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19.10.2016

Vorsicht beim Wässern von Heu

Das Wässern von Heurationen steht heute in vielen Ställen auf der täglichen To-Do-Liste. Es soll Staub verringern und den Zuckergehalt reduzieren. Doch das Einweichen hat nicht nur Vorteile.

In vielen Ställen wird Heu gewässert, um insbesondere Allergikern das Leben zu erleichtern. © www.slawik.com
In vielen Ställen wird Heu gewässert, um insbesondere Allergikern das Leben zu erleichtern.
© www.slawik.com
Empfindliche Pferde reagieren schon auf wenig Staubpartikel und Schimmelbefall im Heu allergisch. Mit speziellen Heudämpfungsgeräten oder Wässern des Heus soll hier Abhilfe geschaffen werden. Beide Methoden bewirken, dass die flüchtigen Staubpartikel benetzt und damit das Einatmen von Staub reduziert wird. Inwieweit mit Dämpfen oder Wässern die mikrobiologische Qualität verbessert und die Inhaltsstoffe beeinflusst werden können, wurde jüngst von Forschern des Schweizer Instituts für Nutztierwissenschaften Agroscope untersucht.

Für den Bedampfungsprozess setzten die Wissenschaftler den britischen HayGain HG 1000 ein. Damit wurden die beiden Heuproben nach der Aufheizzeit für 50 Minuten behandelt. Um die Auswirkungen des Bedampfens auf die Futterqualität zu analysieren wurden drei Proben entnommen: Vom Ausgangsmaterial, direkt nach dem Dämpfen und nachdem das gedämpfte Heu drei Tage gelagert war.

Zum Vergleich wurde vom gleichen Ausgangsmaterial Heu gewässert. Dabei wurde das Heu während fünf Minuten, einer Stunde, sechs Stunden und 24 Stunden gewässert. Zusätzlich wurde im fünf Minuten lang gewässerten Heu erst nach drei Tagen eine weitere Probe gezogen.

Die Proben untersuchten die Forscher auf ihre mikrobiologische Qualität (aerobe mesophile Bakterien, Schimmelpilze, Hefen) hin, sowie hinsichtlich Trockensubstanzgehalte (TS) und Inhaltsstoffe.

Durch das Dämpfen wurde der Trockensubstanzgehalt des Heus nur geringfügig verändert - von durchschnittlich 89 auf gerade mal 80  Prozent. Deutlich größere Auswirkungen hatte hier naturgemäß das Wässern. Je nach Dauer der Wässerung lagen die TS-Werte zwischen 32 und 17 Prozent.

Bedampfen sicherer

Durch das Dämpfen konnte die mikrobielle Verunreinigung an aeroben mesophilen Bakterien, Schimmelpilzen und Hefen deutlich reduziert werden. Selbst bei den Probenahmen drei Tage nach dem Dämpfen stiegen die Werte nicht an. Ein gänzlich anderes Bild bot sich den Wissenschaftlern bei den gewässerten Proben. Hier nahmen die Keimgehalte bei einer Wässerung von fünf Minuten nicht wesentlich ab. Mit zunehmender Wässerungsdauer stiegen die Keimgehalte, insbesondere der Hefen, allerdings drastisch an. In den gewässerten Heuproben, in denen erst nach drei Tagen die Keimgehalte bestimmt wurden, war das Futter bei der Probennahme warm. Diese Proben wiesen sehr hohe Keimgehalte auf und galten als stark verdorben.

Auf die Inhaltsstoffe hatte das Dämpfen nur geringe Auswirkungen. Vor allem der Zuckergehalt konnte durch die Behandlung im Bedampfer kaum reduziert werden. Hier erwies sich das Wässern als deutlich effektivere Methode. Je länger das Heu eingeweicht wurde, desto weniger Zucker fand sich in den Proben. Dieser Effekt lässt sich einerseits durch das Auswaschen des Stoffes erklären, andererseits auf die Aktivität der Hefen zurückführen, die einen Teil des Zuckers abbauen.
Aerobe mesophile Bakterien © Agroscope
Aerobe mesophile Bakterien in den Heuproben (KBE/g: koloniebildende Einheiten pro g)
© Agroscope
Schimmelpilze © Agroscope
Schimmelpilze in den Heuproben (KBE/g: koloniebildende Einheiten pro g)
© Agroscope
Hefen in den Heuproben © Agroscope
Hefen in den Heuproben (KBE/g: koloniebildende Einheiten pro g)
© Agroscope
Zuckergehalte © Agroscope
Zuckergehalte in den Heuproben (g/kg TS)
© Agroscope
Steht die Zuckerredzierung im Vordergrund der Bemühungen, ist das Einweichen von Heu die effektivste Methode. Allerdings gilt es dabei die mikrobielle Verunreinigung im Auge zu behalten. Der drastische Anstieg von Schimmelpilzen und Hefen mit zunehmender Wässerungsdauer könnte die positiven Aspekte zunichte machen und ein nicht zu unterschätzendes gesundheitliches Risiko darstellen. Geht es primär um die Staubreduzierung und Qualitätsverbesserung, sind Pferdehalter mit dem Bedampfen jedenfalls auf der sichereren Seite.

Agroscope/ps
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