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14.10.2014

TV-Tipp: Namibias Wüstenpferde

Inmitten der von Sonne, Sand und Sturm geprägten Namib leben Afrikas einzige Wildpferde - Nachfahren einstiger Militärpferde, die nach dem Ersten Weltkrieg in der Wüste versprengt wurden. Wie sie es geschafft haben, sich an die widrigen Bedingungen anzupassen und in der Namib eine neue Heimat zu finden, ist Thema der heutigen ORF-Dokumentation "Universum".

In der afrikanischen Namib überleben seit 100 Jahren verwilderte Pferde in einer lebensfeindlichen Umwelt, für die sie eigentlich nicht geschaffen wurden. © Jan Schuler - Fotolia.com
© Jan Schuler - Fotolia.com
Goldfarbene Dünen, weiße Salzpfannen, endlose Savannen unter einem tiefblauen Horizont - die Namib an der Westküste Namibias ist eine der faszinierendsten Landschaften unserer Erde. Ausgerechnet diese Wildnis, die von Sonne, Sand und Sturm geprägt wird, ist die Heimat von Afrikas einzigen Wildpferden. Mit ihnen begibt sich Franz Leopold Schmelzers in HD produzierte "Universum"-Dokumentation am Dienstag, dem 14. Oktober 2014, um 20.15 Uhr in ORF 2 auf eine spektakuläre Reise durch ein einzigartiges Naturparadies. "Afrikas Wilder Westen - Namibias Wüstenpferde" entstand als Koproduktion von ORF, Interspot Film, ARTE und NDR.

Relikte daus längst vergangenen Tagen

Umgeben vom malerischen Fish-River-Canyon und dem stürmischen Atlantik breitet sich die Namib mit ihren Trockengebieten, den Sandwüsten und den Savannen aus. Die älteste Wüste der Welt ist gleichzeitig die trockenste: Hier können nur Spezialisten, die sich über Jahrtausende an die harschen Bedingungen angepasst haben, überleben: Oryxantilopen, Strauße oder Hyänen. Doch die Namib beheimatet auch eine Tierart, die aus Europa kommt und erst seit 100 Jahren den Bedingungen der Wüste ausgesetzt ist: Pferde. Sie sind Relikte des Diamantenbooms der deutschen Kolonialzeit - ebenso zurückgelassen wie die Geisterstädte der Minen, die vom Sand zurückerobert wurden und eine Wildwest-Atmosphäre schaffen.

200 Tiere - Nachfahren des einstigen Bestandes aus deutschen und englischen Militärpferden, die nach dem Ersten Weltkrieg in die Wüste versprengt wurden - leben noch, behaupten sich gegen Dürre, Hitze und Sandstürme, ständig bedroht von Skorpionen, Schlangen und Hyänen. Nur ein altes Bohrloch, mit dessen Wasser einst das Zentrum der Region, Lüderitz, und die deutsche Eisenbahnlinie versorgt wurden, hilft ihnen zu überleben. Solange die Pferde im weiteren Umkreis des Brunnens bleiben, ist gesichert, dass sie nicht verdursten. Oft aber sind die erreichbaren Weidegründe bereits abgegrast - über lange Perioden im Jahr herrscht Mangel an Nahrung. So hängt das Überleben der Pferde jedes Jahr aufs Neue an einem seidenen Faden. Es ist davon abhängig, ob die ohnehin seltenen Regenfälle kommen oder nicht.

Gemeinsam gegen die Tücken der Wüste

Die Oryxantilopen, mit den Pferden die größten Säugetiere der Region, sind dagegen perfekt angepasst. Sie können im Südsommer, wo fast 50 Grad Hitze das Land ausdörrt, ihre Körpertemperatur regulieren und dank der Fähigkeit, große Mengen Wasser zu speichern, auch weite Strecken überwinden, um an Weidegebiete zu gelangen. Den Nama-Flughühnern, die immer wieder ans Bohrloch der Pferde kommen, hilft nicht nur ihre Langstreckentauglichkeit, sondern auch die Fähigkeit, mit ihrem Gefieder Wasser aufnehmen und speichern zu können, das sie dann in weit entfernte Nester bringen. Sogar Insekten haben hier faszinierende Überlebenstechniken entwickelt, um der Trockenheit zu trotzen. Wenn die kühlen Luftmassen des Atlantik einen feinen Film von Feuchtigkeit auf die Sanddünen legen, ist er Nebeltrinker-Käfer in der Lage, diese aufzunehmen und zu speichern -gleichsam als wandelnder Wasserspeicher wird er zur willkommenen Beute für die Reptilien der Wüsten: Sandvipern, Eidechsen oder Chamäleons.

Die Pferde haben keine dieser Tricks der Evolution zur Verfügung. Ihnen hilft nur ihr angeborenes Sozialverhalten - nach dem Motto: gemeinsam stark. So bilden sie bei Angriffen von Hyänen einen schützenden Pulk um die Jungtiere. Oder sie lecken sich gegenseitig ab, um ihren Salzhaushalt mit Schweiß aufzubessern. Im Extremfall wird sogar der eigene Kot zur neuerlichen Wiederverwertung und zur Nutzung der letzten Nährstoffe gefressen. Auch das Führungsverhalten hat sich an die Bedingungen der Wüste angepasst. Die Clans werden von jenen Tieren angeführt, die gerade am stärksten sind, egal ob Hengst oder Stute. So behaupten sich die Nachfahren der Pferde von Europas Kolonialzeit schon 100 Jahre und prägen damit dieses eindrucksvolle Naturparadies in Namibia als Afrikas Wilder Westen.

Regisseur Franz Leopold Schmelzer: "Namibia ist ein sehr trockenes, aber wunderschönes Land. Es fasziniert. Es gibt dort Orte, wo das Leben sich behauptet, aber man es nicht erwartet. Als ich das erste Mal die Wüstenpferde sah, war ich wie elektrisiert. An so einem trockenen Ort gibt es überhaupt Pferde? Hier in der Namib sind Pferde verwildert und überleben seit 100 Jahren in einer lebensfeindlichen Umwelt, für die sie eigentlich nicht geschaffen wurden. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich die Pferde trotz dieser widrigen Umstände und vieler Gefahren ein kleines Stück Freiheit zurückerobert haben."

Die "Universum"-Dokumentation ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar und wird auch als Live-Stream auf der ORF-TVthek angeboten.