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24.02.2012

Viel Neues im Voltigiersport

Differenzierter, kleinteiliger, gerechter – der internationale Voltigiersport steht vor einer tiefgreifenden Reform. Welche einschneidenden Änderungen es im internationalen Reglement geben wird, verrät die Bundestrainerin der deutschen Voltigierer, Ursula Ramge, im Interview mit Daniel Kaiser.

Im November wurde das neue, knapp 150 Seiten fassende Regelwerk verabschiedet. Beim Weltcup-Turnier in Braunschweig (GER) im März folgt erstmalig die Umsetzung. Zur Schulung der Richter, Bundestrainer und Landesbeauftragten fand kürzlich am Bundesleistungszentrum des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) in Warendorf ein viertägiges FEI-Seminar statt. 46 Teilnehmer aus 20 Nationen hatten die Chance, „ihre Sichtweisen abzugleichen“. Zitat Ursula Ramge. Nach Ansicht der Bundestrainerin war die Veranstaltung, die vom Österreicher Erich Breiter geleitet wurde, ein großer Erfolg. Ebenso wie die Änderungen an sich. Denn in den neuen Richtlinien sieht die 48-Jährige, die seit diesem Jahr als deutsche Vertretung im FEI Voltigier-Komitee sitzt und innerhalb einer Arbeitsgruppe selbst an den neuen Statuten mitwirkte, einen riesigen Fortschritt für die Sportart.


Im internationalen Voltigiersport bleibt fast nichts, wie es war. Da auch auf nationaler Ebene einige Änderungen anstehen, herrscht landesverbandsübergreifende Verunsicherung. Zum groben Überblick: Welche sind die einschneidenden Änderungen im FEI-Reglement?
Ursula Ramge © Daniel Kaiser
Bundestrainerin der deutschen VoltigiererInnen: Ursula Ramge
© Daniel Kaiser
Das Reglement gleicht sich auf internationaler Ebene noch weiter den anderen Pferdesportdisziplinen an. Die größten Umstellungen gibt es in der Einteilung der CVIs und im Bewertungssystem. Durch die weitgefächerte Unterteilung in CVI*- bis CVI****-Turniere haben künftig auch tieferklassige Mannschaften und Einzelvoltigierer die Chance auf einen internationalen Start. Ebenso werden Richtereinteilungen vorgenommen. Das Alter der Mitglieder von Juniorteams wird auf 18 Jahre angehoben. Zudem werden nicht wie bisher mindestens drei, sondern mindestens vier Richter eingesetzt. Dabei bearbeitet nicht mehr jeder alle Kriterien, sondern konzentriert sich auf einen Teil von 25 Prozent der Endnote. Die Schwierigkeit und Ausführung wird mit einer technischen Note zusammengefasst, die Gestaltung in der Artistik. Das ist ein revolutionärer Schritt für den Sport.




Welche Vorteile bringt das neue CVI-System?

Mit der neuen CVI-Einteilung und der Erweiterung nach unten sollen mehr internationale Events ermöglicht werden. Auch und vor allem in Ländern, die in ihrer Entwicklung noch nicht so weit sind wie beispielsweise Deutschland oder Frankreich. Die Pflichten wurden dabei dem Leistungsstand angeglichen.


Der normale CVI**-Wettbewerb aus den vergangenen Jahren heißt jetzt?

CVI***. Vier Sterne entsprechen dem Championat.


Wer profitiert vom neuen Bewertungssystem?

Richter und Voltigierer gleichermaßen. Die Noten werden wesentlich differenzierter vergeben. Das hilft dabei, vor allem die Topvoltigierer, die mit ihren Leistungen sehr dicht beieinander liegen, im Endergebnis auseinanderzukriegen. Da nicht mehr jeder Richter alle Teilnoten vergeben muss, hat er nicht mehr die Vielzahl an Entscheidungen zu treffen und kann sich wesentlich besser auf seine Aufgabe konzentrieren. Davon erhoffe ich mir im Endeffekt mehr Gerechtigkeit. Bislang war die Gestaltungsnote eher eine Entscheidung im Unterbewusstsein. Jetzt bleibt die Zeit für exakte Analysen am Richtertisch.


Wie ist das neue Reglement entstanden?

Die Grundlagen für die Reform wurden im Februar 2011 in Helsinki gelegt. Dort wurden Arbeitsgruppen gebildet, die sich im Laufe des Jahres mit einzelnen Themenfeldern beschäftigten und Vorschläge zur Verbesserung einbrachten. Im November wurde das neue Regelwerk nun verabschiedet.


… und findet beim Weltcup-Turnier in Braunschweig erstmalig Einzug in die Praxis. Vielen Offiziellen graut vor diesem ungewissen Schritt. Ist eine Umschulung in dieser kurzen Zeitspanne möglich? Wird alles reibungslos funktionieren?

Davon gehe ich aus. Die Richter und Offiziellen sind seit dem Seminar in Warendorf auf dem aktuellsten Stand der Dinge. Das war ein entscheidender Schritt. Hier war alles und jeder, der Rang und Namen hat. Das sorgt für eine schnelle Verbreitung. Es herrscht große Zustimmung, vor allem gegenüber dem neuen Richtverfahren. Bei den Wettkämpfen sind nun die Veranstalter gefragt, das neue System umzusetzen und die entsprechenden Programme umzuschreiben. Hier kommt es auf Eigeninitiative an. Bei der Premiere in Braunschweig bin ich mit der entsprechenden Veranstaltungsleitung in Kontakt.


Worauf muss sich der Voltigierer denn künftig einstellen, worauf sollte er achten?


Er muss sich des neuen Systems und dessen Auswirkungen bewusst sein. Dabei gilt es, noch intensiver auf die Gestaltung zu achten, sich noch stärker auf die Einhaltung der Strukturgruppen zu konzentrieren. Richter-Entscheidungen aus dem Bauch heraus wird es nicht mehr geben. Ab sofort ist alles glasklar.


Bei so viel Euphorie: Gibt es auch Grund zur Kritik?

Natürlich muss sich das System nun erst einmal etablieren. Und natürlich wird es den einen oder anderen Punkt geben, an dem eventuell noch nachgebessert werden muss. Bei der Pferdenote beispielsweise gibt es noch Diskussionsbedarf. Dort werden sechs Einzelnoten vergeben, unter anderem für wenig greifbare Aspekte wie den Gruß. Das gilt es aus meiner Sicht während der Saison zu beobachten und gegebenenfalls zu optimieren.
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