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12.10.2016

Turnierabsage wegen Druse

Kaum ist der Sommer vorbei, haben Infektionskrankheiten wieder Hochsaison. Aktuell meldet ein Stall aus Niederösterreich einen Druseausbruch. Und auch in Vorarlberg gibt es zumindest einen Erkrankungsfall.

Strenge Quarantäne, die Einhaltung umfassender Hygienemaßnbahmen und die umgehende Information aller stallzugehörigen Personen sind die wichtigsten Schritte zur erfolgreichen Druse-Bekämpfung. © www.slawik.com
Strenge Quarantäne, die Einhaltung umfassender Hygienemaßnbahmen und die umgehende Information aller stallzugehörigen Personen sind die wichtigsten Schritte zur erfolgreichen Druse-Bekämpfung.
© www.slawik.com
Wie der niederösterreichische Pferdesportverand am Montag mitteilte, ist der RC Kottingbrunn aktuell von einem Ausbruch der hoch ansteckenden Druse betroffen. Im Zuge der eingeleiteten Quarantänemaßnahmen wurde auch das von 5. bis 6. November geplante nationale Dressurturnier abgesagt.

Einen bestätigten Fall von Druse gibt es zudem in einem Reitstall im vorarlbergischen Hohenems. Dies teilte der betroffene Betrieb auf seiner Facebookseite mit. Wie die Stallbetreiber erklärten, wurden die erforderlichen Hygienemaßnahmen zum Schutz der restlichen Tiere des Bestandes sowie stallfremder Pferde bereits eingeleitet. Bis auf Weiteres darf kein Pferd den Hof verlassen, bzw. kein anderes das Stallgelände betreten.
Für einen Stall bedeutet der Ausbruch der durch Streptokokken übertragenen Druse praktisch den Ausnahmezustand. Dr. Sabine Brandt von der Klinischen Abteilung für Pferdechirurgie an der Veterinärmedizinischen Universität in Wien rät betroffenen Betrieben zu einer sofortigen und umfassenden Information aller stallzugehörigen Personen. Auch fallweise anwesende Personen sollten bspw. durch klar verständliche Beschilderung in Kenntnis gesetzt werden. „Sämtliche Bemühungen erübrigen sich nämlich, wenn beispielsweise mitleidige Kinder den tatsächlich armen Patienten besuchen, ihm verständnisvoll über die Nase streicheln oder mit Karotten verwöhnen, um dann die anderen Stallgenossen aufzusuchen oder sich zur Reitstunde zu begeben. Gute Aufklärung, räumliche Abschottung und Schilder können hier Wunder wirken“, so Brandt.

Diese Vorsichtsmaßnahmen erfolgen nicht ohne Grund. Denn Druse gilt als hoch infektiös, die Verbreitung erfolgt über direkten Kontakt zwischen den Pferden, z.B. bei Pferdetransporten, oder indirekt über das Pflegepersonal, also über Kontakt mit Händen, Kübeln, Trögen etc. Entsprechend zählen die Isolation der betroffenen Tiere sowie strenge Hygiene-Maßnahmen zu den wichtigsten Schritten im Kampf gegen die Druse.

So erkennen Sie Druse

Ist ein Pferd erst einmal an Druse erkrankt, wirkt es anfangs vor allem matt und energielos. Zudem frisst es appetitlos oder verweigert das Futter ganz. Bald darauf beginnt es hoch zu fiebern, hinzu gesellt sich der typische Nasenausfluss, der sich anfangs noch klar, bald eitrig gelb zeigt. Manchmal werden diese Symptome von trockenem Husten begleitet. Etwa eine Woche nach Auftreten der ersten Krankheitsanzeichen schwellen die Lymphknoten im Bereich der Kehle an, ein Zeichen dafür, dass sich die Bakterien dort festgesetzt und bereits Abszesse gebildet haben. Brechen sie auf, tritt hochinfektiöser gelber Eiter aus. Mit diesem Vorgang kommt es meist zu einer deutlichen klinischen Besserung der Symptome, und das Fieber sinkt. Bleibt die Abszessentleerung aus, sollte der behandelnde Tierarzt eine Spaltung vornehmen und dem Pferd so Erleichterung verschaffen.

Komplikationen im Heilungsverlauf treten nur bei etwa zehn bis 20 Prozent der Erkrankungen auf. In diesen Fällen kommt es zu einer Streuung der Krankheitserreger in andere Organe des Körpers, wo sich unbemerkt weitere Abszesse bilden können, etwa in der Leber, der Milz, der Niere, dem Gehirn oder den Darmlymphknoten. Das Petechial-Fieber gilt als besonders gefährliche Komplikation der Druse. Weil das Immunsystem des betroffenen Pferdes auf Bestandteile der Bakterien reagiert, kommt es zu punktuellen Blutungen, geschwollenem Kopf und Schwellungen mit feuchter Sekretion an den Beinen.

Richtiges Verhalten bei einem Druse-Ausbruch

So verhalten Sie sich richtig, wenn in Ihrem Stall ein Pferd an Druse erkrankt:
  • Stoppen Sie sofort sämtliche Bewegungen von Pferden vom Hof und zum Hof
  • Symptomlose Träger und Pferde mit Symptomen sollten wöchentlich untersucht werden.
  • Pferde, bei denen der Erreger nicht mehr nachgewiesen werden konnte, sollten von den infektiösen Pferden getrennt werden. Boxen, Gänge, Wassertröge und das gesamte Equipement sollte täglich desinfiziert werden.
  • Sobald die klinischen Anzeichen abgeklungen sind, sollten alle betroffenen Pferde mindestens drei Mal hintereinander auf Erregerfreiheit untersucht werden. Eine Luftsackendoskopie ist ebenfalls empfehlenswert.
  • Der Stallmist von infektiösen Pferden sollte isoliert kompostiert werden. Die Koppeln, auf denen sich infizierte Pferde aufgehalten haben, sollten vier Wochen nicht benutzt werden.
Die Befolgung der Vorsichtsmaßnahmen erfordert viel Disziplin, Überblick und Geduld, lohnt sich aber aus tierschützerischer wie finanzieller Sicht. Sollte eine Durchführung der notwendigen Hygienemaßnahmen - aus welchen Gründen auch immer - unmöglich sein, kann es günstiger sein, den Patienten in einer Klinik zu unterzubringen, wo eine Haltung in Quarantäne grundsätzlich möglich ist und sämtliche Mitarbeiter in medizinischer wie hygienischer Hinsicht entsprechend geschult sind.

Impfen sinnvoll?

Eine aktive Immunisierung von Pferden gegen Druse wird beinahe seit einem Jahrhundert angestrebt, und es sind einige Impfstoffe kommerziell erhältlich. Die Ergebnisse der Impfungen waren aber bislang eher unbefriedigend. Neben lästigen und zum Teil sogar lebensbedrohlichen Nebenwirkungen ist auch kein ausreichender Schutz gegeben. Die beste Prävention bei der Druse ist immer noch die Vorsicht. Eine Separation und gute Beobachtung von Neuzugängen im Zeitraum von vier Wochen ist in jedem Fall empfehlenswert.

ps
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