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15.04.2016

Teilnahmslosigkeit und schreckhaftes Verhalten Anzeichen für eine mögliche Depression beim Pferd

Introvertierte Pferde, die sich von der Außenwelt zurückgezogen haben, zeigen ähnliches Verhalten wie Menschen, die unter chronischer Depression leiden. Das zeigt eine französisch-kanadische Studie.

Auch Pferde können unter Depressionen leiden. © Jonnysek - fotolia.com
Auch Pferde können unter Depressionen leiden.
© Jonnysek - fotolia.com
Die Depression gilt als Zivilisationskrankheit. Weltweit leiden etwa 120.000 Millionen Menschen an der psychischen Störung, allein in Österreich sind es um die 800.000. Doch längst beschränkt sich die Erkrankung, die sich unter anderem durch eine gedrückte Stimmungslage, Hoffnungslosigkeit, sozialen Rückzug und allgemeine Antriebslosigkeit bemerkbar macht, nicht nur mehr auf den Menschen. Auch Pferde können davon betroffen sein.

Folgen der modernen Lebensumstände

Dass auch die Vierbeiner anfällig für Depressionen sind, liegt vor allem an den modernen Strukturen, denen unsere heutigen Sport- und Freizeitpartner unterworfen sind. Unpassende, wenig artgerechte Haltungsbedingungen, überforderndes oder eintöniges Training und Dauerstress belasten die Psyche der Tiere mehr, als häufig angenommen wird. Eine an Schulpferden durchgeführte Studie aus dem Jahr 2013 brachte ans Licht, dass rund ein Viertel der untersuchten Probanden klassisch depressive Symptome zeigten. Betroffene Pferde fallen immer wieder durch einen völlig reglosen Zustand begleitet von einem leeren Blick auf, der Hals wird auf Widerristhöhe nach vorne gestreckt und die Ohren seitlich fallengelassen. Die Tiere erscheinen völlig in sich zurückgezogen, sie zeigen kaum bis gar keine Reaktion auf Ansprache oder Geräusche, reagieren jedoch überdurchschnittlich ängstlich, wenn sie sich außerhalb des Stalles mit neuen Reizen konfrontiert sehen.

Von der Umwelt abgekapselt

Die allgemeine Gleichgültigkeit introvertierter Pferde wurde erst kürzlich durch eine französisch-kanadische Studie unter der Leitung von Céline Rochais bestätigt. In einer Versuchsgruppe von 27 Reitpferden ließ etwa die Hälfte der Tiere Anzeichen einer Depression erkennen. Rund 50 Prozent dieser Pferde zeigten im Gegensatz zu ihren Stallkollegen keinerlei Reaktion gegenüber neuen, ungewöhnlichen Geräuschen. Egal ob Klaviermusik, Walgesang, Gänsegeschnatter, Paviangeschrei oder das Wiehern eines fremden Artgenossen – die Pferde begegneten allen Lauten mit völliger Gleichgültigkeit.  

Dabei ist ruhige Aufmerksamkeit nicht nur ein wichtiger Indikator für das allgemeine Wohlbefinden. Sie spielt auch eine entscheidende Rolle in der erfolgreichen Ausbildung, sagte Rochais. Pferde die sich im Training aufmerksam gegenüber ihrem Ausbilder zeigen, lernen leichter und schneller. Das habe man bereits in einer Studie aus dem Jahr 2014 bewiesen.

Risikofaktor depressives Pferd

Doch introvertierte Pferde lernen nicht nur langsamer, sie können sogar zum Risiko werden. Nämlich dann, wenn sie in die Hände unerfahrener Reiter gelangen, ist die Wissenschaftlerin der Universität in Rennes überzeugt. Dies beruhe vor allem auf dem Umstand, dass der in sich gekehrte Zustand im Stall mit einer erhöhten emotionalen Reaktivität in ungewohnten Situationen verbunden sei – ganz besonders in Kombination mit neuartigen Objekten. Ein gesteigertes Bewusstsein gegenüber allgemeinen Anzeichen von Depression beim Pferd könnte damit die Sicherheit des Reiters entscheidend verbessern.

Beobachtung des Verhaltens immer wichtiger

Man könne nicht von der Hand weisen, sagte Rochais, dass die moderne Pferdehaltung in der Regel mit Kompromissen verbunden ist. „Der Mensch bietet dem Pferd Sicherheit, Nahrung, Unterkunft und medizinische Betreuung – gleichzeitig sind die Lebensbedingungen, mit denen Pferde heute konfrontiert sind, im Vergleich zu den natürlichen Gegebenheiten jedoch begrenzt.“ Es liegt also an uns Menschen ein gesteigertes Bewusstsein für die Feinheiten im Pferdeverhalten zu entwickeln, die wichtige Anzeichen für das Wohlbefinden unser Sport- und Freizeitpartner sein können. „Zu wissen, wie man Apathie von Ruhe, Aufmerksamkeit von Alarmbereitschaft und dergleichen unterscheidet, spielt ein Schlüsselrolle – vor allem deshalb ,weil der Aufmerksamkeitslevel zunehmend ein wichtiger Hinweis für das Wohlbefinden des Pferdes ist.“

ps
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