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25.08.2013

Valegro rules, Vici auf Rang 12

Mit sagenhaften 91,250 % gewann Olympiasiegerin Charlotte Dujardin mit Valegro auch im Freestyle den Europameistertitel. Österreichs Dressuraushängeschild Victoria Max-Theurer hielt sich im Hexenkessel des Fußballstadions von Herning toll und klassierte sich am 12. Platz.

Als Doppeleuropameisterin kann Charlotte leicht mit Pedro scherzen. © Tomas Holcbecher
Als Doppeleuropameisterin kann Charlotte leicht mit Pedro scherzen.
© Tomas Holcbecher
Klar hinter Dujardin landeten Helen Langehanenberg und Damon Hill auf dem Ehrenplatz, über die Wertung von 87,286 % konnte man sicherlich diskutieren, denn manch einer im Publikum sah sicherlich Adelinde Cornelissen und Parzival vor der Deutschen. Aber Cornelissen, die eigentlich nur fürs niederländische Team nach Dänemark gekommen war, zeigte sich dennoch über die Bronzemedaille hoch zufrieden.
Auch bei Charlotte gab es die eine oder andere Träne. © Ernst Kopica
Auch bei Charlotte gab es die eine oder andere Träne.
© Ernst Kopica
Gänsehaut überkam einen schon beim Einritt von Dujardin als ihre Kür-Musik ertönte, denn sofort waren die Bilder von ihrem London-Ritt wieder im Kopf. Diesmal setzte die selbstbewusste Britin aber noch einen drauf und es gab 21 Mal die Note 10,0! So perfekt, so musikalisch, Valegro schien den Takt vorzugeben und nicht umgekehrt. Gott sei Dank passierte dem Paar in der vierten und letzten Pirouette ein Hacker, sonst wäre der Ritt außerirdisch gewesen.
Augustin blieb auch im Fußballstadion cool. © Tomas Holcbecher
Augustin blieb auch im Fußballstadion cool.
© Tomas Holcbecher
Dabei hatten es alle 15 Finalisten diesmal mit einem wahnsinnig enthusiastischen Publikum zu tun, das sich nicht an den Dressur-Knigge hielt: Applaus auf der Schlusslinie bis zum letzten Halt, das muss man erst einmal wegstecken. Erstaunlich gut gelang dies Augustin, seine Reiterin Vici Max-Theurer überraschte mit ihrem Kommentar: „Das ist eine Wahnsinnsstimmung, damit muss man erst klar kommen, das kann man nicht üben. Aber insgesamt ist es toll, denn es macht unseren Sport spektakulärer, man wird sich umstellen müssen!“ Da war auch der Fehler in den Zweierwechseln schon wieder vergessen.
Für das österreichische Paar im Kür-Finale gab es Platz 12. © Ernst Kopica
Für das österreichische Paar im Kür-Finale gab es Platz 12.
© Ernst Kopica
Hier ist das Ergebnis der Dressur-Kür.

Was sonst noch auffiel

Mittlerweile dürfte auch ein Ludger Beerbaum den netten Ort Herning inmitten von Jütland kennen. Der Riesenbecker, der am Montag nach den Spielen seinen 50. Geburtstag feiert, musste ja einige Häme dafür einstecken, dass er sich im Vorfeld der EM so abfällig geäußert hatte („Hering oder wie heißt das?“). Auch wenn es für ihn am Ende zu keiner Einzelmedaille gereicht hat und eine Mannschafts-Silberne für einen erfolgsgewöhnten Springreiter wie ihn schon eine Enttäuschung ist. Aber die Organisatoren sorgten wirklich für ein schönes Championat in allen drei Disziplinen, wobei gerade die Integration der Para-Dressur-Reiter hervorragend ankam. Auch beim Österreich-Team, das mit einer hervorragenden Ausbeute die lange Heimreise antreten kann: 2 Goldmedaillen, einen sechsten und achten Rang in den Teamwertungen von Dressur und Paradressur, zwei Reiterinnen im Grand Prix Special und Vici mit einem zehnten Einzelrang, nur beim Springreiten mussten wir (leider) passen, da keine Equipe am Start war.

Diese EM bestätigte auch die momentane Entwicklung bei den Pferdesportveranstaltungen: Nur mit dem Verkauf von Eintrittskarten (es waren insgesamt 61.500) ist eine Finanzierung unmöglich, er bedarf schon sehr finanzkräftiger Sponsoren, um die notwendigen Budgets zu sichern. Hier waren es die Schuhmarke Ecco als Generalsponsor, für die Dressur das Gestüt Blue Hors, beim Springreiten P.S.I. (dahinter verbirgt sich eine Sales-Agentur von Paul Schockemöhle) und für die Para-Bewerbe der dänische Matratzenproduzent JYSK. Die beschränkten Mittel spürte man auch beim samstägigen Showprogramm, das bei weitem nicht mithalten konnte mit all den Darbietungen, die österreichische Turnierbesucher schon in Wien, Salzburg oder Wels zu Gesicht bekamen: Jede Menge Zuchtpräsentationen, ein dänischer Zirkus, zwei Pop-Show-Acts, 400 Kids auf Steckenpferden! Nett, lieb, aber völlig unspektakulär. Als Höhepunkt der Auftritt der Luraschi-Schülerin Clémence Faivre. Sei’s drum, das Stadion war ausverkauft, den Leuten gefiel es. Oder lag es daran, wie Cornelia Höchstetter von der Reiter Revue aus Deutschland so treffend bemerkte, dass wir Journalisten schon so abgehoben sind, weil wir bereits so viele Shownummern von Weltklasse gesehen haben? Selbstkritik ist auch bei Schreiberlingen angebracht!

In sportlicher Hinsicht geht die Entwicklung genauso nach oben. Die Weltklasse rückt immer dichter zusammen, bei den Springreitern konnte man sich (fast jeden) der Top-15 auf dem obersten Treppchen vorstellen, Tagesverfassung und Fitness der Pferde gaben hier den Ausschlag. In der Dressur behauptet sich weiterhin England gleichauf mit den beiden Top-Nationen Deutschland und Niederlande. Aber dahinter holen auch die dänischen Reiter stark auf, während die Schweden nicht so stark wirkten. Und erfreulicherweise mischten unsere vier Dressur-Mädels auch fleissig mit.

Die Para-Dressur ist eine eigene Welt. Einerseits die „Profis“ an der Spitze, wobei es besonders im Grade IV schon eines wirklich tollen GP-Pferdes bedarf, um in die Medaillenentscheidung eingreifen zu können. Die Amateure haben es da wirklich schwer, das scheint aber bei deren Auftritten gar nicht so sehr wichtig zu sein. Denn allein das Dabeisein, hier zählt der olympische Gedanke wirklich noch - im Gegensatz zur Entwicklung bei den „normalen“ Spielen, bei denen die Öffentlichkeit von jedem Sportler eine Medaille fordert.

Und dann gibt es noch einen Pepo Puch. Österreichs Parade-Sportler gewinnt auch in Herning die Herzen aller und nicht nur wir Österreicher waren stolz auf ihn. Auch die gesamte Para-Reiterei ist froh, dass es einen Menschen wie ihn gibt: Kein böses Wort, immer das Positive herauskehrend, das erdet einen so richtig: Reiterspiele statt Therapiestunde!
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