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29.07.2015

Was das Pferdegesicht über Schmerzen verrät

Anders als viele andere Tiere verfügt das Pferd über keinen Schmerzlaut, mit dem es auf Unwohlsein hinweisen kann. Schmerzen beim Pferd zu erkennen, ist für Pferdebesitzer deshalb häufig eine große Herausforderung. Wie Sie an der Mimik ihres Pferdes ablesen können, ob ihm etwas weh tut, lesen Sie hier.

Teilweise oder ganz geschlossene Augen liefern zusammen mit weiteren Merkmalen einen Hinweis auf mögliche Schmerzen. © Jonnysek - fotolia.com
Teilweise oder ganz geschlossene Augen liefern zusammen mit weiteren Merkmalen einen Hinweis auf mögliche Schmerzen.
© Jonnysek - fotolia.com
Viele Pferde sind Meister darin, Schmerzzustände geschickt vor uns zu verbergen. Sie leiden still vor sich hin, ohne dass ihr Besitzer auch nur die geringste Ahnung davon hat, dass mit seinem Liebling etwas nicht stimmt. Die oft kleinen Hinweise werden leicht übersehen und gehen im täglichen Umgang nicht selten unter. Dabei ist frühzeitige Schmerzerkennung wichtig. Sie hilft Krankheiten und Verletzungen rechtzeitig zu identifizieren und Probleme schnell in den Griff zu bekommen.

Studien an anderen Arten haben gezeigt, dass sich Schmerzen häufig in der Mimik der betroffenen Tiere ablesen lassen. Ob auch Pferde ein solches „Schmerzgesicht“ haben, dieser Frage ging ein Team dänischer und schwedischer Forscher in einer Studie nach. Sie fanden heraus, dass sich Schmerzzustände auch beim Pferd an verschiedenen Merkmalen zuverlässig ablesen lassen.
 

An diesen 6 Punkten erkennen Sie, ob ihr Pferd unter Schmerzen leidet:

Ohren
In der Grundstellung hält ein Pferd seine Ohren ohne Anspannung aufgerichtet, die Ohrmuscheln weisen nach vorne und nach außen, sehr entspannte oder müde Pferde lassen die Ohren seitwärts fallen, die Ohrmuscheln zeigen zur Erde. Trägt ihr Pferd seine Ohren hingegen permanent steif rückwärtsgerichtet, kann das ein Hinweis darauf sein, dass es an Schmerzen leidet.

Augen
Teilweise oder ganz geschlossene Augen liefern ein weiteres Anzeichen auf mögliches Unwohlsein. Im Rahmen der dänischen Studie wurde ein um mehr als die Hälfte reduziertes Augenvolumen bereits als deutliches Schmerzsignal gewertet.

Stirn
Auch Spannungszustände im Bereich der Muskulatur oberhalb des Auges geben einen sicheren Hinweis auf mögliche Schmerzen. Durch das Zusammenziehen der Gesichtsmuskeln zeichnet sich die Knochenstruktur in diesem Bereich stärker ab. Je nach Intensität wirkt der Gesichtsausdruck angespannt bis gequält. Ist das Schläfenbein anders als sonst plötzlich gut sichtbar, können deutliche Schmerzen die Ursache dafür sein.

Kaumuskulatur
Wer Schmerzen hat, spannt den Unterkiefer an. Das ist beim Pferd nicht anders. Die gesteigerte Anspannung zeigt sich beim Pferd in der Unterkiefermuskulatur. Zeichnet sich diese deutlich ab, machen ihm möglicherweise bereits erhebliche Schmerzen zu schaffen.

Maul
Zusammengepresste Lippen, ein angespanntes Maul und ein betontes „Kinn“ geben ebenfalls einen Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmt.

Nüstern
Schmerzen können sich durch einen angespannten und erweiterten Nüsternbereich äußern. In der Seitenansicht wirkt die Nase abgeflacht und die Lippe verlängert. Dieser Eindruck verstärkt sich mit zunehmendem Leidensdruck.
Schmerzanzeichen Normal © Karina Bech Gleerup
© Karina Bech Gleerup
Schmerzanzeichen Schmerzen © Karina Bech Gleerup
© Karina Bech Gleerup
Mithilfe der angeführten Merkmale konnten verschiedene Personen, die zuvor in einer kurzen Schulung mit dem System vertraut gemacht worden waren, zuverlässige Aussagen darüber tätigen, ob das vorgestellte Pferd Schmerzen litt, oder nicht. Die Studie verweist auf eine durchschnittliche Erfolgsrate von hohen 82 Prozent.

Tritt eines der genannten Merkmale isoliert auf, muss das natürlich noch lange kein Beweis dafür sein, dass ein Pferd tatsächlich Schmerzen hat. In ihrer Gesamtheit betrachtet, lässt die Gesichtsmimik jedoch zuverlässige Rückschlüsse auf den Befindlichkeitszustand eines Pferde zu. Wer sich nicht sicher ist,  sollte seinen Tierarzt zu Rate ziehen.

Die Studie "Development of the Horse Grimace Scale (HGS) as a Pain Assessment Tool in Horses Undergoing Routine Castration" von Emanuela Dalla Costa, Michela Minero, Dirk Lebelt, Diana Stucke, Elisabetta Canali, Matthew C. Leach wurde im Rahmen der internationalen Online-Fachzeitschrift PLOS One veröffentlicht.

ps
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