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15.02.2011

Wie die Ausbildung die Persönlichkeit des Pferdes beeinflusst

Coole Voltigierpferde, hysterische Dressurchracks: Was ist dran an diesen vermeintlichen Vorurteilen? Dieser Frage gingen Forscher der Universität Rennes nach und versuchten aufzuklären, inwieweit die Ausbildung die Persönlichkeit des Pferdes beeinflusst. Die Ergebnisse waren eindeutig.

Dressurpferden fehlt im Zuge ihrer Ausbildung oft das Ventil ihren Emotionen freien Lauf zu lassen. Das ist mit ein Grund, warum sie auf Unbekanntes oft mit Stress reagieren. © Tomas Holcbecher
Dressurpferden fehlt im Zuge ihrer Ausbildung oft das Ventil ihren Emotionen freien Lauf zu lassen. Das ist mit ein Grund, warum sie auf Unbekanntes oft mit Stress reagieren.
© Tomas Holcbecher
Dazu wurden einhundert Pferde aus verschiedenen Disziplinen unterschiedlichen Verhaltenstests unterzogen. Das Ergebnis war eindeutig: Dressurpferde zeigen einen deutlich größeren Level an Nervosität als Pferde aus anderen Disziplinen. Damit wurden frühere Studien bestätigt, die Dressurpferde als die Angsthasen der Pferdewelt identifizierten.

Die Studie, veröffentlicht im PLOS One Magazin unter dem Titel "Does Work Affect Personality? A Study in Horses.", wurde an der Ecole Nationale d’Equitation bei Saumur in Frankreich durchgeführt, getestet wurden 119 Wallache im Alter zwischen vier und 20 Jahren. Es handelte sich dabei hauptsächlich um Selle Français und Anglo-Araber, die genetisch nicht für eine spezielle Eignung selektiert worden waren. Die Ergebnisse verfälschende Umwelteinflüsse konnten während der Studie weitgehend ausgeschaltet werden, was die gewonnenen Erkenntnisse untermauert.

Die Forscher fanden heraus, dass sich Pferde aus unterschiedlichen Disziplinen weniger in ihrer allgemeinen Emotionalität unterscheiden, vielmehr aber darin, wie sie diesen Emotionen Ausdruck verleihen. Demzufolge zeigten Dressurpferde das größte Erregungspotential, wohingegen Voltigierpferde am ruhigsten waren.

Helle Aufregung statt Neugierde

Im Zuge der Studie wurden die Pferde unterschiedlichen Tests unterzogen. Während des Reitbahn-Tests wurden die Pferde in einem Umfeld alleine gelassen, in dem sie üblicherweise geritten wurden. Im Neuer-Gegenstand-Test wurde beobachtet, wie die Pferde auf einen neuen Gegenstand in der Reitbahn reagierten, im Brücken-Test wurden die Pferde am Halfter über ein unbekanntes Hindernis aus Betonblöcken, Planen und Schaummatten geführt. „Die Verhaltenstests haben gezeigt, dass die Art, wie die Pferde trainiert werden, großen Einfluss darauf hat, wie sie sich verhalten, wenn sie einer neuen Herausforderung gegenüberstehen. Obwohl allen Pferden die Testumgebung hinlänglich bekannt war, haben manche der sehr erfahrenen Pferde sehr starke Reaktionen gezeigt, wenn man sie alleine ließ oder wenn ein neues Objekt ins Spiel kam. Zudem zeigten Pferde der verschiedenen Sparten auch unterschiedliches Interesse an dem neuen Gegenstand. Während bei Voltigier- oder Springpferden grundsätzlich die Neugierde geweckt wurde, zeigten andere Pferde eher die Tendenz zu gesteigertem Bewegungsdrang und einem aufgeregten Verhalten wie Passagieren, einem hoch erhobener Schweif und gesteigerter Wachsamkeit.“

Weniger Möglichkeit Emotionen und Bewegungsdrang auszuleben

Warum gerade Dressur- und Hohe-Schule-Pferde derart nervös reagieren, erklären sich die Forscher so: „Dressur- und Hohe-Schule-Pferde werden während der Arbeit sehr stark kontrolliert und in ihren natürlichen Bewegungen teilweise stark eingeschränkt. Emotionen sind unerwünscht - und häufig fehlt das Ventil, ihnen freien Lauf zu lassen. Ein Umstand, der beim Menschen als Stressauslöser bekannt ist. Auf der anderen Seite liegt es nahe, dass die Tatsache, dass Dressurreiter schnelle und präzise Reaktionen auf ihre Hilfen fordern, eine besondere Empfindsamkeit bei den Pferden entwickelt, die sich schnell in Nervosität verwandeln kann. Springpferde haben mehr Möglichkeiten, ihren Bewegungsdrang auszuleben, was vielleicht erklärt, warum sie bei den Tests ruhiger und gefasster reagierten“, so die Studie. Unterschiede zwischen den beiden getesteten Rassen konnten übrigens kaum festgestellt werden.
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