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16.09.2016

Voll auf Kurs: So haben Sie mehr vom Reitlehrgang

Weiterbildung ist wichtig - und mit der richtigen Einstellung ist der Nutzen noch mal so groß. Dr. Britta Schöffmann, selbst erfahrene Lehrgangsleiterin, erklärt, wie Sie einen Reitlehrgang mit der richtigen Einstellung optimal nutzen und das Kurswochenende zum vollen Erfolg wird.

Von einem Kurs mit einem guten Trainer haben alle etwas: das Pferd, der Reiter und natürlich auch der eigene Ausbilder - sofern man einige grundlegende Dinge beachtet. © www.slawik.com
Von einem Kurs mit einem guten Trainer haben alle etwas: das Pferd, der Reiter und natürlich auch der eigene Ausbilder - sofern man einige grundlegende Dinge beachtet.
© www.slawik.com
Die Erwartungen sind hoch. Paulchen hat gerade sein erstes Mascherl in einer Dressurprüfung der Klasse L angesteckt bekommen, und nun soll er die fliegenden Galoppwechsel lernen. Ein Dressurlehrgang muss her. In drei Tagen wird das mit den Wechseln wohl klappen, immerhin gibt ja der bekannte Herr XY den Kurs …

Wer mit derartigen Erwartungen in einen Lehrgang geht, wird auf jeden Fall enttäuscht, denn auch der beste Ausbilder kann die Arbeit von Wochen oder sogar Monaten nicht auf ein Wochenende komprimieren. Dass der Grundgedanke des einleitenden Beispiels kein überspitztes Fallbeispiel ist, zeigt sich leider öfter in der Realität: Zwar hat das Gros der Reiter durchaus realistische Ziele, wenn es einen Reitkurs bucht, doch manchmal sind die Erwartungen an einen Lehrgang zu hoch, und wenn diese am Ende des Kurses nicht erfüllt werden, sind schnell Schuldige (Lehrgangsleiter, Pferd, Umgebung, …) gefunden – nur der wahre Übeltäter (die eigenen zu hohen Erwartungen) wird meist nicht erkannt.
 

Die Bestandsaufnahme

Was aber bringt ein Lehrgang überhaupt? Was darf sich die Reiterin und der Reiter erwarten? Und wie kann er das Bestmögliche für sich herausholen? Fragen, die sich automatisch ergeben, wenn man den richtigen Kurs für sich und sein Pferd finden möchte.

Zunächst einmal sollte der Reiter eine selbstkritische Bestandsaufnahme machen: Wo stehe ich? Manche Reiter haben eine sehr gute Selbsteinschätzung, andere wiederum überschätzen ihr eigenes Können. Von Zweiteren hört der Lehrgangsleiter zu Beginn der ersten Unterrichtseinheit meist als erstes „mein Pferd kann dies nicht“ und „mein Pferd kann das nicht“. Ein Blick auf die Fähigkeiten des Reiters macht dann meist bereits nach einigen Runden klar, dass Sitz- und Einwirkungsprobleme vorhanden sind, und die „Schuld“ nicht beim Pferd liegt. Ein guter und seriöser Ausbilder holt seine Schüler – und auch die Pferde – in solchen Situationen immer da ab, wo sie stehen und packt das Problem an der Wurzel. Dazu gehören auch schon mal die ungeschminkte Wahrheit und entsprechende (konstruktive) Hinweise.

Ist der Reiter offen für diese Kritik, dann sieht er ein, dass er selbst die Ursache des Übels ist und arbeitet im Lehrgang intensiv an sich selbst. Ungeschickt wäre es, sich über die Kritik des Lehrgangsleiters zu ärgern und die Hilfe nicht anzunehmen – dann lernt man nämlich nichts dazu.

Tipp

Freuen Sie sich, wenn Ihnen der Ausbilder klar sagt, welche Fehler Sie machen, was Sie an sich selbst noch verbessern müssen und wie die Problemlösungen aussehen. Ein Lehrgang ist dazu da, neue oder zumindest andere Lösungsansätze zu erhalten. Nutzen Sie diese Gelegenheit!
Auch Tipps für die Basisarbeit wie den richtigen Sitz sind hilfreich. © Archiv
Auch Tipps für die Basisarbeit wie den richtigen Sitz sind hilfreich.
© Archiv

Wo steht mein Pferd?

Der Wunsch, am Wochenende Traversalen zu lernen oder die Trabverstärkungen zu verbessern, ist unrealistisch, wenn das Pferd etwa nicht sicher durchs Genick geht. Da sind Enttäuschungen vorprogrammiert. Wie bereits angeführt, sieht ein seriöser und erfahrener Lehrgangsleiter bereits nach einigen wenigen Runden, wo das mögliche Kernproblem liegt. Eine unsichere Anlehnung durch eine wenig aktive Hinterhand, ein falsches Tempo, eine ausgeprägte Schiefe, Schreckhaftigkeit durch mangelnde Durchlässigkeit – die Palette möglicher Knackpunkte ist umfangreich. Der Sinn eines Lehrgangs ist es jedoch, gerade derartige Schwierigkeiten in den Fokus zu setzen und an der Lösung zu arbeiten. Die Rückkehr zu Basisübungen mag dabei vorerst langweilig und unsinnig erscheinen, auf lange Sicht bringt sie aber den gewünschten Erfolg. Denn ohne eine gesunde Basis wird’s auch nichts mit den höheren Weihen.

Tipp

Seien Sie sich also nicht zu fein, auch mal ein paar Schritte zurück zu machen und sich auf die ersten drei Punkte der Ausbildungsskala zu besinnen: Takt, Losgelassenheit und Anlehnung sind das Fundament. Wenn das nicht stimmt, lassen Probleme nicht lange auf sich warten.

Was erwarte ich von dem Lehrgang?

Die Antwort ist relativ einfach: Ich möchte etwas dazulernen. Die meisten Reiter gehen auch mit dieser Einstellung in den Kurs, es gibt aber auch Reiter, die Kurse belegen, um vom Kursleiter (und den Zuschauern) eine Bestätigung ihres (vermeintlichen) Könnens zu erhalten. Sie zeigen zum Beispiel Lektionen wie Außengalopp oder fliegende Galoppwechsel, die noch fehlerhaft sind: Der Galopp ist vielleicht nicht im klaren Dreitakt gesprungen oder die Wechsel sind flach und nicht durchgesprungen. Oft merken diese Reiter die Probleme gar nicht, und entsprechende Hinweise des Ausbilders werden dann schnell persönlich genommen. Der Schritt zurück zu Übungen, die den Galopp, die Rückentätigkeit und die Hilfengebung verbessern, wird mit entwürdigendem Rückschritt verwechselt. Dabei will der Ausbilder den Reiter mit seinen Tipps nicht bremsen oder schlechtmachen, sondern ihm aufzeigen, wie er die Lektionen verbessern kann und welche langfristig einsetzbaren Übungen dafür zur Verfügung stehen.

Tipp

Machen Sie sich deshalb klar: Sie reiten nicht für den Lehrgangsleiter, die Zuschauer oder Vereinskameraden. Sie reiten auch nicht fürs Turnier. Sie reiten und lernen für sich und das Wohl Ihres Pferdes! Gutes Reiten ist aktiver Tierschutz. Ihr Ehrgeiz sollte deshalb nicht davon geleitet sein, sich – egal vor wem – zu profilieren, sondern die eigenen reiterlichen Fähigkeiten ein Leben lang zu verbessern. Denn nur so ist gewährleistet, dass Sie als Reiter Ihrem Pferd keinen Schaden zufügen und beide auf Dauer den Spaß an der Sache behalten.
Auf einem Kurs reitet man nicht für den Lehrgangsleiter, die Zuschauer oder die Vereinskameraden. Man reiter und lernt für sich und das Wohl des eigenen Pferdes! © www.slawik.com
Auf einem Kurs reitet man nicht für den Lehrgangsleiter, die Zuschauer oder die Vereinskameraden. Man reiter und lernt für sich und das Wohl des eigenen Pferdes!
© www.slawik.com

Neue Blickwinkel

Der zweite Schritt zum Erfolg im Lehrgang und durch den Lehrgang liegt darin, sich mit seinem Heimtrainer auszutauschen und ihn einzubeziehen. Ein souveräner Trainer hat nichts dagegen, wenn Sie hin und wieder Lehrgänge besuchen und vielleicht interessante neue Anregungen mit nach Hause bringen. Wer ein Problem täglich vor Augen hat, neigt oft dazu, vor lauter Wald die Bäume nicht mehr zu sehen. Ein anderer, unbelasteter Blickwinkel von einem neuen Trainer kann den Knoten z. B. in einer Lektion vielleicht lösen. Das heißt nicht, dass Ihr Reitlehrer vorher alles falsch gemacht hat, sondern nur, dass für eine bestimmte Situation seine Sicht der Dinge auf Dauer möglicherweise zu einseitig war.

Findet der Kurs sogar im eigenen Stall oder in der Nähe statt, wäre es außerdem eine gute Idee, wenn Sie Ihren Trainer überzeugen könnten, mal einer Lehrgangsstunde beizuwohnen. „Bin mal gespannt, wie Herr XY unser Problem angeht, vielleicht hast du ja Zeit, es dir mal anzusehen, damit wir anschließend gemeinsam daran weiter arbeiten können“ – so überzeugen Sie auch Ihren vielleicht skeptischen Trainer, Ihren Trainingseifer zu unterstützen. Außerdem: Von den Ideen anderer (guter) Ausbilder kann jeder Trainer nur profitieren!

Last but not least: Seien Sie offen für Neues. Nicht alles, was Sie in einem Kurs zu hören bekommen, mag gleich sinnvoll klingen. Doch statt zu sagen (oder zu denken) „Das habe ich aber immer anders gemacht“, schadet es nicht, mal Alternativen auszuprobieren. Lösungsansätze für z. B. den Umgang mit einem „heißen Ofen“ gibt es viele, und wenn der bisherige Weg nicht gefruchtet hat und das Pferd immer noch nervös und hektisch ist, was spricht dagegen, einen neuen Weg zumindest zu versuchen?

Das heißt nicht, dass Sie alles, was Sie in einem Kurs erfahren haben, unkritisch übernehmen sollen und Ihr bisheriges Reiten nun völlig über den Haufen werfen müssen. Es heißt nur, dass Sie auch andere Ideen zulassen, sie ausprobieren und das übernehmen, was Ihnen und Ihrem Pferd langfristig hilft.

Mein Ball kann keine Tore

Dr. Britta Schöffmann hat langjährige Erfahrung als Kursleiterin und weiß, dass Reiter manchmal mit falschen Vorstellungen einen Kurs besuchen.

Reiter können alles, vor allem reiten. Das Problem, wenn denn eines auftaucht, liegt dann ganz klar beim Pferd: „Mein Pferd kann rechts nicht angaloppieren“, „Mein Pferd kann nicht am Zügel gehen“, „Mein Pferd kann keinen runden Zirkel laufen“ – die Pferde können dieses und jenes nicht. Gerade beim Erstgespräch mit Teilnehmern von Lehrgängen fallen immer wieder solche Sätze. Aussagen wie „Ich kann nicht …“ sind da schon seltener – und umso erfreulicher. Endlich mal jemand, der begriffen hat, dass ein Pferd nur das macht und machen kann, was ihm der Reiter nachvollziehbar über korrekte Einwirkung „erklärt“. In keiner anderen Sportart käme jemand auf die Idee zu sagen: „Mein Ski kann nicht nach links drehen“, „Meine Laufschuhe können keinen Marathon“ oder „Mein Ball kann keine Tore.“
Überall ist klar, dass der Sportler selbst erst mal die körperliche, koordinative, konditionelle und mentale Leistung bringen muss, bevor er sein Sportgerät mehr oder weniger beherrscht. Nur beim Reiten scheint das anders zu sein. Da soll das Pferd alles Mögliche können, und, wenn’s geht, auch dauerhaft. Dabei wird vergessen, dass ein Pferd kein Auto ist, das man konfigurieren und tunen kann. Es ist ein Lebewesen, das sich stetig verändert und entwickelt – in die eine wie in die andere Richtung. Ohne korrekten Input kein korrekter Output. Es wäre schön, wenn die Reiterinnen und Reiter begreifen würden, dass sie über Jahre und Jahrzehnte an sich arbeiten müssen, bevor sie von ihrem Pferd einen runden Zirkel erwarten dürfen. Dann würden beim Anblick gut ausgebildeter und gerittener Pferde vermutlich auch nicht mehr Sätze fallen wie „Ja mit soooo einem guten Pferd könnte ich das auch“. Talentierte Pferde werden geboren, gute Pferde werden gemacht – und zwar durch gutes Reiten.

Dr. Britta Schöffmann

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Dieser Artikel von Dr. Britta Schöffmann wurde erstmals in Ausgabe 8/2014 der Pferderevue veröffentlicht. Pferderevue AbonnentInnen können diese Artikel zusammen mit über 40.000 weiteren in unserem Online-Archiv kostenlos nachlesen. Einfach unter Service/Online-Archiv einloggen und in allen Heften aus über 25 Jahren Pferderevue zum Nulltarif blättern!
August 2016 Cover © Horst Streitferdt/KOSMOS Verlag
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