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02.08.2011

Tschernobyl-Przewalskis bedroht

In der nahezu menschenleeren Sperrzone rund um das AKW Tschernobyl lebt seit Ende der 90er Jahre eine Herde wilder Przewalski Pferde. Ihr Fortbestand ist nun durch Wilderer massiv bedroht, wie ukrainische Wissenschaftler festgestellt haben.

Przewalski Pferde in Tschernobyl © themonnie
Eine 31-köpfige Herde der vom Aussterben bedrohten Przewalski-Pferde wurde in den späten 90ern im Sperrgebiet angesiedelt und hat dort eine neue Heimat gefunden.
© themonnie
Als sich im Jahr 1986 die Reaktorkatastrophe im Kraftwerk von Tschernobyl ereignete, hätte wohl niemand gedacht, dass das Gebiet rund um das AKW wenige Jahrzehnte später zu einem regelrechten Tier- und Pflanzenparadies werden könnte. Doch die Natur ist zäh und scheint mit der immer noch allgegenwärtigen Strahlenverseuchung gut zu Recht zu kommen.

Während das Gebiet für Menschen immer noch gesperrt ist, gedeihen hier Tiere unterschiedlichster Arten prächtig. Das gilt auch für die 31 Pferde, die im Jahr 1998 in der Sperrzone angesiedelt worden waren um die lokale Tierwelt zu bereichern. 2003 erreichte die Population mit 65 Tieren ihren Höchststand. Es schien, als habe dieses Urpferd, dessen Äußeres sich seit gut 20.000 Jahren nicht verändert hat, auch unter diesen besonderen Umständen die richtige Überlebensstrategie entwickelt.
Przewalskis in Tschernobyl © bobosh t
Mit großer Selbstverständlichkeit bewegen sich die Urwildpferde durch das verlassene Gebiet rund um das AKW Tschernobyl.
© bobosh t
Doch mittlerweile ist ihre Zahl wieder drastisch zurückgegangen. Als Folgen dafür sehen Wissenschaftler des SSSIE Ecocentre in Tschernobyl nicht etwa die hohe Strahlenbelastung, sondern eine weit gefährlichere Bedrohung: den Menschen selbst. Auf der Jagd nach billigem Fleisch sollen Wilderer die Dezimierung der Tiere massiv voran getrieben haben, die Pferde würden schneller abgeschossen werden, als sie sich vermehren. "Die Menschen in dieser Region der Ukraine sind sehr arm”, erklärt Professor Tim Mousseau, ein Biologe der Universität von South Carolina im Gespräch mit BBC Nature. „Der Zugang zu billigem Pferdefleisch ist für viele sehr verlockend.”

Sergej Paskewitsch von der ukrainischen Akademie der Wissenschaften hält auch Wölfe oder Krankheiten als Ursachen für das Wildpferdesterben möglich. Doch diese Theorie scheint nicht sehr wahrscheinlich, zumal ukrainische Forscher zahlreiche tote Exemplare mit Schusswunden gefunden haben. Aktuelle Zahlen über die Größe der Przewalski-Herde gibt es nicht, die letzte Zählung liegt bereits drei Jahre zurück. Schätzungen zufolge sollen derzeit noch zwischen 30 und 40 Tieren in der Sperrzone leben. Ob die Urwildpferde im unwirklichen Naturidyll von Tschernobyl eine Zukunft haben, gilt indes als höchst ungewiss.
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