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28.08.2014

Umstrittene Entscheidung im Distanzreiten

Scheich Hamdan bin Mohd al Maktoum aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gewann nahe der Bucht von Mont St. Michel die Goldmedaille auf einer höchst umstrittenen 160-km-Strecke. Für Österreichs Reiter verlief der Tag heute leider nicht so erfolgreich wie die bisherigen, brachte aber noch ein Happy End.

Große Diskussionen über Streckenführung beim Distanzreiten: Hier das Verfolgerfeld nach Runde 1. © Ernst Kopica
Große Diskussionen über Streckenführung beim Distanzreiten: Hier das Verfolgerfeld nach Runde 1.
© Ernst Kopica
Den Auftakt am vierten Wettkampftag der WEG 2014 machten die beiden Distanzreiterinnen Stephanie Kunz mit Omar und Helga Wunderer mit Ariella 2, die im Distanzreiten bereits um 7 Uhr auf ihre 160 Kilometer lange Strecke gehen mussten, die in 5 Teilabschnitten zu bewältigen war. Im ersten Loop ging alles noch planmäßig vonstatten, die Pferde wirkten frisch, allerdings meinten beide Reiterinnen schon hier, dass die Strecke sehr anspruchsvoll sei. Die zweite Runde, bei der die Fotografen ihre Schnappschüsse mit Mont St. Michel im Hintergrund schießen konnten (auch Kunz machte hier ein Erinnerungsfoto), galt im Vorfeld als vorentscheidend. Nach dieser Runde kam das Aus für das erste österreichische Pferd, die Stute Ariella 2., aber auch Stephanie Kunz kam nicht ins Ziel. Denn beim Check nach 110 km verweigerte ihr Oman das Wasserlassen, wodurch die Pulswerte zu hoch waren. "Die Disqualifikation ging aber in Ordnung," meinte die Österreicherin aber später, denn ihr Schimmel war auch schon dehydriert.
Stephanie Kunz und Omar kommen nach dem ersten Loop zum Vet-Check. © Ernst Kopica
Stephanie Kunz und Omar kommen nach dem ersten Loop zum Vet-Check.
© Ernst Kopica
Sie sollten aber nicht die einzigen bleiben, die auf der Strecke blieben. In der Folge gab ein Reiter nach dem anderen auf, die deutsche Mannschaft wurde aufgerieben ("Eine Zumutung für die Vierbeiner" nannte es deren Chef d'Equipe Annette Nothaft), ebenso die Titelverteidiger aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Viele Aktive meinten, dass die Strecke nach dem Regen mit dem Lehmboden und wechselnden Verhältnissen viel zu schwer gewesen wäre. Und auch aus reiterlicher Sicht sah man im Finish von den wenigen Reitern, die aus dem 173er-Starterfeld übrig geblieben waren, nicht die allerschönsten Bilder. Stephanie Kunz erkannte aber neidlos die Leistung der Konkurrenten an: "Alle die ins Ziel kamen haben einen Pokal verdient!"
Die übliche Hektik beim Abkühlen der Pferde, Omar fühlt sich noch pudelwohl. © Ernst Kopica
Die übliche Hektik beim Abkühlen der Pferde, Omar fühlt sich noch pudelwohl.
© Ernst Kopica
Der Wettbewerb wurde außerdem von einem bösen Unfall überschattet: Claudia Romero Chacon aus Costa Rica rammte einen Baum, wobei sich ihr Pferd tödlich verletzte und sie selbst unter dem Pferd zu liegen kam. Schwer verletzt wurde sie ins Krankenhaus eingeliefert, wo sie sich in kritischem, aber stabilen Zustand befindet. Aber auch sonst sorgte die nicht gerade ideale Location für Aufregung. Etwa als nach dem Start auf der (zu) engen Wiese im Getümmel ein Pferd reiterlos wurde und davon galoppierte. Was man sich da wohl überlegt hatte?
Helga Wunderer trabt mit ihrer Ariella 2 beim ersten Vet-Check sehr sauber. © Ernst Kopica
Helga Wunderer trabt mit ihrer Ariella 2 beim ersten Vet-Check sehr sauber.
© Ernst Kopica
Während sich ihr Berichterstatter auf den sumpfigen Wiesen von Sartilly bei den Distanzreitern durch den Schlamm kämpfte, korrigierte Jutta Rus-Machan mit einem sehr ordentlichen Ritt auf ihrer Stute Prada ihr Ergebnis aus dem Grade IV-Team Test der Para-Dressurreiter. Im "Individual" kam sie am Ende auf 63,881 %, womit sie den beachtlichen 11. Platz erreichte.
Jutta Rus-Machan und Prada verbesserten sich bei ihrem 2. WM-Auftritt. © Ernst Kopica
Jutta Rus-Machan und Prada verbesserten sich bei ihrem 2. WM-Auftritt.
© Ernst Kopica
Fast zeitgleich musste Österreichs einziger Vielseitigkeitsreiter im Haras du Pin ins Dressurviereck, wo er aber mit seinem Luis W 66 Punkte (56,00 %) aufs Konto geschrieben bekam, was nach Tag 1 Rang 42 bedeutet. Und auch für Tina Künstner-Mantl brachte der Tag kein Erfolgserlebnis. Die Tirolerin aus Lermoos hätte in der Qualifikation fürs Einzelfinale (für das ihre Landsleute Martin Mühlstätter und Rudi Kronsteiner fix qualifiziert sind) eine Wertung von 216,5 benötigt. Ein gewaltiger Stolperer vor dem letzten Slide brachte aber zu viele Abzüge, sodass sie nur auf 214,0 kam. Dennoch lachte sie in der Mixed Zone: "Ich habe mich heute nicht getraut über das Limit zu gehen, er hat sich nicht so 100%ig angefühlt." Auf ihre historische Medaille angesprochen: "Ich glaube nicht, dass viele Leute mit Österreich auf Platz 3 gerechnet haben und es hat Riesenspaß gemacht." Und auf die Länderspielsituation vor dem letzten Reiter, dem Deutschen Alexander Ripper, angesprochen: "Es ist wie in jeder Sportart, Deutschland ist der Erzfeind!"
Tina Künstner-Mantl strahlte über Bronze und ärgerte sich nicht über verpasstes Finale. © Tomas Holcbecher
Tina Künstner-Mantl strahlte über Bronze und ärgerte sich nicht über verpasstes Finale.
© Tomas Holcbecher
Aber damit war der Tag für Österreichs Equipe noch nicht zu Ende, denn als Schlussreiter für die Para-Mannschaft absolvierte Michael Knauder auf Contessa seinen Ritt im Dressurstadion der Rennbahn von Caen und überraschte alle mit einer Klasseleistung. Seine 68,870 % schienen kurz sogar für das Kür-Finale zu reichen, am Ende wurde es dann noch ein famoser 10. Platz! Und was noch erstaunlicher war, dieser Ritt brachte Österreich auf Rang 6 der Para-Mannschaftswertung, und das bei 19 Nationen! Also doch noch ein Happy End!

Geschummelt wird überall

Ich traute meinen Augen nicht, als ich im Zielbereich der Distanzreiter einen offiziellen grünen Arbeitscontainer mit der Aufschrift "Endurance Team Styria" sah. Equipe-Tierärztin Dr. Kirisits klärte mich auf: "Das ist Harald Grinschgl und sein Team, die machen die Videoüberwachung hier!" Und tatsächlich, das steirische Unternehmen, das in erster Linie auf die Zeitnahme bei Distanzbewerben spezialisiert ist, bekam von der FEI den Spezialauftrag, für die Überwachung des gesamten Geländes (also auch inklusive der Stallungen) mittels Videokameras zu sorgen. Ein 24 Stunden-Job, bei dem insgesamt 9 Mitarbeiter tätig sind. Die FEI möchte damit ausgerechnet bei der durch unliebsame Vorfälle in Verruf gekommenen Sportart wieder für klare Verhältnisse sorgen.

In erster Linie taten sich ja die Reiter und Betreuer aus dem arabischen Raum unliebsam hervor. Aber ein erfahrener Mitarbeiter des Teams erzählte mir so einige Schmankerln aus seiner Erfahrung und schloss mit dem Satz: "Geschummelt wird überall!" Was der gute Mann da von sich gab klingt abenteuerlich und so musste der Verband zu rigoroseren Maßnahmen greifen. Ob die wirklich auch befolgt werden, das ist eine andere Sache. Und irgendwie fällt mir da auch wieder der Spruch aus dem Galopperlager ein: "Nur mit Hafer, Heu und Wasser gewinnst du heute kein Rennen!"
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