Array ( [2000] => Home [2005] => Nachrichten [1011] => Marktkurzinfos [1026] => Marktanalysen [1016] => Reportagen [1044] => Über Uns [1046] => Das Team [1045] => Mediadaten [2021] => Impressum [2022] => AGB )
HV Polo Skyscraper
  • HV Polo  HV Polo
15.08.2016

Valegro mit Gold in Rente?

Es war vielleicht der krönende Abschluss einer unvergleichlichen Karriere des Ausnahmepferdes Valegro. Mit einer fehlerlosen Kür holte sich Charlotte Dujardin mit ihrem „Blueberry“ nach London auch in Rio Gold. Die Deutschen durften sich nach ihrem Mannschaftsgold auch über die Silber- (Isabell Werth auf Weihegold) und Bronzemedaille (Kristina Bröring-Sprehe auf Desperados) freuen.

Charlotte Dujardin holte mit Valegro wieder Gold. © Tomas Holcbecher
Charlotte Dujardin holte mit Valegro wieder Gold.
© Tomas Holcbecher
Die äußeren Bedingungen hatten es bei der letzten großen Dressurentscheidung in sich. Über 30 Grad im Schatten ließen die Plastikverkleidungen der TV-Monitore auf der Pressetribüne schmelzen. Viel ärger setzten die hohen Temperaturen aber den 18 Pferden und Reitern zu, die schon zwei anstrengende Runden hinter sich hatten. Das merkte man in der Gruppe der ersten sechs Reiter besonders stark. Lediglich der von Steffen Peters gerittene Legolas zauberte eine wirklich schöne, zur Musik passende und mit vielen Schwierigkeiten gespickte Kür in den Sand. Nach seinem nicht ganz geglückten Auftritt im Spécial schien er diesmal auch wieder im Vollbesitz seiner Kräfte und das US-Paar erhielt 79,393 %, was sie in der Endabrechnung auf den 12. Platz brachte.
Bei brütender Hitze und 34 Grad wurde in Rio die Dressur-Kür entschieden. © Tomas Holcbecher
Bei brütender Hitze und 34 Grad wurde in Rio die Dressur-Kür entschieden.
© Tomas Holcbecher
Da schmolz selbst das Plastik der Monitore. © Sascha Dubach
Da schmolz selbst das Plastik der Monitore.
© Sascha Dubach
In der zweiten Gruppe ging es dann bei vier Paaren endlich über 80 Prozent. Carl Hester harmonierte mit Nip Tuck und bestach durch tolle Einerwechsel, am Ende musste aber auch er der Hitze ein wenig Tribut zollen, immerhin 82,553 % reichten am Ende für Rang 7. Pech hatte die Schwedin Tinne Wilhelmsson-Silfven, deren Don Auriello wirklich „Good Vibrations“ verspüren ließ, ganz im Sinne ihrer Kürmusik der Beach Boys. Aber ein schwerer Fehler im verstärkten Trab brachten Abzüge und verhinderten eine bessere Platzierung als Rang 8.
Beatriz Ferrer-Salat stellte ihren Delgado ganz im Sinne des Titels ihrer Kürmusik vor: „Figthing to the end“, rhythmisch perfekt, ausdrucksstark, leider mit einigen Missgeschicken: 80,161 % und Platz 10. Knapp vor ihr klassierte sich Hans Peter Minderhoud. Der Weltcupsieger war damit bester Niederländer. Verdient, denn sein Johnson brachte eine souveräne Runde durchs Viereck, während bei Landsmann Diederik van Silfhout und Arlando heute die Luft draußen war. Und schließlich gefiel auch die junge Dänin Cathrine Dufour und bewies bei Olympia mit Cassidy zum dritten Mal, dass ihr EM-Titel bei den jungen Reitern kein Zufall war.
Kristina Bröring-Sprehe eröffnete den Reigen der ersten sechs aus dem Grand Prix Spécial. Ohne wirklich bedeutende Fehler (nur Unsicherheiten in den Zweierwechseln) zu begehen, wirkte ihr Desperados doch ein wenig kraftlos. Die Noten von 87,142 % bedeuteten aber vorerst einmal die Führung, doch konnte man gespannt sein, ob es zu Edelmetall langen würde. Nervös stand die Deutsche neben dem Monitor und beobachtete Charlotte Dujardin, die mit neuer Kürmusik von Tom Hunt mit dem Titel „Rio“ ihren Superstar Valegro ins Viereck einritt. Trabverstärkung, Passage, Piaffe, ein wie immer nicht so überzeugender Schritt, Einerwechsel, Piaffe, Pirouette, makellos, mit Grandezza, als ob Valegro, wüsste, dass es sein Abschied von der großen Bühne wird. Nach der Schlussaufstellung ist klar, Gold kann es nur für diese beiden geben: 93,857 %, vielleicht ein klein wenig zu hoch gegriffen. Aber was solls, verdient war der Sieg auf jeden Fall!
Kristina Bröring-Sprehe bei ihrem Bronzeritt auf Desperados. © Tomas Holcbecher
Kristina Bröring-Sprehe bei ihrem Bronzeritt auf Desperados.
© Tomas Holcbecher
Gespannt verfolgt sie dann die Ritte ihrer Kolleginnen. © Ernst Kopica
Gespannt verfolgt sie dann die Ritte ihrer Kolleginnen.
© Ernst Kopica
Von den Emotionen überwältigt stellte sich Charlotte Dujardin den Reportern. © Ernst Kopica
Von den Emotionen überwältigt stellte sich Charlotte Dujardin den Reportern.
© Ernst Kopica
Dann kullern die Tränen übers Gesicht der toughen Britin, die wieder einmal nervenstark durch die Arena ritt. Auch in der „Mixed Zone“ hat sie sich noch nicht gesammelt und erzählt, wie sie es bewegt, da sie wusste, dass ihr „Blueberry will be retired soon“. Da hatte es Dorothee Schneider natürlich schwer die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, außerdem zeigte ihr Showtime heute nur wenig Show. Mit 82,946 % gab es dafür Platz 6 und Schneider meinte resignierend: „Das waren schon ein bisschen viele Fehler!“
Die Spanier verstehen es immer wieder in der Kür für Furore zu sorgen und da machte auch Severo Jesus Jurado Lopez keine Ausnahme. Mit Lorenzo zeigte er zwar nicht die ganz großen Schwierigkeiten, aber die Musik „Now or Never“ und der künstlerische Eindruck (dieser wird in der Kür mit 50 % bewertet) beeindruckte – Gänsehaut! Lässig die Schlusslinie einhändig geritten, das Publikum war aus dem Häuschen und bedachte die sieben Richter mit einem Buh-Orkan für 83,625 % und Platz 5 in der Endabrechnung.
Die US-Amerikanerin Laua Graves blieb mit Verdades hinter Bröring-Sprehe, nur noch die „Gold-Lady des Dressursports“ konnte das Klassement durcheinander bringen: Isabell Werth holte alles aus ihrer Stute Weihegold heraus, aber es sollte sich bald herausstellen, an Valegro kommen die beiden nicht heran. Nach kleinen Unsicherheiten im Finale der Übung herrschte doch ziemliche Verwunderung, dass es für Werth noch zu Silber gereicht hatte. Damit ist sie mit zehn olympischen Medaillen die erfolgreichste Pferdesportlerin aller Zeiten!
Isabell Werth (Weihegold) krönte ihre Karriere mit der 10. Olympiamedaille. © Tomas Holcbecher
Isabell Werth (Weihegold) krönte ihre Karriere mit der 10. Olympiamedaille.
© Tomas Holcbecher
„Heute habe ich mich das erste Mal nervös gefühlt als ich einritt,“ gab Dujardin später zu. „Aber es war einer dieser magischen Ritte, wenn du die Partnerschaft mit dem Pferd spürst. Ich dachte, eigentlich nichts kann uns passieren. Es fühlte sich so leicht an und die letzte Linie war sehr emotionell für mich. Wir planen Valegro in nächster Zeit in den Ruhestand zu schicken, aber wir haben uns noch nicht entschieden wann und wo. Aber Olympische Spiele oder ein großes Championat werden es nicht sein!“
Über 93 % - und wieder war Valegro die Nummer 1! © Tomas Holcbecher
Über 93 % - und wieder war Valegro die Nummer 1!
© Tomas Holcbecher
Charlotte Dujardin, Isabell Werth und Kristina Bröring-Sprehe dürfen sich über Medaillen freuen. © Tomas Holcbecher
Charlotte Dujardin, Isabell Werth und Kristina Bröring-Sprehe dürfen sich über Medaillen freuen.
© Tomas Holcbecher
© Tomas Holcbecher
© Tomas Holcbecher

Russland und die Spiele

Nicht weniger als fünf russische Reiter sind in Rio am Start gewesen. In der Vielseitigkeit wurden Andrey Mitin und Aleksandr Markov im Gelände eliminiert, Evgeniya Ovchinnikova hatte ihren Orion nach dem Cross-Country zurückgezogen. Bei der Dressur sah man mit Marina Aframeeva und Inessa Merkulova, mit ihrem Mister X im GP 14. wurde, das Kür-Finale aber nach ihrem Verreiten knapp verpasste. Nicht gerade eine berauschende Ausbeute, aber fast war keiner von diesen fünf zu sehen gewesen. Denn bis knapp vor den Spielen stand der Ausschluss ALLER russischen Sportler im Raum. Durch die Enthüllungen deutscher Journalisten und den Aussagen von zwei ehemaligen russischen Leichtathleten war nämlich der sogenannte Mc Laren-Report der Weltdopingagentur WADA initiiert worden. Und der brachte schwere Vorwürfe hinsichtlich systematischen Dopings durch Russlands Sportler. Allerdings stützen sich diese Erkenntnisse in erster Linie auf Vorkommnisse in der Leichtathletik, ausdrücklich festgehalten wurde, dass die drei olympischen Reitdisziplinen im Report nicht erwähnt wurden.
Das IOC sperrte dann das komplette Leichtathletikteam, in den anderen Sportarten wurde diese Entscheidung den Fachverbänden überlassen. Und die FEI gab für die fünf russischen Reitern grünes Licht. Was aber nicht von allen gut geheißen wurden, die Sportöffentlichkeit forderte nämlich fast einhellig eine Sperre aller Russen, egal in welcher Sportart sie antreten. Dafür gibt es meiner Meinung aber nur ein passendes Wort: Sippenhaftung!
Denn erinnern wir uns zurück: Wie war das damals 2004 in Athen bei Bettina Hoy und Ludger Beerbaum oder 2008 in Hong Kong bei Christian Ahlmann und Marco Kutscher? Hätten ihre Dopingvergehen einen Generalausschluss aller Deutschen in London gerechtfertigt? War es damals nicht auch organisiertes Doping, da das Mittel Equi-Block von vielen angewendet wurde. Aber nein, das waren ja nur Medikationsvergehen! Welches Wort! Oder wie sah das bei den Radrennfahrern aus, als man Jan Ulrich und vielen seiner Kollegen Doping en masse vorwarf. Ein Ausschluss aller Radfahrer?
So gesehen ist die umstrittene Entscheidung von IOC und FEI nachvollziehbar, auch wenn so manche Experten wie zuletzt Markus Rogan (in ungustiöser Weise) politische Absprachen zwischen IOC-Präsident Bach und Russland-Präsident Putin unterstellten.

Was
die Zahlen der abgenommenen Dopingproben bei den Reitbewerben anbelangt, liegen solche offensichtlich schon vor. Auf meine Anfrage bei der Presse Managerin, ob auch positive dabei seien bzw. wie viele denn abgenommen wurden, bekam ich die offizielle Antwort, dass dies seitens der FEI nicht an die Medien kommuniziert wird. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt - diese Antwort bekam ich auf dieselbe Frage in Hong Kong auch schon!
  • Das könnte Sie auch interessieren