Array ( [2000] => Home [2005] => Nachrichten [1011] => Marktkurzinfos [1026] => Marktanalysen [1016] => Reportagen [1044] => Über Uns [1046] => Das Team [1045] => Mediadaten [2021] => Impressum [2022] => AGB )
22.12.2011

Versorgungsnotlage im bosnischen Lipizzanergestüt Vucijak

Im bosnischen Lipizzanergestüt Vucijak sieht man den nächsten Wochen mit Bangen entgegen. Es fehlt an Allem – in erster Linie an Futter. Mit den vorhandenen 40 Rundballen werden die rund 130 Lipizzaner noch bis in den Jänner kommen – die Zeit danach ist ungewiss.

Notlage im bosnischen Gestüt Vucijak © Dr. Thomas Druml
Auch wenn es am Notwendigsten fehlt sind die Jungpferde menschenbezogen und freundlich.
© Dr. Thomas Druml
Die Ursache für diese Notlage sind politische Kompetenzstreitigkeiten rund um die Eigentümerrechte des staatlichen Gestüts, das seit den 1990er Jahren immer wieder für Aufregung sorgte. Derzeit geben ganze drei Arbeiter ihr Menschenmögliches, um den Alltagsbetrieb aufrechtzuerhalten und sind damit hoffnungslos überfordert. Es gibt keine Einstreu, getränkt wird per Hand, Hafer gibt es nur alle paar Wochen und das Heu ist rationiert – die 20 trächtigen Stuten bekommen etwas mehr, die Deckhengste und Jungpferde dafür etwas weniger. Immer wieder bringen ortsansässige Bauern ein paar Säcke mit Getreide – Tropfen auf den heißen Stein angesichts der Tatsache, dass 130 Pferde zu versorgen sind. 
 
Ein kleiner Lichtblick in dieser Tragödie ist der private Reitverein in Prnjavor, dessen Mitglieder mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten versuchen, etwas Normalität in diese trostlose Lage hineinzubringen. Ausgerüstet mit Motorsägen und Hacken, sägen sie Akazien, um damit Koppeln für die Hengste zu bauen. Sie sammeln Futter bei Bekannten, helfen bei der Stallarbeit, bewegen die Pferde. Ihr Lohn - etwas für die edlen Tiere getan zu haben.
Wertvolle Genetik im Gestüt Vucijak © Dr. Thomas Druml
Wertvolle Genetik - der typvolle Hengst 622 Pluto Neretva XVII, geb. 2001 in Vucijak, geht zurück auf das berühmte Gestüt Stancic.
© Dr. Thomas Druml
 Die Lipizzaner in Vucijak sind nicht irgendwelche, sie sind die direkten Nachfahren der hochqualitativen Stancicer und Eltzer Zucht, die auch dem österreichischen Lipizzaner in Piber wertvolle Impulse gegeben haben. Der Großteil der Vu?ijaker Hengste lässt sich genealogisch somit auf Piberaner Pferde der Zwischenkriegszeit zurückverfolgen. Diese Herde birgt demnach eine wertvolle Genetik, die international kaum bekannt, vom Rest der Welt seit 20 Jahren abgeschnitten ist. Denn Bosnien darf mit EU Ländern keinen Lebendtierhandel führen – eine Regulation, die auf die instabile politische Organisation in diesem Land zurückzuführen ist.
 
Mitglieder der LIF (Lipizzan International Federation) wurden auf die aktuelle Notlage aufmerksam und haben sich vor Ort einen Eindruck verschafft und rasch beschlossen, dass dringender Handlungsbedarf besteht. In erster Linie geht es darum, die Lipizzaner über den Winter zu bringen. Dazu muss binnen der nächsten Wochen genügend Heu und Hafer beschafft werden, um die drohende Katastrophe zu verhindern. Wie die gesamte Lage nachhaltig verbessert werden kann, diese Frage bleibt derzeit noch offen.