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26.08.2014

Victoria Max-Theurer mitten in der Weltspitze

Mit einem phänomenalen Ritt katapultierte sich Victoria Max-Theurer mit ihrem Augustin beim Grand Prix der Mannschaftsentscheidung auf den sechsten Rang der inoffiziellen Einzelwertung. Mannschaftsgold holte sich souverän Deutschland vor Großbritannien und den Niederlanden. Österreich belegte Rang acht von 24 Teams.

Grandiose Leistung von Vici beim Mannschafts-GP! © Tomas Holcbecher
Grandiose Leistung von Vici beim Mannschafts-GP!
© Tomas Holcbecher
Was für eine Aufregung an diesem 2. Tag der Weltreiterspiele in der Normandie! Gleich als erste Reiterin knallte Isabell Werth mit ihrer neuen Super-Stute Bella Rose 81,529 % ins Viereck des Dressurstadions. Damit stand eigentlich schon vor der letzten Reiterin fest, dass Gold nur an Deutschland gehen kann. Pech für die deutsche Rekordreiterin, dass damit die Weltreiterspiele für sie zu Ende sind, denn die Stute wurde am Nachmittag vom Start für den Grand Prix Special zurückgezogen – not fit to compete!
Isabelle Werths Stute Bella Rose: Ein kommender Superstar des Dressursports? © Tomas Holcbecher
Isabelle Werths Stute Bella Rose: Ein kommender Superstar des Dressursports?
© Tomas Holcbecher
Für die rot-weiß-roten Schlachtenbummler wurde es interessant, als Renate Voglsang mit Fabriano eine nahezu fehlerfreie Runde hinlegte, die allerdings den Richtern nur 69,329 % wert war. Damit endete auch der Traum der Österreicherin von Runde 2, da für das Weiterkommen 70,800 % (!) notwendig gewesen wären.
Die Richter meinten es nicht so gut mit Renate Voglsang und Fabriano: 69,329 % für einen ordentlichen Ritt. © Tomas Holcbecher
Die Richter meinten es nicht so gut mit Renate Voglsang und Fabriano: 69,329 % für einen ordentlichen Ritt.
© Tomas Holcbecher
Im Medaillenkampf der Dressurmannschaften spitzte sich der Kampf um Silber und Bronze zu. Vor den jeweils letzten Reitern hatten nicht weniger als fünf Mannschaften Medaillenchancen, am Ende setzten sich Großbritannien (mit einem faszinierenden Valegro und einer glücklichen Charlotte Dujardin) und die Niederlande (für die Adelinde Cornelissen und Parzival die Kastanien aus dem Feuer holte) durch.
Die progammierten Sieger: Deutschland holt Gold in der Mannschaft. © Tomas Holcbecher
Die progammierten Sieger: Deutschland holt Gold in der Mannschaft.
© Tomas Holcbecher
Und mitten drin in diesem Gigantenkampf der großen Dressurnationen sorgte dann Vici für Schlagzeilen: Ein von der ersten Sekunde an konzentrierter Ritt, ein einziger falscher Schritt ihres Oldenburgerhengstes in den Zweierwechseln, aber dann sofort wieder voll bei der Sache. Die Oberösterreicherin überzeugte alle, auch sich selbst, wie sie später im Interview anklingen ließ. Da war sie noch gar nicht bei sich, sie wirkte wie in Trance! Kein Wunder, denn so energiegeladen und ausdrucksstark hatte man die beiden noch nie gesehen. Teamchefin Diana Wünschek strahlte nach diesem hervorragenden Ergebnis für die österreichische Dressurmannschaft.
Konzentration bis über beide Ohren: Augustin und Victoria Max-Theurer. © Tomas Holcbecher
Konzentration bis über beide Ohren: Augustin und Victoria Max-Theurer.
© Tomas Holcbecher
Bleibt noch der Mannschafts-Para-Bewerb nachzureichen, der heute in der Hektik ein wenig unterging: Hier gab es für Jutta Rus-Machan und Prada im Grade IV 60,571 % und der Kärntner Michael Knauder, der mit Contessa das erste Mal an einem Championat teilnahm, konnte sich über Rang 11 (von 23 Grade Ia-Reitern) und 66,739 % freuen. Die rot-weiß-rote Equipe liegt zur Halbzeit damit auf Platz 6.
Berechtigter Jubel über Platz 6! © Tomas Holcbecher
Berechtigter Jubel über Platz 6!
© Tomas Holcbecher

Money makes the world go around

Die (oft vergebliche) Suche nach geeigneten Austragungsorten von Weltreiterspielen kommt nicht von ungefähr. Die FEI verlangt nämlich von den veranstaltenden Föderationen fixe Finanzierungsgarantien, die auch staatlich abgesichert sind. Und welche Regierung kann in Zeiten leerer Staatskassen solche Zusagen schon verbindlich erteilen. Hier in Frankreich, das ja sehr zentralistisch organisiert ist, dürfte es aber offenbar kein Problem gewesen sein. Auch Alltech, der Hauptsponsor der letzten Spiele in Kentucky, war bereit wiederum gewaltige Summen locker zu machen. Wenn man sich dann aber die Austragungsorte und die damit verbundenen logistischen Probleme ansieht, dann wundert es einen schon irgendwie, dass die Normandie auch wirklich den Zuschlag erhielt, aber "money makes the world go around"!

Denn von "gemeinsamen" Weltreiterspielen kann bisher nicht die Rede sein. Unabhängig voneinander klagten Dressurreiterin Renate Voglsang, Dressur-Chefin Diana Wünschek und Reining-Champion Rudi Kronsteiner darüber, dass es aufgrund der Distanzen und Zeitpläne unmöglich sei von den anderen Bewerben etwas zu sehen. Kronsteiner hatte dafür sogar einen Segway mitgebracht, mit dem er von seiner Halle ins Stadion düsen wollte. Den musste er aber gleich wieder wegsperren, denn solche Bewegungsmittel sind am Gelände verboten. Wie überhaupt die FEI sehr oft "nein" sagt! Davon konnte auch Pepo Puch berichten, dessen Tochter nach zwei Tagen nicht mehr in den Stall zu Fine Feeling durfte. Pepo lachte dazu nur ironisch: "There are a lot of rules here!" Man hörte daher schon die Meinung die Weltmeisterschaften einfach alle vier Jahre an Aachen zu vergeben.

Um welche Summen es bei diesen Spielen geht verrät das offizielle Presse Kit: Das Gesamtbudget der Spiele beträgt nicht weniger als 77,98 Millionen Euro! Von staatlichen Stellen gibt es dafür nicht weniger als 38,53 Millionen, also ungefähr die Hälfte der Gesamtausgaben. 20 Millionen werden von den einzelnen Sponsoren zur Verfügung gestellt, fast zu vernachlässigen sind da die Einnahmen aus dem Ticketverkauf, nämlich 8,5 Millionen Euro. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Offiziellen, allen voran CEO Fabien Grobon (ein von sich selbst sehr überzeugter Manager), immer von 500.000 verkauften Karten und ausverkauften Bewerben sprechen, die tatsächlichen Bilder in den Stadien zeigen aber anderes.

Der französische Pferdesportverband (übrigens der drittgrößte olympische Verband des Landes) nutzt die Weltreiterspiele auch für eine Imagekampagne in den Medien. So wird die immer wieder ins Spiel gebrachte Bedeutung des Pferdes für die Wirtschaft ausführlich beschrieben: 77.000 Arbeitsplätze, 14 Milliarden Euro Umsatz im Pferderennsport, 1,5 Millionen aktive Reiter!
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