionen zumindest einen teilweisen Schutz gewährleistet.

Der Umstand, dass Pferde heute immer häufiger und weiter reisen als noch vor einigen Jahrzehnten, erhöht das Risiko einer Verbreitung deutlich. Die größten Epidemien der vergangenen Jahre hätten darin ihren Ursprung, erklärt Brandt. Gefördert würde dieser rege Verkehr durch die Entstehung neuer Varianten durch Mutationen und Rekombination mit Influenzaviren anderer Tierarten. Nichtsdestotrotz befände sich die Pferdegrippe in Ländern, wo vermehrt geimpft würde, alles in allem auf dem Rückzug, so die erfahrene Virologin.

Artgerechte Haltung bei optimaler Nähr- und Mineralstoffversorgung, Zuwendung und Bewegung würden die Abwehrkräfte zwar stärken, könnten eine Ansteckung und vor allem die Ausscheidung des Virus allerdings nicht verhindern. „Selbst ein nicht geimpftes Pferd, das aufgrund seiner guten Konstitiution mit dem Erreger fertig wird, ist Virusausscheider, und damit potentieller Überträger für Stallgenossen. Der Pferdebesitzer muss sich bewusst sein, dass er durch das Impfen seines Pferdes zur allgemeinen Gesundheit der Pferdepopulation einen wesentlichen Beitrag leistet. Vor diesem Hintergrund ist es trotz möglicherweise steigender Impfausfälle sinnvoll, gegen equine Influenza zu impfen, vor allem dann, wenn das betreffende Tier nicht in kleinen isolierten Gruppen lebt“, gibt Brandt im Hinblick auf die zunehmende Impfträgheit der Pferdebesitzer zu bedenken.

Impfschema im Überblick

1. Grundimmunisierung im Alter von sechs Monaten
2. Grundimmunisierung vier bis sechs Wochen danach
3. Grundimmunisierung sechs Monate nach der 2. Grundimmunisierung
Danach alle 12 Monate eine Auffrischungsimpfung, Turnierpferde lt. ÖTÖ und FEI-Reglement im Abstand von je sechs Monaten

Bei Pferden, die an einer Pferdesportveranstaltung teilnehmen, darf die letzte Auffrischungsimpfung längstenfalls sechs Monate und 21 Tagen vor der Ankunft am Turnierort erfolgt sein. Innerhalb von sieben Tagen bis zur Ankunft am Turnierplatz darf keine Impfung stattgefunden haben.
 
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