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19.05.2015

Vielversprechender Impfstoff gegen Schimmelkrebs entdeckt

Das Equine Melanom tritt vorwiegend bei älteren Schimmeln auf, doch auch andersfarbige Pferde können davon betroffen sein. Im schlimmsten Fall endet die Krankheit tödlich. Neue Hoffnung gibt eine Immuntherapie, die jüngst an der Tierärztlichen Hochschule Hannover getestet wurde.

Rund 80 Prozent aller weißhaarigen Pferde über 15 Jahre sollen Melanome haben. © Rita Kochmarjova
Rund 80 Prozent aller weißhaarigen Pferde über 15 Jahre sollen Melanome haben. Doch während viele Schimmel trotz des Hautkrebs oft viele Jahre nicht wirklich beeinträchtigt zu sein scheinen, bedeuten die Melanome für andersfarbige Pferde - Füchse, Braune und Rappen - eine akute tödliche Gefahr.
© Rita Kochmarjova
Das Equine Melanom ist ein Tumor, der sich durch Wucherung bestimmter Hautzellen (Melanozyten) entwickelt. Die meist pechschwarzen, erbsen- bis faustgroßen Knoten bilden sich mit fortschreitendem Alter vorwiegend unter der Schweifrübe und im Analbereich. Doch auch an den Augen und im Genitalbereich können die Geschwulste auftreten. In früheren Untersuchungen konnte ein direkter Zusammenhang zwischen dem Ergrauen und der Hautkrebsbildung festgestellt werden, das sogenannte „Schimmelmelanom“ bildet sich im Allgemeinen erst ab dem zehnten Lebensjahr. Heute geht man davon aus, dass rund 80 Prozent aller weißhaarigen Pferde über 15 Jahre Melanome haben.

Schlummernde Gefahr

In den meisten Fällen wächst das Schimmelmelanom langsam und bleibt über längere Zeiträume unverändert. Diese gutartigen Geschwulste können im Laufe der Zeit jedoch bösartig werden. Meist sind es mechanische Reize oder Stresssituationen, die einen bislang stabilen Tumor plötzlich aktivieren. Kommt es zur Metastasenbildung lösen sich die Krebszellen vom ursprünglichen Tumor ab und breiten sich in anderen Körperteilen aus. Die verstreuten Tumorzellen siedeln sich dann vornehmlich entlang der Lymphbahnen an und befallen das Bauch- und Brustfell, Lymphknoten innerer Organe, Leber, Lunge und Milz, wo sie Tochtergeschwülste (Metastasen) entstehen lassen. Bösartige Tumore verringern die Lebenserwartung der betroffenen Pferde drastisch, selbst bei einer erfolgreichen Entnahme des Tumors und der benachbarten Lymphknoten wird die Überlebensrate mit drei bis fünf Jahren angeführt.

Weil jegliche Manipulation von ruhenden Melanomen zu deren Aktivierung und Ausbreitung führen kann, wird zu einer chirurgischen Entfernung meist nur dann geraten, wenn es sich um einzelne kleine und klar abgegrenzte Wucherungen handelt, die aufgrund ihrer Lage - etwa der Gurten- oder Sattellage bzw. im Bereich des Halfters - permanenten Reizen ausgesetzt sind.
Die schwarzen Knoten an Schweifansatz und After dieses Schimmels sind das typische Erscheinungsbild eines Equinen Melanoms. © Archiv
Die schwarzen Knoten an Schweifansatz und After dieses Schimmels sind das typische Erscheinungsbild eines Equinen Melanoms.
© Archiv

Hilfe für die körpereigene Immunabwehr

Eine vielversprechende Form der Tumorbekämpfung wird vor allem in der Immuntherapie geortet. Hierbei soll die Kraft des körpereigenen Abwehrsystems genutzt werden, um Tumorzellen zu vernichten. Im Humanbereich sind immunstimulierende Impfstoffe für den Kampf gegen Krebs seit einigen Jahren in der Entwicklung, jüngste Ergebnisse einer Studie der Tierärztlichen Hochschule in Hannover stimmen zuversichtlich, dass eine solche Therapie auch beim Kampf gegen das Equine Melanom zukunftsweisend sein könnte.

Im Rahmen ihrer Forschungen verabreichte ein Team der ThiHo Hannover 27 melanomgeplagten Pferden dreimal innerhalb von 78 Tagen einen auf den körpereigenen Immun-Botenstoffen Interleukin -8 und -12 basierenden Impfstoff. Die Vakzine wurde von allen Probanden gut vertragen, jeweils in den ersten drei Tagen nach der Verabreichung konnte jedoch ein deutlicher Anstieg der Körpertemperatur festgestellt werden. Ein klarer Hinwies auf die gesteigerte Immunreaktion im Pferdekörper. Eine Untersuchung nach 120 Tagen ergab schließlich eine durchschnittliche Verringerung des Tumorvolumens von bis zu 28,5 Prozent. Die Impfung zeigte damit eine klar messbare anti-tumorale Auwirkung auf die Geschwulste und stimmt zuversichtlich für künftige Therapieansätze.  "Die Immuntherapie könnte bei der Behandlung des Equinen Melanoms künftig eine entscheidende Rolle einnehmen. Mithilfe weiterer Entwicklungen in diesem Bereich ist sogar die vollständige Heilung der Tumore denkbar“, so das Fazit des Forscherteams.
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