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09.09.2014

Tierärzte gegen Anpassung deutscher Medikationsrichtlinien an FEI-Reglement

Weil es in der Vergangenheit immer wieder Probleme wegen unterschiedlicher Bestimmungen zwischen dem deutschem Medikations-Reglement und jenem FEI gegeben hatte, will die Deutsche FN ihre Anti-Doping-Regeln an die weniger scharfen Bestimmungen des Weltverbandes anpassen. Sehr zum Missfallen deutscher Tierärzte.

Die Deutsche Reiterlichen Vereinigung (FN) will ihre Anti-Doping- und Medikamentenkontroll-Regeln per 1. Januar 2015 an das weniger restriktive Reglement der FEI anpassen. © Clauda Calcagno - fotolia.com
Die Deutsche Reiterlichen Vereinigung (FN) will ihre Anti-Doping- und Medikamentenkontroll-Regeln per 1. Januar 2015 an das weniger restriktive Reglement der FEI anpassen.
© Clauda Calcagno - fotolia.com
Zu den wohl prominentesten „Opfern“ der Reglement-Unterschiede zählt Dressurreiterin Isabell Werth. Bei einem nationalen Turnier im Juni 2012 wurde bei Werths Pferd El Santo die nach nationalem Recht verbotenen Substanz Cimetidin nachgewiesen – ein Arzneistoff, der laut FEI Reglement allerdings erlaubt ist. Erst in zweiter  Instanz und nach massivem Druck durch einen der Haupt-Sponsoren der FN war das Verfahren schließlich eingestellt worden. "Viele unserer Reiter haben mit den unterschiedlichen Bewertungen Probleme", sagte FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau gegenüber der Deutschen Presseagentur als Begründung für den unpopulären Schritt.

Unpopulär deshalb, weil das FEI-Reglement als vergleichsweise lasch gilt. Skeptiker sehen das Wohl der Pferde durch die neu hinzugewonnene Möglichkeit bislang verbotene Substanzen anzuwenden, gefährdet. Krankheitsbedingte Leistungsschwächen und Schäden könnten künftig ebenso unbeachtet bleiben wie notwendige Zeiten der Rekonvaleszenz. Diese Bedenken teilt auch der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (BPT), der die geplante Anpassung als „inakzeptabel“ bezeichnet.

Ungünstiger Zeitpunkt

Für Viele kommt die geplante Anpassung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Nach zwei Todesfällen in den Reihen der vierbeinigen Athleten während der Weltreiterspiele in Caen steht der Reitsport aktuell ohnedies wieder im Fokus der öffentlichen Kritik. „Ob die FN vor diesem Hintergrund wirklich ihre Anti-Doping- und Medikamentenkontroll-Regeln an die FEI-Regeln anpassen und so in Verruf geraten will, sollte sie sich gut überlegen“, betont Dr. Hans-Joachim Götz, Präsident der Vereinigung in einem persönlichen Schreiben an zu Rantzau, und verweist darauf, dass dies auch im Zuge einer zunehmend kritischen gesellschaftspolitischen Diskussion um Doping im Leistungssport äußerst kontraproduktiv wäre.  

Nach Auffassung des Tierärzteverbandes würde die FN mit den geplanten Lockerungen auch von den selbst erarbeiteten und weit verbreiteten „Ethischen Grundsätzen“ für den Pferdesport abweichen. Wird darin doch der physischen und psychischen Gesundheit des Pferdes unabhängig von seiner Nutzung oberste Bedeutung eingeräumt und die Beeinflussung des Leistungsvermögens durch medikamentöse sowie nicht pferdegerechte Einwirkung des Menschen abgelehnt. „Das unterstützen wir Tierärzte voll und ganz. Die FN sollte sich selbst treu bleiben und auf eine Herabstufung der ADMR in Anpassung an die FEI-Vorschriften verzichten“, bekräftigt Götz seinen Appell an den Reiterverband.

Entscheidung noch im September

Ob die Anpassung tatsächlich kommt, soll noch im September durch den Sport-Beirat entschieden werden. Die neuen Regeln würden dann per 1. Jänner 2015 in Kraft treten. Sollte das Gremium den Vorschlag ablehnen, bleibt alles beim Alten. Auf national ausgeschriebenen Turnieren würden dann weiterhin andere Anti-Doping- und Medikamentenkontroll-Regeln gelten als bei internationalen Veranstaltungen auf deutschen Boden.
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